Kategoriearchive: Entdeckungen

Spinner“ von Benedict Wells
Da ich von seinem ersten Roman so begeistert war, freute ich mich schon diebisch auf den „Spinner“. Und wurde leider etwas enttäuscht. Es las sich zwar wirklich gut, aber konnte eben nicht ganz mit „Becks letzter Sommer“ mithalten. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mittlerweile einfach zu viele Romane dieser Art gelesen habe, über junge Männer/Schriftsteller, die in einer großen Stadt (hier Berlin) leben, ihren Weg suchen und über die Liebe stolpern. Meine Meister in dieser Schublade bleiben Djian und Fante. Ich wette, auch Benedict Wells hat sie gelesen. Er wird ebenfalls Regeners „Herr Lehmann“ und Özdogans „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“ gelesen haben und sie alle wohl genauso lieben wie ich. „Spinner“ ist gut geschrieben, keine Frage, aber auch nichts Neues, „Becks letzter Sommer“ hingegen war mehr etwas Eigenes.

Die Saat“ von Guillermo Del Toro & Chuck Hogan
Der erste Roman von Guillermo Del Toro, ich war sehr neugierig. Ich mochte seinen Film „Pans Labyrinth“ und war nun gespannt, was er über Vampire zu erzählen hat. Ein Flugzeug landet in New York, alle Passagiere und die Piloten sind tot, was ist da passiert? Und warum verschwinden sie alle aus dem Leichenschauhaus, um ihren trauernden Hinterbliebenen einen Besuch abzustatten und sie umzubringen? Was wie ein Roman von Stephen King klingt, liest sich auch wie einer (nur kann es King mit seinem ganz eigenen Stil immer noch besser). Ein spannender Horror-Thriller, Hollywood-Kopfkino, doch leider erst der erste Teil einer Trilogie. Wann die beiden weiteren Teile erscheinen werden, ist noch nicht bekannt.

Clean Team“ von Charlie Huston
Wer „Big Lebowski“ mag, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Schräg, lässig, absurd, schwarzhumorig, pur, brutal, lebendig. Der 29jährige Web nimmt einen Job als Putzkraft an. Allerdings säubert er keine Büroräume, er wischt an Tatorten Blut- und Hirnspitzer von den Wänden. Dann verliebt er sich in die Tochter eines Selbstmörders und ist plötzlich mittendrin in einem verworrenen Komplott.
Der erste (abgeschlossene) Roman einer neuen Serie, von der ich garantiert keinen Teil verpassen werde! Großes Kino mit grandiosen Dialogen!

Gemeinsam sind wir unausstehlich“ von Manuela Golz
Die Fortsetzung von „Ferien bei den Hottentotten„, den ich sehr mochte, denn er spielte etwa zur selben Zeit in der selben Ecke von Berlin, in der ich aufgewachsen bin. Die Fortsetzung ist ebenfalls unterhaltsam und nett, aber die Hottentotten gefielen mir besser.

Ein König für Deutschland“ von Andreas Eschbach
Pünktlich zum Wahljahr ist der neue Eschbach erschienen, in dem es um die Frage geht: Was wäre, wenn in den Wahllokalen die Kreuze nicht auf Papier, sondern am Bildschirm gemacht werden, und, was wäre, wenn das Ergebnis durch ein Programm manipulierbar wäre? Der Amerikaner Vincent wird gezwungen, so ein Programm zu schreiben, doch schickt es aus Angst vor seinem Auftraggeber, und was der damit anstellen könnte, seinem Vater in Deutschland. Der hat zusammen mit Freunden seines Sohnes vor, den Wahlbetrug auffliegen zu lassen, indem er eine absurde Partei gründet, die die Wahl gewinnen wird. Eine Partei, die für die Rückkehr der Monarchie steht. Doch plötzlich wird er wirklich König von Deutschland.
Ein interessantes Gedankenspiel, das manchmal schon erschreckend real klingt, aber das Ende ist dann etwas zu zahm geraten. Übrigens gibt es viele Links als Fußnoten im Buch.

Man tut was man kann“ von Hans Rath
Netter Unterhaltungsroman über den 42jährigen Paul und seine Freunde. Über Geliebte, den Job und das Leben. Liest sich flott und witzig, um Längen besser als der „Vollidiot„.

