Ich habe eben eine ganze Weile im King-Forum (auf stephen-king.de) gestöbert. Besonders interessant fand ich, wie oft einige schon die komplette Turm-Saga gelesen haben. Es gibt nur wenige Bücher, die ich mehrfach gelesen habe, Mehrteiler so gut wie nie und schon gar keine Reihe, die aus sieben fetten Schinken besteht. Allerdings war das damals echt ein Erlebnis und ich ertappe mich dabei, es doch mal in Erwägung zu ziehen. Auch wenn das Leseerlebnis nicht die gleiche Intensität haben wird, weil man den Weg des Ka-Tet ja bereits kennt, und weiß, wie alles endet, aber wie viele Filme hab ich mir schon x-mal angeguckt? Nur kostet das ja weniger Zeit, als einen Roman zu lesen. Und mein SUB (Stapel ungelesener Bücher) wächst ständig. Viel zu oft lese ich auch Bücher, die wir gar nicht in den Laden bekommen, was an sich nicht schlimm ist, aber sich dann bei den Beratungen rächt (wenn ich den Leuten großartige Romane empfehlen könnte, die wir gar nicht da haben und über die vorhandenen wenig zu erzählen habe).

Einer dieser Romane war nun zuletzt “Als wir unsterblich waren” von Tony Parsons, der mir richtig gut gefallen hat! Etwas weiter unten ist noch der Klappentext zu finden, der wohl wieder von jemanden geschrieben wurde, der das Buch gar nicht komplett gelesen hat. Darin heißt es: “Die drei Freunde Terry, Ray und Leon ziehen in dieser Nacht gemeinsam durch London. Sie sind auf der Suche nach dem schönsten Mädchen der Welt …”
1.) Am Anfang der Nacht sind die drei wirklich gemeinsam unterwegs, doch dann geht jeder seiner Wege, und die kreuzen sich erst am nächsten Tag wieder.
2.) Zwar haben alle in dieser Nacht Begegnungen mit Frauen, allerdings ist keiner von ihnen mit dem Vorsatz “Das schönste Mädchen der Welt zu finden” gestartet.
3.) Einer von ihnen ist sogar ganz klar nur auf der Suche nach John Lennon, der sich in der Stadt aufhalten soll, der andere ist geschockt, weil seine Freundin mit einem anderen Typen abgehaun ist, und der Dritte im Bunde auf der Flucht vor Schlägertruppen, deren Lieblingsband er in seinem Artikel beleidigt hat.
Terry, Ray und Leon sind junge Journalisten bei einem Musikmagazin und für alle drei wird es eine besondere Nacht, die ihre Spuren hinterlässt, eine Nacht zwischen zwei Lebensabschnitten.
Großartig geschrieben! So lebendig, dass man die warme Nachtluft riechen kann, den Rauch und den Schweiß in den Clubs, die Musik und das Stimmengewirr hört, die Lichter der Reklamen und Laternen sieht. Interessant ist auch die Beschreibung der Musikszene der damaligen Zeit, der Punk-Hype, das Ende der Hippie-Ära und der Tod von Elvis. Die Figuren sind glaubhaft und vielschichtig.
Meine absolute Empfehlung!

Und nun folgt wieder die wunderbare Qual der Wahl: Was lese ich jetzt? ;-)

und der Revolvermann folgte ihm.”
(Der legendäre erste Satz von Stephen Kings Saga)

Der Graphic Novel-Sammelband “Der dunkle Turm” ist nun ausgelesen. Oder müsste es angeguckt und gelesen heißen? Jedenfalls bin ich nun durch und leider etwas enttäuscht. Der Sammelband ist im vierten Roman der Reihe (”Glas“) ansiedelt und fasst die Geschichte (Rolands Vergangenheit) grob zusammen. Der Roman war für mich einer der besten der ganzen Reihe, doch die Comicversion empfand ich oft als extrem pathetisch. Vielleicht müssen Comics so sein, ich weiß nicht, wann ich zuletzt eines in der Hand hatte, vielleicht sind solche Comics einfach so eine Art “Wendy-Heft-für-ältere-Jungs”, jedes Geschlecht und jede Altersgruppe braucht schließlich seinen eigenen Kitsch. Besonders die theatralisch-dramatische Erzählerstimme, die alle paar Bilder ihren Senf dazu gibt, ging mir bald auf den Keks. Eine kleine Kostprobe gefällig?
Vorerst wird er sich mit den vernickelten Waffen eines Revolvermanns im ersten Jahr begnügen. Er liebkost sie wie eine Frau … nur mit mehr Liebe.” oder “Jetzt wird’s schlimm, das muss ich euch warnend sagen. Wirklich schlimm, wisst ihr?
Bei den Figuren konnte ich die schon aus den Romanen bekannte Sprache, die King für seine Mittwelt geschaffen hat, akzeptieren, auch wenn es so gebündelt manchmal hart an der Grenze war.

