Soll ich erst noch ein bisschen um den heißen Brei reden? Ich könnte zum Beispiel erzählen, dass der betreffende Roman schon einige Wochen (Monate?) hier in einem Stapel wartete, öfter zur Hand genommen, aber nie als aktuelles Buch erwählt wurde. Oder ich könnte von dem Autor erzählen, der erst 23 Jahre alt ist und erwähnen, dass dieser Roman sein Debüt war. Vielleicht auch damit einleiten, dass er der jüngste Autor ist, der je bei Diogenes verlegt wurde.
Ach, ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen. Dieser grandiose Debütroman ist „Becks letzter Sommer“ von Benedict Wells. Und ich habe ihn innerhalb eines halben Tages (nämlich heute Vormittag bis Nachmittag) gelesen verschlungen.
Worum geht es?
Der 37jährige Robert Beck ist Lehrer für Deutsch und Musik an einem Gymnasium in München. Nicht, weil das sein Traumberuf war, sondern eher, weil sein mittlerweile verstorbener Vater ihn einst in diese Richtung geschubst hatte. Er selbst wäre gern Musiker geworden. Nun ist er ein unzufriedener Lehrer, der seine Schüler um ihre Jugend und ihre Möglichkeiten beneidet, Beziehungstechnisch nichts länger als drei Monate durchhält und auf eine seiner Schülerinnen steht. Doch plötzlich ist da Lara, die nette Kellerin, die bald nach Rom ziehen wird, und dieser stille neue Schüler, Rauli, der sich als unglaublich musikalisches Talent entpuppt und voller Geheimnisse steckt. Nicht ganz uneigennützig entschließt sich Beck, der Manager des Jungen zu werden. In dem bis dahin dahinplätschernden Leben bilden sich wahre Strudel und so richtig abenteuerlich wird es, als er spontan mit Rauli und seinem hypochondrischen Kumpel Charlie in die Türkei fährt und Lara ihr Studium in Rom antreten will.
Während des Lesens kommt man nicht eine Minute auf die Idee, dass der Autor noch so jung ist. Übrigens begegnen wir ihm selbst in dem Roman einige Male. Eine nette Idee, die gut funktioniert. Dieser Roman ist intelligent, witzig, philosophisch, ist wunderbar geschrieben, weiß immer wieder zu überraschen und pulsiert einem zwischen den Fingern. Großartig! Ich bin schwer begeistert und kann ihn nur ausdrücklich empfehlen!
Übrigens spielt Benedict Wells selbst in einem Band. Mehr über ihn findet man hier. Eine richtige Homepage hab ich leider nicht gefunden.
Von meinen letzten vier ausgelesenen Bücher davor („Goodbye Lemon„, „Seelenbrecher„, „City Of Ashes“ und „Hölle„) berichte ich in den nächsten Tagen. Soviel jetzt: Das Urteil „Beste Unterhaltung“ trifft auf alle zu.