Und ich werde mich jetzt wieder in Kings „Arena“ begeben…

Fünf Tage habe ich in Mark Z. DanielewskisDas Haus“ verbracht, nun folgt mein Bericht.

Und falls Sie irgendwann einmal zufällig an diesem Haus vorbeikommen sollten, bleiben Sie nicht stehen, gehen Sie auch nicht langsamer, sondern gehen Sie einfach weiter. Das ist nichts. Seien Sie vorsichtig…

… wird schon auf dem Cover gewarnt. Und eine Warnung ist wirklich angebracht, denn „Das Haus“ ist kein normales Buch. Kein gemütlicher Feierabendschmöker zur Entspannung. Nein, dieses Buch ist eine Herausforderung; es braucht die volle Aufmerksamkeit und Konzentration des Lesers, es kostet Zeit und Nerven, es ist komplex, kompliziert und in jeder Hinsicht ungewöhnlich.

Intro bei YouTube

Meine Neugier wurde durch dieses Zitat von Bret Easton Ellis auf dem Klappentext geweckt, denn bisher haben alle seine Empfehlungen in Schwarze getroffen: “ Ein großartiger Roman. Ein phänomenales Debüt. Hinreißend lebendig, auf erhabene Weise unheimlich, in erschütterndem Maße furchteinflößend, atemberaubend intelligent – es lässt fast alle anderen Werke bedeutungslos erscheinen. Man kann sich vorstellen, wie Pynchon und Ballard, Stephen King und David Forster Wassace sich vor Danielewski verneigen, fassungslos vor Erstaunen und Überraschung, Lachen und Ehrfurcht.“

Ich wage es, Euch einen kleinen Grundriss zu zeichnen:

Das Buch besteht hauptsächlich aus zwei Teilen. Da ist zum einen ein Manuskript aus dem Nachlass eines blinden (!) alten Mannes namens Zambanò über einen Dokumentarfilm des Pulitzer-Preisträgers  Will Navidson. Was zuerst als privates Heimvideo über den Einzug in das Haus begann, wird zum Horrorfilm, der allen, die ihn je gesehen haben ein Rätsel bleibt. Denn in dem Haus passieren merkwürdige Dinge. Von Außen bleibt es unverändert, doch Innen wächst es. Erst ein paar Zentimeter. Dann ist da ein neuer Raum, der vorher nicht da war. Weitere noch größere Räume. Flure. Treppen, die in die Tiefe führen. Turmhohe Säale.
Die vierköpfige Familie ist ratlos und sucht sich Hilfe. Es finden mehrere Expeditionen im Haus statt, die alle dramatisch enden.
Diese unsortierte und unveröffentlichte wissenschaftliche Abhandlung über den verschollenen Dokumentarfilm „Navidson Record“, mit zahlreichen Fussnoten und Randnotizen, gelangt zufällig  in die Hände von Johnny Truant. Ein Junkie, der im Tattooladen seines Freundes arbeitet. Er ordnet und überarbeitet das Manuskript des Verstorbenen und fügt eigene Fussnoten hinzu, in denen er uns an seinem Leben und seinen Gedanken teilhaben lässt. Was oft nicht weniger schrecklich ist, als das, was im „Navidson Record“ passiert.

Die Besonderheiten:

Es ist doppelt so groß wie ein normales Taschenbuch, hat fast 800 Seiten und 450 Fussnoten.
Es gibt zahlreiche Verweise und Zitate aus fiktiven und realen Werken oder von Prominenten und Fachleuten, die sich zu dem Video, dem Haus oder dem Verhalten des Ehepaars Navidson äußern.

Die Schriften und Farben wechseln, manche Worte werden b r e  i  t e r geschrieben, andere  s c h r umpfen. Oder die Worte führen
h
i
n
a
b.

Auf manchen Seiten steht nur ein Wort.
Oft muss man das Buch drehen oder einen Spiegel zur Hilfe nehmen.
Rückwärts blätternd lesen.
Oder von jedem Wort nur den ersten Buchstaben lesen, um den richtigen Text zu entschlüsseln. Es gibt Seiten, auf denen gleich vier Texte parallel zu lesen sind. Oder auf denen (wegen Brandflecken auf dem Original) einzelne Buchstaben fehlen.