Doch ich will nicht nur meckern: Optisch ist dieser Band echt beeindruckend! Die Graphiken sind einfach toll und stimmungsvoll, auch insgesamt ist die Ausgabe sehr liebevoll gestaltet. Als Zugabe gibt es ein Poster (allerdings nur in den ersten ausgelieferten Exemplaren, wie ich gehört habe), am Ende des Heftes befindet sich Kartenmaterial, ein paar Extra-Zeichnungen und ein langer offener Brief von Stephen King, in dem er auch erzählt, wie es zu diesem Projekt mit Marvel kam.

Also, wer die Turm-Saga verschlungen hat, kommt auch nicht um dieses Comic herum. Man erfährt zwar nichts Neues, aber eine interessante Interpretation ist es allemal - sofern man eine ganze Ladung mehr männlichen Pathos als in den Romanen verkraften kann. Vielleicht fehlte mir dafür einfach nur etwas Testosteron… ;-)

Lange Tage und angenehme Nächte!

Vorhin hatten wir zwei Mädels da, beide in Ärzte-Shirts, die, vor Glück strahlend und kichernd, jede knapp 100€ für je eine handsignierte und limitierte Sonderausgabe von Farin Urlaubs dickem Bildband “Indien & Bhutan” ausgegeben haben. Das Buch ist eigentlich als vergriffen gemeldet, warum wir diese Sonderausgaben haben, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Die Mädchen waren total aus dem Häuschen und ihre gute Stimmung echt ansteckend!

Niedlich war auch ein Italiener vorhin, der sich freudestrahlend mit “Guten Morgen!” verabschiedete. (Ja, genau wie: “Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen!”)

Und diese zwei Bücher haben mich heute vor Freude strahlen lassen:

Eine Kollegin hat mir eine Kiste mit Leseexemplaren geschickt, die noch in der alten Filiale für mich angekommen sind. Darunter nun diese beiden Schmuckstücke!
Der King hier ist keine Fortsetzung der “Dunkle Turm“-Reihe, sondern erzählt aus der Jugend vom Revolvermann Roland. King hat daran mitgewirkt und der vierte Band der Saga (”Glas“) diente als Grundlage und Inspiration. Obwohl ich sonst so gut wie keine Comics lese (sieht man mal von Cartoons wie diesem oder diesem ab), bin ich mordsgespannt auf das ungewohnte Leseerlebnis und freu mich wie Bolle, endlich mein eigenes Exemplar zu besitzen!

Der Klappentext bei Tony Parsons “Als wir unsterblich waren” verspricht Folgendes:
“16. August 1977. Eine endlose Sommernacht. Die Nacht nach dem Tod von Elvis. Es liegt etwas in der Luft, das mehr ist als Punk. Alles scheint möglich. Die drei Freunde Terry, Ray und Leon ziehen in dieser Nacht gemeinsam durch London. Sie sind auf der Suche nach dem schönsten Mädchen der Welt… Ein wildes und authentisches Buch über das Ende einer Jugend und den Anfang einer Liebe. Ein Roman für alle, die nicht erwachsen werden wollen. Und für alle, die es eigentlich längst sind.”
In der Mittagspause schon mal angelesen und die ersten Seiten für gut befunden!

Die “Vergebung” ist ausgelesen und die versprochene Lobhudelei wird bald folgen! ;-)

… , der hoffentlich noch nicht vorüber ist! Draußen regnet, gewittert und stürmt es gerade. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Nein, ich möchte endlich mal meine kleinen Rezis nachholen - auf Grund der Menge werde ich mich kurz fassen.

