Darf man den ersten Roman von Ralf Husmann (Autor der genialen Serien „Stromberg“ und „Dr. Psycho„) und den Klassiker von Jörg Fauser in einem Artikel besprechen und vergleichen – zwei Romane, die zwar oberflächlich gesehen recht ähnlich sind, doch aus zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen kommen?
Klar.
Ich darf hier sowieso schreiben, was ich will.
Nach den schlechten Affen („Bad Monkeys“) folgte nun also der „Rohstoff“ von Jörg Fauser. Jetzt ist mir natürlich klar, wieso ich so oft danach gefragt wurde, denn die Beatgeneration spielt hier eine recht große Rolle: Ihr damaliger Einfluss auf Deutschland und Burroughs himself hat einen eindrucksvollen Auftritt (obwohl, Burroughs war garantiert selbst bei so profanen Alltagsaktivitäten wie Blumen gießen oder Katzen füttern eindrucksvoll).
Der Entschluss, danach „Nicht mein Tag“ von Ralf Husmann zu lesen, fiel spontan, als am Freitagmorgen vor Arbeitsantritt die Waschmaschine das ganze Badezimmer in ein Badespaßparadies verwandelte. Mein Vergnügen am Aufwischen war recht verhalten.
Fausers Alter Ego Harry Gelb ist wie Husmanns Figur Till Reiners ein Antiheld, der das Gefühl hat, dass es da noch mehr geben muss und darum sein Leben verändern möchte. Doch Harry Gelb ist aktiv auf der Suche, scheitert und steht wieder auf, jedes Mal aufs Neue, probiert sich in verschiedenen Jobs, verschiedenen Schreibstilen, verschiedenen Lebensformen, während Till Reiners seit der Kindheit den gleichen Seitenscheitel trägt, Frau und Kind hat, seit gefühlten Ewigkeiten bei der Dresdner Bank arbeitet und erotische Tagträume von seiner weit jüngeren Kollegin hat.
Fausers Stil ist direkt, klar, ehrlich, voll trockenem Humor, großen Kleinigkeiten und kleinen Weisheiten, ganz in der Tradition der Beats, Buk, Fante und Djian – ein Lesegenuss der feinsten Sorte! Wir begleiten Harry Gelb über einen längeren Abschnitt der 60er und 70er Jahre. Er ist Junkie in der Türkei, Hausbesetzer in Deutschland, er schreibt, säuft und jobbt und hat Sex, wenn es sich ergibt.
Kein Leben könnte hier weiter entfernt sein, als das von Till Reiners im 21. Jahrhundert: Anständig vom (Seiten-) Scheitel bis zur Sohle ist er durch sein Leben getrottet, bis eines Tages seine Bankfiliale überfallen wird. Um die Hauptdarstellerin seiner Tagträume zu retten, bietet er sich als Geisel an und erlebt ein paar wirklich abenteuerliche Tage mit dem unberechenbaren Nappo und dessen Freundin, in denen er nicht nur Landesgrenzen überquert. Husmanns Stil ist hier genauso schwarzhumorig, voller Alltagsskurillitäten, intelligent und frisch, wie in seinen Serien – wer die mag, hat also auf jeden Fall seinen Spaß mit dem Roman!
Ergebnis: Jeder in seiner Gewichtsklasse ein Sieger und absolut empfehlenswert!