Johnny widerspricht häufig Zambanòs Behauptungen. Oder sich selbst. Gibt mehrmals zu, gelogen zu haben.
Mehr als sonst ist der Leser gezwungen, sich allein seine Meinung zu bilden.
Überhaupt fühlte sich das ganze Buch an, als hätte man selbst so ein Manuskript gefunden, rekonstruiert und forscht sich durch diese unglaubliche Geschichte, die sehr real erscheint.

Abschließend:

Mark Z. Danielewski  hat 10 Jahre an diesem beeindruckendem Worthaus gearbeitet, und auch die deutsche Übersetzerin Christa Schuenke hatte bestimmt keine leichte Aufgabe vor sich, dieses lebendige Werk zu bändigen, aber hat es großartig gemeistert!
Wer eine Herausforderung sucht, ein unvergessliches Leseerlebnis, der sollte es auf jeden Fall wagen!!!
Allen anderen kann man nur raten, an diesem Haus vorüber zu gehen.

Zusatzmaterial:

Es lohnt sich, ein wenig rumzugoogeln, es gibt viel zu entdecken. Zum Beispiel haben einige Leser Szenen aus dem „Navidson Record“ gedreht:

Navidson Record bei YouTube

Die Sängerin Poe ist die Schwester des Autors und hat zu dem Buch einige Songs geschrieben. Unter anderem „Angry Johnny“ (welches mir zwar schon länger, aber noch nicht in diesem Zusammenhang bekannt war):

Johnny bei YouTube

Ein Interview mit Danielewski:

Interview auf YouTube

Das Haus – House of Leaves“ bei Wiki  (Achtung: Spoiler!)

Gleich zwei neue Romane von Chuck Palahniuk stehen an:

Im August 2009 „Bonsai“ über einen Schläfer, der sich in die Tochter des „Feindes“ verliebt, und im März 2010 folgt „Fratze„, ein älterer Roman, zum ersten Mal in deutscher Übersetzung, über eine entstellte Frau.

Schauen wir mal!

Und ich habe mich jetzt endlich an die neuen Rezensionen gemacht. Bisher sind es 11… mal gucken, wieviele es sein werden, wenn ich endlich fertig bin… ;-)
Aber Wetter und Arbeit rauben momentan Lust und Konzentration.
Im Augenblick lese ich „Das Buch ohne Namen“ von Anonymus. Es war Liebe auf den ersten Blick! Im Klappentext heißt es „So abgedreht wie Douglas Adams, so blutig wie Tarantino“. Das trifft es ziemlich gut. Wobei mir auch noch Christopher Moore (in Hochform) in den Sinn kommt. Eine sehr schräge Geschichte mit vielen Toten, viel Blut, viel schwarzem Humor und vielen Überraschungen. Da tauchen Mönche in einer Western-Kulisse auf, da gibt es einen magischen Stein und Vampire,  einen Killer, der nicht nur Elvis heißt, sondern auch so aussieht, ein Diebespärchen auf der Flucht, recht eigenwillige Cops, einen geheimnisvollen Unbekannten und noch so einiges mehr. Ein wilder Pageturner, der richtig Spaß macht!
Übrigens soll der Roman zuerst in Großbritannien im Selbstverlag erschienen sein und hat dann über den Erfolg im Internet den Weg zum großen Verlag gefunden.

… über seine Zeit bei Dracula.
Wenn es bereits vor 100 Jahren das Internet gegeben hätte, vielleicht hätte Bram Stoker auch diesen Weg gewählt:

Sein bekanntester Roman „Dracula„, der aus Tagebucheinträgen besteht, hier als Blog.

Nachdem immer wieder Anfragen kamen, habe ich mich erneut auf die Suche gemacht und das sagenumwogene Interview nun an anderer Stelle wiedergefunden. Meine Damen, meine Herren, viel Vergnügen mit Hildegunst von Mythenmetz:

HIER

(Achtung: Die ersten fünf Minuten läuft noch so ein Ilja-Richter-Schlager-Kram, aber dann gehts los!)

Wer heute (bzw. gestern) eine kichernde Buchhändlerin mit Lachtränen in den Augen gesehen hat, könnte mir begegnet sein: Immer, wenn mal ein paar Minuten Zeit war, hab ich in „Scheissleben“ geblättert.
Seit 2008 gibt es in Frankreich einen Blog, in dem Leute von ihren kleinen Alltagserlebnissen der ärgerlichen, tragischen oder einfach nur komischen Art berichten. 850 davon haben es in dieses Buch geschafft. Herrlich!
Ein deutsches Pendant gibt es hier: Das Leben ist Scheisse.