In chronologischer Reihenfolge:

Kühles Grab von Lisa Gardner
Spannender Thriller + mysteriöses Familiendrama = toller Pageturner!

Kill your friends von John Niven
Ja, es war das Cover und der Vergleich mit “American Psycho“, der mich zum Kauf verleitet hat. Doch Bret Easton Ellis kann das um Längen besser, was John Niven hier versucht hat: Eine bitterböse Satire über die abgestumpfte (reiche) Gesellschaft zu schreiben. Bei Niven ist es die Musikindustrie. War Patrick Bateman noch eine tragische und dreidimensionale Figur, so ist Steven Stelfox einfach nur ein Arsch, der seine gesamte Umwelt hasst.
Allerdings muss ich zugeben, dass der Roman auch wirklich gute und starke Szenen hat und insgesamt recht gut geschrieben ist. Kann man lesen, muss man nicht.
(Ellis kann es halt besser. Basta!)

Land des Lachens von Jonathan Carroll
Diesen schmucken Roman (ich mag es ja, wenn Bücher ein gewisses Eigengewicht haben, wie eben dieses) bekam ich zum Geburtstag geschenkt und war schon nach wenigen Seiten hin und weg: Eine wunderbar geschriebene und wundervoll gesponne Geschichte über einen wunderlichen Schriftsteller, dessen Schreibe gar wundersame Auswirkung hat!
Eine Perle! Ein wirklich beeindruckender Roman, der immer für eine Überraschung gut ist und mich rundum überzeugt hat! (Danke! :-))

Mögliche Nebenwirkungen von Augusten Burroughs
Ich würde es sehr begrüßen, wenn seine autobiographischen Kurzgeschichtenbände in Zukunft so dick wie Telefonbücher wären, man ist immer viel zu schnell auf der letzten Seite. Die Einblicke in seine neurotische Welt und die Rückblicke in seine etwas andere Kindheit sind einfach herrlich - bitte ganz schnell Nachschub!
(Weiterhin werde ich den Verdacht nicht los, dass er und David Sedaris entweder ein und die selbe Person oder Seelenverwandte sind ;-))

Der kleine Vampir und die letzte Verwandlung von Angela Sommer-Bodenburg
Da mich die Abenteuer von Anton Bohnsack und der Schlotterstein-Sippe schon mein ganzes Leben begleiten, musste ich natürlich auch den letzten Band lesen: Wie immer eine hübsche Geschichte und ein würdiger Abschluss dieser Kinderbuchreihe!

Grazie von Chelsea Cain
Der zweite Teil um die Serienmörderin Gretchen Lowell und ihren Jäger (und gleichzeitig letztes Opfer) Archie Sheridan. Der Roman braucht etwas Anlaufzeit, nimmt dann jedoch volle Fahrt auf. War schon sehr spannend, aber konnte mit dem ersten Teil, “Furie“, nicht ganz mithalten.

Monsterjäger-Akademie I: Das Portal des Barakkas von Dean Lorey
Mal wieder was für die Potter-Schublade, aber trotz einiger Ähnlichkeiten (Junge, der von seinem starken magischen Fähigkeiten erfährt, auf eine Akademie kommt, dort gleich zwei beste Freunde findet, einen Jungen und ein Mädchen, und ein finsterer Oberschurke, der es auf ihn abgesehen hat) auch sehr eigene und witzige Ideen zu bieten hat. Wirklich netter Lesespaß für junge Potter-Fans.

Ritus von Markus Heitz
Hhm. Die “Kinder des Judas” haben mir besser gefallen. Hier sind es statt Vampiren nun Werwölfe, in meinen Augen sowieso weniger interessant, aber auch die Figuren waren etwas blasser gezeichnet (bzw. eindimensional überzeichnet). Zwischendurch gab es ein paar Längen und ein so offenes Ende hatte ich nicht erwartet (mit “Sanctum” liegt glücklicher Weise bereits der zweite und letzte Teil parat). Doch es gab auch sehr spannende Abschnitte, ich mag den Stil von Heitz und ich hab es gern gelesen.
Nun freu ich mich erstmal auf sein “Vampire! Vampire!“, das im November erscheint!

