Da wohne ich bereits einige Jahre in Dresden und falle noch immer gelegentlich darauf herein:
Eine Kundin möchte ihr bestelltes Buch abholen und nennt mir ihren Namen. Nachdem ich eine Weile erfolglos das Regal durchforstet habe, fügt sie hinzu: „Mit B, wie Baula.“
Doch eigentlich wollte ich jetzt von meinen letzten Büchern erzählen.
„Arcadia“ von Samantha Devin
Erst kürzlich habe ich einen Artikel über junge Schriftstellerinnen gelesen und eine von ihnen hatte in ihrer Anfangszeit ernsthaft überlegt, sich ein männliches Pseudonym zuzulegen, um ernstgenommen zu werden. Ich kann das gut verstehen, denn ich erwische mich selbst häuftig mit Vorurteilen. So auch hier. Doch der Klappentext klang interessant und schon nach wenigen Seiten hatte sie mich.
Julia Aridell ist 33, Schriftstellerin, gelangweilt und enttäuscht vom Leben. Finanziell unabhängig verbringt sie ihre Tage in selbstgewählter Einsamkeit mit Nichtstun. Bis eines Tages ein unbekannter Anrufer diesen einen Satz sagt: „Et in arcadia ego„
Zwei Jahre zuvor hatte eine Mutter ihre Tochter und beinahe auch ihren Sohn grausam ermordet und sich mit diesem Satz (eingestickt in ein Kissen, wenn ich mich nicht irre) fotographieren lassen. Julias Neugier ist geweckt und wird zur Obsession. Unter dem Vorwand, einen Roman über diesen Fall zu schreiben, besucht sie die Mörderin im Gefängnis und trifft etwas später auch auf Daniel, den Bruder des toten Mädchens. Ein Junge mit einer faszinierenden Ausstrahlung, der sie sich nicht entziehen kann. Eine folgenschwere Begegnung.
Eine ausgewogene und interessante Mischung, man erfährt einiges über griechische Mythologie, philosophische und moralische Fragen werden aufgeworfen (zum Glück nicht beantwortet) und insgesamt eine spannende Rahmenhandlung mit einigen Überraschungen. Gut gefallen hat mir auch, dass sich die Figuren selten in die Karten schauen ließen und sich die wenigsten in klassische Schubladen einsortieren lassen. Ungewöhnliche und intelligente Unterhaltung, sehr lesenswert!
„Jeder Mensch, jede Familie, jedes Volk wählte aus dem unendlichen Spektrum der Möglichkeiten eine begrenzte Anzahl von Mitteln aus, um sich eine eigene Realität zu konstruieren und, ausgehend von dieser, mit der Umwelt zu interagieren. Im Normalfall existierten diese Realitäten friedlich nebeneinander. Andernfalls kam es zu Konflikten und Kriegen oder, wie bei mir, zum Zerfall von Wertvorstellungen.“ (S. 104)
***
„Firmin – Ein Rattenleben“ von Sam Savage
Drei Gründe sprachen bereits vor dem Lesen für dieses Buch:
1.: Ansprechende Antik-Optik. Die Seiten sind am rechten Längstschnitt ungleichmässig geschnitten.
2.: Eine Ratte erzählt aus ihrem Leben. Ich mag Ratten und hatte selbst mal eine.
3.: Bücher über Bücher, Leser, Buchhandlungen, Literatur und Schriftsteller… schon klar, oder?
Die Ratte Firmin wächst in den 60ern mit 12 Geschwistern und einer alleinerziehenden, überwichtigen, alkohlsüchtigen Rattenmutter in den Wänden einer Buchhandlung auf. Als kleinstes und schwächstes Kind bleibt ihm häufig nichts anderes, als sich von Buchseiten der Klassiker zu ernähren. Während seine Geschwister und auch seine Mutter irgendwann ihre eigenen Wege gehen, bleibt Firmin, lernt lesen, und liest und futtert sich durch die Weltliteratur. Er fühlt sich zu den Menschen hingezogen, denkt und fühlt ähnlich wie sie, doch ist und bleibt eine einsame Ratte.
Ein hübscher Lesespaß, wenngleich auch oft düster und traurig. In der Mitte gibt es ein paar Längen.
***
„Dem Tode nah“ von Linwood Barclay
Den Thriller habe ich, genau wie den letzten Roman von Barclay („Ohne ein Wort„), an einem Tag gefressen. Man findet einfach keinen Punkt, um eine Pause einzulegen und ist getrieben von der Neugier, wie sich die Geschichte wohl auflösen wird.
Der 17jährige Derek hat einen Plan. Die Nachbarn, sein bester Freund und dessen Eltern, wollen in den Urlaub fahren. Er versteckt sich bei ihnen im Keller und will sich dort später heimlich mit seiner Freundin treffen. Doch der Traum vom ungestörten Liebesnest wird zum Alptraum, denn er wird Zeuge der Ermordung der Nachbarsfamilie. Es dauert nicht lange, da gerät er selbst in Verdacht.
Wie auch bei „Ohne ein Wort“ wird der Prolog vom unmittelbar Betroffenen, hier Derek, erzählt. Der Roman selbst von seinem Vater.
Rasante und schmackhafte Fast-Food-Kost. Wirklich gute Unterhaltung!
***
„Über das Schreiben“ von Sol Stein
Hier bin ich der Empfehlung von Andreas Eschbach gefolgt. Ungelesen verstaubte es über ein Jahr im Regal, fiel mir nun in die Hände und entpuppte sich nach wenigen Seiten als spannende Lektion über das Schreiben. Unterhaltsam und anschaulich geschrieben, voller Informationen, Beispiele, Tricks und Kniffe.
Für Interessierte absolut empfehlenswert!
***
„Columbus war ein Engländer“ von Stephen Fry
Mein aktuelles Buch, ich bin gerade im ersten Viertel, also sind die Informationen noch rar. Der Schauspieler und Schriftsteller Stephen Fry erzählt von seiner Kindheit und Jugend, die er hauptsächlich in Internaten verbrachte.
Wie auch seine Romane sehr unterhaltsam und flüssig geschrieben, macht Laune!