Nö, nix Illuminaten, nur Literaten (oder solche, die es gern wären).

Seit meinem letzten Rezi-Report ist eine ganze Handvoll (Hier ist sie schon, die erste 5…) an Monaten ins Land gezogen. Bei der Menge werde ich mich kurz fassen. Los gehts:

1. Physic von Angie Sage
Die herrliche Jugendbuch-Reihe um den Zauberlehrling Septimus Heap geht in die dritte Runde und kann locker mit den beiden Vorgängern (Magyk und Flyte) mithalten. Diesmal befreit der Vater von Septimus versehentlich den Geist einer grausamen Königin, die schon einige Jahrhunderte darauf wartet, ihre bösartigen Pläne in die Tat umzusetzen. Toll!

2. Snuff von Chuck Palahniuk
Der ganze Roman spielt an einem Tag in einem Wartezimmer. In diesem Wartezimmer warten 600 Männer darauf mit einer Frau einen Rekord zu brechen: Der nicht mehr ganz so junge Porno-Star Cassie Wright will an einem Tag vor laufender Kamera mit 600 verschiedenen Männern Sex haben, was sie allein aus medizinischer Sicht wohl nicht überleben wird.
Unter den Wartenden ein junger Mann, der sich sicher ist, ihr Sohn zu sein.
Ein recht dünner und unterhaltsamer Roman, mit sehr viel weniger Sexszenen, als man vermuten würde, im gewohnten Palahniuk-Stil. Mir hat er wieder besser gefallen als sein letzter Roman Das Kainsmal.

3. Das Böse in uns von Cody McFadyen
Nach Die Blutlinie und Der Todeskünstler der dritte Teil mit der FBI-Agentin Smoky Barrett. Leider der bisher schwächste. Waren die beiden ersten Teile außerordentlich spannend, war dieser hier gerade mal mittelmäßig. Die Szene, die auf dem Klappentext beschrieben wird, gibt es im ganzen Buch nicht, die Story plätschert streckenweise nur so vor sich hin, und wirkt oftmals mehr wie ein langatmiger Brief, in dem auch ausführlich erzählt wird, was in den beiden ersten Romanen passierte, obwohl es für diese Handlung nicht wichtig war.
Nicht für Einsteiger in die Reihe geeignet (die anderen sind bedeutend besser!). Es bleibt die Hoffnung, dass mit dem vierten Band die Qualitätskurve wieder nach oben steigt!

4. Dieses Buch wird ihr Leben retten von A. M. Homes
Dieses Buch wurde mir mehrfach von Kunden empfohlen. Der Titel ist ungewöhnlich, das Buch nicht so sehr. Eine nette Geschichte über einen Mann, der sich selbst vom Leben ausgesperrt hat und nach einem eingebildeten Herzinfarkt wieder dorthin (und damit auch zu sich selbst) zurückfindet. Teilweise lustig und unterhaltsam, teilweise etwas übertrieben, manchmal etwas kitschig und unrealistisch. Insgesamt: Ganz nett.

5. Sunset von Stephen King
Ein neuer King, ein neuer King! Aber leider ist er hier den Jubel nicht so ganz wert. Seine Kurzgeschichten reichen sehr oft einfach nicht an die Qualität seiner richtigen Romane. So auch bei Sunset. Ein paar gute, ein paar weniger gute Storys, aber ein Muss nur für echte Fans.
(Vielleicht sollte er in Sachen Kurzgeschichten bei seinem Sohn ein paar Nachhilfestunden nehmen…)

6. Gewebte Welt von Clive Barker
Siehe hier oder scrolle etwas runter.

7. Eine Handvoll Venus von Frederik Pohl / Cyril M. Kornbluth
Eine interessante Satire aus den 50ern über die heutige Welt, in der die Werbeindustrie und große Konzerne mächtiger als die Politik sind. Manche Visionen der Autoren lassen einen amüsiert grinsen, doch sie haben auch erschreckend viele Nägel auf den Kopf getroffen. Eine spannende Geschichte mit Intrigen, Verschwörungen und dem Kampf mit dem Gewissen. Unterhaltsam!