Verdammnis von Stieg Larsson
Dass ich nur anderthalb Tage für die knapp 750 Seiten gebraucht habe, sagt wohl alles… Der zweite Teil war sogar noch eine Steigerung zur “Verblendung”, Larsson versteht es meisterhaft einen dichtgewobenen, mordsspannenden, intelligenten, unterhaltsamen Thriller zu schreiben, mit einmaligen lebendigen und faszinierenden Figuren! Es ist einige Zeit vergangen zwischen den beiden ersten Bänden, dafür schließt der dritte, die “Vergebung”, dann direkt an den zweiten an. Es ist also äußerst sinnvoll, den auch gleich zur Hand zu haben!

Stranger than fiction von Chuck Palahniuk
Prima: Lauter wahre Geschichten aus Palahniuks Nähkästchen! Eine Sammlung von autobiographischen Geschichten und Artikeln, sowie kurzen (und etwas anderen) Biographien (die bekanntesten Namen dürften wohl Juliette Lewis und Marilyn Manson sein). Lässt sich prima lesen und ist voll dieser kleinen interessanten Kleinigkeiten, die mir bei ihm so gefallen - und man erfährt auch, wie er zu diesen Informationen kommt.

Vergebung von Stieg Larsson
Wie war das mit dem lachenden und dem weinenden Auge?
Nun bin ich also (akutell auf Seite 387 von fast 900) beim letzten Teil dieser grandiosen Trilogie, mit dem Wissen, dass es von Larsson leider niemals Nachschub geben wird. Aber ich hoffe, andere Autoren schneiden sich eine gewaltige Scheibe ab - irgendwer hat über ihn geschrieben, dass er “alles richtig gemacht hat”, das kann ich nur unterschreiben!
Wenn ich die letzte Seite gelesen habe, werde ich nochmals berichten. Ich gehe stark davon aus, dass es dann weiterhin die reinste Lobhudelei sein wird, aber er hat es einfach verdient! ;-)

Heute Nachmittag fragte (bzw. redete einfach in ein Kundengespräch hinein) mich ein etwa 16jähriger Junge, ob wir Bücher über Arnold Schwarzenegger hätten. Haben wir nicht, bestellen wollte er sich nichts.
Etwa fünf Minuten später stand er wieder vor mir (erneut quatschte er einfach dazwischen): “Haben sie Bücher über den Zweiten Weltkrieg? Den find ich nämlich genauso toll wie Schwarzenegger!”
Haben wir natürlich. Eine Viertelstunde später verließ er glücklich den Laden mit zwei Büchern über den “tollen” Krieg.

Eine ältere Dame: Wo stehen denn hier die Romane von Stefan King?
(Wohl klar, oder?)

Eine junge Frau: Haben sie den Roman “Nasszelle”?
Ein Mann: Haben sie “Feuchte Zone”?”
(Die “Feuchtgebiete” sind übrigens wirklich seit Wochen das meistgefragteste Buch - von Menschen jeden Alters, Geschlechts und sozialer Schicht! Ich hab es nicht gelesen, aber ein paarmal darin geblättert und Abschnitte überflogen. Wo ich mich sonst Warnungen eher reizen, ein Buch zu lesen, hier fehlt mir einfach jegliche Lust. Ich fand Charlotte Roche bisher recht sympathisch und mich nervt diese extreme Körperhysterie der heutigen Zeit auch manchmal, doch das Pippi-Kacka-Sperma-Eiter-Gelaber auf jeder Seite, die ich aufgeschlagen habe, noch mehr.)

Eine ältere Dame: Haben sie den Roman “Fisch mit Zitrone”?
(Gemeint war “Der Zitronentisch”)

Ein Mann mittleren Alters: Ich habe vorhin im Radio etwas über einen Krimi gehört, der Autor heißt irgendwas mit B und es kommen Raben darin vor.
(Nach viel Recherche kam heraus, dass es sich um “Kaltenburg” von Marcel Beyer handelte - und die Raben waren Dohlen)

Schon ein wenig länger her, aber einfach gut:
Ein älterer Herr mit breitem sächsischen Dialekt: Wo finde ich Sägräd?
(Das Gesuchte war kein Sekret sondern “The Secret - Das Geheimnis”)