8. American Gods von Neil Gaiman
Nun war es höchste Zeit, auch endlich zu diesem Geburtstagsgeschenk zu greifen – und es hat sich gelohnt! Gaiman hatte mich schon vor Jahren mit Niemalsland begeistert und es auch hier geschafft!
Shadow nimmt nach einem Gefängnisaufenthalt einen Job als Bodyguard bei Mr. Wensday an. Es stellt sich bald heraus, dass sein neuer Arbeitgeber niemand geringerer als die Gottheit Odin ist. Und er ist nicht der einzige Gott, der sich in Amerika gelandet ist und darunter zu leiden hat, dass die Zahl der Gläubigen in den Keller gesunken ist. Shadow soll ihnen aus der Misere helfen.
Spannend, amüsant, philosophisch und skurril! Den zweite Band Anansi-Boys konnte ich zum Glück auch schon auftreiben. Lesen!

9. Blutportale von Markus Heitz
Ein neuer Horror-Thriller vom Herrn Heitz. Diesmal sehr blutig und rasant! Doch mit meinem Favoriten von ihm, Kinder des Judas, kann er leider nicht ganz mithalten. Dennoch ausserordentlich spannender Pageturner mit dem Villa-Sitter und Blumenhändler Will und der Star-Fechterin Saskia, die in einen dämonischen und vor allem blutigen Sog geraten. Mit einigen Gastauftritten von Figuren seiner anderen Romane. Gut und spannend!

10. Scientology von Frank Nordhausen / Liane von Billerbeck
Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will. So der Untertitel. So der Plan von Scientology. Ein sehr aktuelles Buch über die Sekte: Ihre Entstehung, ihr Aufbau, ihre Mittel, ihre Ziele. Spannend wie ein Krimi, nur erschreckend real. SEHR empfehlenswert!

11. Das Leben geht weiter von Matthias Keidtel
Der zweite Holm-Roman von Keidtel. Den ersten kenne ich nicht, so steige ich also unvorbereitet in Holms geregeltes Leben ein. Mit fast 40 wohnt er wieder bei seinen Eltern, ist arbeitslos und führt ein recht ruhiges Leben in Berlin/Rudow. Doch so ganz zufrieden ist er nicht. Da muss was passieren. Er entschließt sich, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen und landet auf dem Weg nach Frankreich (auf der Suche nach Samen für seine geplante Reinhardt-Mey-Rosen-Zucht) in Berlin/Mitte. Erst  erkundet er als Tourist seine unbekannte Heimat Berlin, plötzlich arbeitet er als Angestellter in einem Strip-Club und verliebt sich…
Hhm, in den ersten Kapiteln gefiel mir der Stil noch ganz gut, aber irgendwann ging mir die Holm’sche Langsamkeit und Weltfremdheit etwas auf die Nerven. Ok, aber nicht ganz mein Ding.

12. Zwischen zwei Träumen von Selim Özdogan
Ein Roman mit Traumstimmung. Eine Realität, in der Träume legale (natürlich gibt es auch illegale) Kosumgüter sind.
Nesta hat einen großen Traum: Er möchte ein Star-Träumer werden. Einer, der mit seinen Träumen (die von den Konsumenten in Tropfenform genommen werden) richtig viel Geld verdient und berühmt ist. So wie Tedeisha, die er bei einem Vorträumen kennenlernt. Doch plötzlich sind Tropfen im Umlauf, von denen die Menschen nicht mehr aufwachen.
Interessant, intelligent, philosophisch, traumhaft. Nur manchmal etwas verwirrend (wie Träume halt auch sind). Gut!

13. Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt von Collin McMahon
Herrlich! Ein Comic-Roman, den man leider schon in einer Stunde durch hat. Für jeden Menschen ab 10 ein absolut empfehlenswerter Spaß! Wir lesen das Tagebuch von Greg, handgeschrieben mit vielen Comic-Zeichnungen darin (daher „Comic-Roman“). Er lässt uns teilnehmen an den Abenteuern und Qualen seines Schul- und Familienalltags. LESEN! (Auch bestens für alle geeignet, die sonst nicht gern lesen – mir haben schon zwei Mütter begeistert berichtet, dass sie mit Gregs Tagebüchern ihre absolut lesefaulen Söhne zu wahren Leseratten therapiert haben! ;-) )

14. Terror von Dan Simmons
Dan Simmons hat es schon einige Male geschafft, mich zu begeistern. So auch hier: Ein dicker Eisberg von einem Roman, der sehr gut zum frostigen Jahresbeginn passte. Halb auf historischen Fakten beruhend, halb fiktiver mystischer Horror, für all das, wofür es keine wahren Belege gab. Zum zweiten Mal machte ich hier die Bekanntschaft mit Sir John Franklin (vor Jahren habe ich Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny gelesen), doch dieses Mal geht es nur um seine letzte Fahrt, dem Versuch als Erster die Nordwestpassage zu durchsegeln, eine Expedition, die niemand überleben sollte. Beide Schiffe saßen für Jahre im Eis fest, weit ab von jeder Zivilisation und mit zu wenig Nahrung. Und dann ist da auch ein riesiges mysteriöses Wesen…
Man spürt die Kälte, die kaustophobische Enge auf den beiden Schiffen, die Hoffnung, später die Hoffnungsloskeit und das Grauen. Angenehm fand ich, dass die Geschichte aus mehreren Sichten erzählt wird, etwas verwirrend fand ich manchmal die Zeitsprünge der Kapitel. Insgesamt ein wirklich großartiger Schmöker!

15. Komm zurück, mein dunkler Bruder von Jeff Lindsay
Der dritte Dexter-Band. Aber der erste, den ich gelesen habe. Den ersten Teil kenne ich vom Hörbuch – Des Todes dunkler Bruder (sehr hörbar!) und der großartigen TV-Serie (deren erste Staffel noch sehr nah an der Buchvorlage war), den zweiten nur als Fernsehserie – die sich allerdings nur ganz grob an den zweiten Roman gehalten hat, wie ich merken musste. Um die Wartezeit zur dritten Staffel zu verkürzen, griff ich nun zum neuen Buch. Hhm. Ein paar Wissenslücken schmälerten das Lesevergnügen, und Dexters Problem, dass sein sonst wohl sehr aktiver dunkler Passagier verstummt war. Überhaupt die Tatsache, dass da von einem „Dunklen Passagier“ in seinem Kopf die Rede war, als eine Art uraltem Wesen, das sich dort eingenistet hat. Der TV-Dexter hat so gar nix mit Mystik am Hut und die Stimme aus dem Off ist dort halt seine eigene. Beim ersten Hörbuch fiel das nicht so ins Gewicht, da kam es nur am Rande vor. Und, dass die Kinder seiner Freundin Rita ebenfalls diese „Veranlagerung zum Töten“ im Blut haben war mir vollkommen neu. Ich hoffe sehr, dass wird nicht für die TV-Serie übernommen. Auch der trockene schwarze Humor kam im TV besser rüber.
Von all dem abgesehen war es ein netter Pageturner, den man gut an einem Tag schaffen kann.

16. Das Aquarium von Thommie Bayer
Warum auch immer, ich werde mit den Romanen von Herrn Bayer nicht warm. Da habe ich hiermit schon den Roman gewählt, von dem die meisten schwärmen, aber auch diesmal will sich keine recht Begeisterung einstellen.
Nach einem Unfall, bei dem seine (fast-)Freundin stirbt, igelt sich Barry zu Hause ein und verbringt seine Zeit damit, seine neue Nachbarin zu beobachten, die im Rollstuhl sitzt. Übers Internet nehmen die beiden irgendwann Kontakt auf.
Also bei mir flog da kein Funke.

17. Die Stunde, in der ich zu glauben begann von Wally Lamb
Den Titel finde ich etwas misslungen. Zu kitschig. Es klingt zu sehr nach Religion, um die es nur ganz nebensächlich geht.
Auch wenn es schon einige Jahre her ist, dass ich seine anderen beiden Romane gelesen habe, denke ich, dass die mir einen Tick besser gefallen haben. Hier hätte auf einige Seiten verzichtet werden können. Ich war beinahe froh, als ich endlich durch war, obwohl er einen wirklich angenehmen Stil hat und das Thema sehr spannend war. Und in meinem Falle auch etwas gruselig: Während ich nun hier über das Drama von Columbine las, passierte der Amoklauf in Winnenden.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Caelum, einem Lehrer der Columbine High School erzählt. An diesem schicksalshaften Tag hat er aufgrund eines Todesfalls in der Familie frei. Doch seine Frau Maureen, die als Krankenschwester in der Schule arbeitete, erlebt das alles hautnah mit. Versteckt in einem Schrank. Natürlich hinterlässt dieses Erlebnis seine Folgen: Ein schweres Trauma, Depressionen und Psychosen. Kaum hat sie sich einigermaßen wieder aufgerappelt, passiert der nächste Schock. Sie landet im Gefängnis, die Anklage lautet Mord.
Gleichzeitig arbeitet er eher unfreiwillig die Geschichte seiner eigenen Vergangenheit und die seiner Familie auf, die es ebenfalls in sich hat und viele Fragen aufwirft.
Ein spannendes Drama, sehr einfühlsam und wenig gefühlsduselig. Und es zeigt, welche Wellen die unglaublichen Taten von jugendlichen Amokläufern schlägt. Gut!