Darf man den ersten Roman von Ralf Husmann (Autor der genialen Serien “Stromberg” und “Dr. Psycho“) und den Klassiker von Jörg Fauser in einem Artikel besprechen und vergleichen - zwei Romane, die zwar oberflächlich gesehen recht ähnlich sind, doch aus zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen kommen?
Klar.
Ich darf hier sowieso schreiben, was ich will. ;-)

Nach den schlechten Affen (”Bad Monkeys”) folgte nun also der “Rohstoff” von Jörg Fauser. Jetzt ist mir natürlich klar, wieso ich so oft danach gefragt wurde, denn die Beatgeneration spielt hier eine recht große Rolle: Ihr damaliger Einfluss auf Deutschland und Burroughs himself hat einen eindrucksvollen Auftritt (obwohl, Burroughs war garantiert selbst bei so profanen Alltagsaktivitäten wie Blumen gießen oder Katzen füttern eindrucksvoll).

Burroughs bei YouTube

Der Entschluss, danach “Nicht mein Tag” von Ralf Husmann zu lesen, fiel spontan, als am Freitagmorgen vor Arbeitsantritt die Waschmaschine das ganze Badezimmer in ein Badespaßparadies verwandelte. Mein Vergnügen am Aufwischen war recht verhalten.

Fausers Alter Ego Harry Gelb ist wie Husmanns Figur Till Reiners ein Antiheld, der das Gefühl hat, dass es da noch mehr geben muss und darum sein Leben verändern möchte. Doch Harry Gelb ist aktiv auf der Suche, scheitert und steht wieder auf, jedes Mal aufs Neue, probiert sich in verschiedenen Jobs, verschiedenen Schreibstilen, verschiedenen Lebensformen, während Till Reiners seit der Kindheit den gleichen Seitenscheitel trägt, Frau und Kind hat, seit gefühlten Ewigkeiten bei der Dresdner Bank arbeitet und erotische Tagträume von seiner weit jüngeren Kollegin hat.

Fausers Stil ist direkt, klar, ehrlich, voll trockenem Humor, großen Kleinigkeiten und kleinen Weisheiten, ganz in der Tradition der Beats, Buk, Fante und Djian - ein Lesegenuss der feinsten Sorte! Wir begleiten Harry Gelb über einen längeren Abschnitt der 60er und 70er Jahre. Er ist Junkie in der Türkei, Hausbesetzer in Deutschland, er schreibt, säuft und jobbt und hat Sex, wenn es sich ergibt.
Kein Leben könnte hier weiter entfernt sein, als das von Till Reiners im 21. Jahrhundert: Anständig vom (Seiten-) Scheitel bis zur Sohle ist er durch sein Leben getrottet, bis eines Tages seine Bankfiliale überfallen wird. Um die Hauptdarstellerin seiner Tagträume zu retten, bietet er sich als Geisel an und erlebt ein paar wirklich abenteuerliche Tage mit dem unberechenbaren Nappo und dessen Freundin, in denen er nicht nur Landesgrenzen überquert. Husmanns Stil ist hier genauso schwarzhumorig, voller Alltagsskurillitäten, intelligent und frisch, wie in seinen Serien - wer die mag, hat also auf jeden Fall seinen Spaß mit dem Roman!

Ergebnis: Jeder in seiner Gewichtsklasse ein Sieger und absolut empfehlenswert!

Die Wahl war auf “Bad Monkeys” von Matt Ruff gefallen. Die ersten Seiten waren auch recht vielversprechend. Das ganze Buch besteht aus einem Interview zwischen einem Psychiater der Strafvollzugsanstalt und Jane Charlotte, die wegen Mordes angeklagt wurde. Doch sie behauptet, Mitglied einer geheimen Organisation zu sein, die schlechte Menschen (schlechte Affen) tötet, damit diese nicht noch mehr Schaden anrichten können. Sie erzählt ihre zum Teil widersprüchliche Geschichte und am Ende ist doch wieder alles ganz anders.

Die Idee an sich hat mir sehr gut gefallen, es gab auch einige spannende Momente, aber insgesamt liegt dieser Roman weit hinter “Ich und die anderen” und “Fool on the hill”! Die meisten Nebenfiguren bleiben sehr wage und zu Jane Charlotte bekam ich auch keinen richtigen Draht. Dass sie nicht als rein positive Person wahrgenommen werden soll, wird schnell klar, doch auf den Keks gehen sollte sie bestimmt nicht.

Erst vor ein paar Wochen habe ich ein ähnliches Buch gelesen, auch hier war ein Gespräch mit einem Psychiater das Grundgerüst um eine wilde Geschichte: “Der geniale Mr. Fletcher” von Craig Clevenger.
(Übrigens wieder eine Empfehlung von Chuck Palahniuk und wieder ein Treffer!)
John Dolan Vincent wechselt häufig seine Identitäten. Das fällt ihm nicht schwer, denn er hat sich zu einem erstklassigen Fälscher entwickelt. Aufgrund einer Überdosis von Medikamenten und Drogen ist er im Krankenhaus gelandet und steht unter Suizidverdacht. Der Psychologe soll nun herausfinden, ob der Patient entlassen werden darf. John Vincent, der derzeit Daniel Fletcher heißt, steht nun vor der Herausforderung, eine komplette normale Vergangenheit für seine geklaute Persönlichkeit abzuliefern, während sein wirkliches Leben bisher alles andere als normal war. Ein spannendes Kammerspiel und eine noch spannendere und interessante Lebensgeschichte!
Auch hier hab ich keine übergroße Sympathie für die Hauptfigur entwickelt, aber dafür stimmte die Chemie und es war einfach ein richtig klasse Trip durch ein ungewöhnliches Leben!

Nomen est omen:
Die schlechten Affen bekommen 6 von 10 Punkten.
Der geniale Mr. Fletcher hat sich 9 von 10 Punkten verdient! (Im August kommt der Roman als Taschenbuch raus)

… eines der schönsten, die es gibt: Vor mir liegen “Bad Monkeys” von Matt Ruff und “Rohstoff” von Jörg Fauser (war keine Herausforderung es zu bekommen, Ray, bestellt und am nächsten Tag war es da ;-), beide noch wunderbar neu und eingeschweißt, und ich hab keinen Schimmer, welches ich nun als erstes von der Folie befreien und lesen werde.
Matt Ruff hatte mich damals mit “Fool on the hill” überrascht und begeistert, mit “Ich und die anderen” hatte ich mir atemlos die Nacht um die Ohren gehaun’, weil ich es nicht aus der Hand legen konnte. Ich gehe davon aus, mit “Bad Monkeys” ähnliches zu erleben - weswegen ich auch nicht auf die Taschenbuchausgabe warten konnte.
Wie oft mir schon der “Rohstoff” empfohlen wurde (oder ich über positive Erwähnungen gestolpert bin), weiß ich gar nicht, sehr oft jedenfalls, und am Wochenende ein weiteres Mal. Wird wohl Zeit, endlich diese Wissenslücke zu schließen, dachte ich mir am Montag. Nun liegt es ganz verheißungsvoll vor mir.
Neben den bösen Affen. (Der Ruff hat diesmal sogar ein äußerst cooles Cover!)

Ich schätze mal, da bleibt nur der Griff zur Münze, zwei Streichhölzern oder zwei Zetteln. *g*

Für den frühen Abend waren Gewitter angesagt, aber der Himmel blieb blau und der Wind hatte nachgelassen.
Vorhin habe ich die erste “Betty Blue“-CD gehört: Doch, Ben Becker passt wie die Faust aufs Auge! Nur seine Betty-Stimme klingt noch etwas ungewohnt.

Die letzte Seite vom “Teuflischen Genie” ist gelesen und der Roman hat sich gute 8 von 10 Punkten verdient. Die zweite Hälfte war ernster, sehr spannend, weiterhin unterhaltsam und hatte noch einige Überraschungen zu bieten! Übrigens sollen noch zwei weitere Teile erscheinen.
Werden eigentlich nur noch Trilogien geschrieben?

Heute hab ich erfahren, dass das “Betty Blue“-Hörbuch (gelesen von Ben Becker) in meiner alten Filale auf mich wartet. Bin schon mordsgespannt und werde ihn garantiert nicht lange warten lassen!

Das “Teuflische Genie” ist bald beendet und macht richtig Spaß! Als Kinderbuch würde ich es jetzt nicht mehr bezeichnen, dafür gibt es zuviele Tote, und es ist auch sonst eher für ältere Jugendliche und Erwachsene geeignet. Der Stil und die verrückten Einfälle erinnern an die guten Romane von Christopher Moore.