18. Glück kommt selten allein von Eckard von Hirschhausen
Ja, Glück kann man kaufen! Dr. Hirschhausen zeigt es uns mit seinem zweiten Buch, das wirklich Spaß macht, voller weiser (und wissenschaftlich erwiesener) Ratschläge, Erkenntnisse, Witzen und wahren Geschichten. Zum immer wieder lesen und sich wohl fühlen! Toll!

19. Rollende Steine von Terry Pratchett
Jawohl, es geht um Musik! Um die ultimative Band in Ankh-Morpork: Die „Band mit Steinen drin“.  Wie diese ungewöhnliche Band entstand und was an ihr so besonders ist, und, warum der TOD zur Fremdenlegion geht und seine Enkelin Susanne seinen Job übernehmen muss, solltet Ihr besser selbst lesen! Aber flott!

20. Bis(s) zur Mittagsstunde von Stephenie Meyer
Ja, auch ich habe es gelesen. Den ersten Teil vor fast zwei Jahren, aber nun dachte ich doch, es wäre mal an der Zeit, zu lesen, wie es weitergeht. Nett und zum Glück weniger kitschig als erwartet.

21. Leichenblässe von Simon Beckett
Der dritte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Auch hier ist es von Vorteil, die vorhergehenden Romane zu kennen, aber nicht zwingend notwendig. Dieses Mal ist er zu Besuch bei einem Kollegen in den USA auf einer Bodyfarm. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, dessen Opfer schon nach kurzer Zeit extreme Verwesungsmerkmale vorweisen.
Wieder ein sehr spannender Pageturner!

22. Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer
Mit kurzer Unterbrechung habe ich also gleich zum dritten Teil gegriffen. Bisher der schwächste Band, wie ich fand. Natürlich gibt es einige recht spannende Nebenhandlungen, aber in der Hauptsache versichern sich die beiden Hauptfiguren ständig ihre Liebe („Ich liebe Dich!“ – „Ich liebe Dich noch viel mehr!“ – „Nein, ich liebe Dich noch vieeeeel meeeehr!“ – Sinngemäß wiedergegeben), was mich irgendwann total genervt hat. (Aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe)
Mit ein wenig Pause werde ich mir dann irgendwann mal den vierten und letzten Teil geben, in dem es dann endlich richtig und nicht jugendfrei zur Sache gehen soll! ;-)

23. Mängelexemplar von Sarah Kuttner
Nun also auch Fräulein Kuttner. Aber doch: Ein absolut gelungenes Debüt!
Ihre junge Ich-Erzählerin Karo leidet unter Depressionen und Panikattaken. Alles beginnt, als ihr der Job gekündigt wird und sie ihrem Freund die Beziehung kündigt. Und ihn dann doch vermisst. Plötzlich fühlt es sich an, als wäre ihr der Boden unter den Füßen weggerissen worden. Sie sucht sich eine Psychotherapeutin, doch damit ist es nicht getan, psychische Erkrankungen dauern bekanntlich etwas länger als eine Grippe.
Einfühlsam und rotzig, durchaus sehr lesenswert!

Es ist geschafft! Ich bin hier nun fast wieder auf dem Laufenden. Jede Menge dritte Teile waren diesmal dabei, wie mir jetzt auffällt. Allerdings haben die letzten sonnigen und freien Tage dafür gesorgt, dass ich nicht artig am Rechner saß und weitergeschrieben, sondern auf dem Balkon Sonne getankt und Bücher gefressen habe. Bald gibt es also wieder frische Rezi’s. ;-)

Da musste mich erst eine Kundin drauf bringen, ich hab das bisher total verpennt: Nachdem Elke Heidenreich ja vom ZDF verstoßen wurde, hat sie nun ein neues Heim gefunden, nämlich online bei Litcologne. Hier gibt es jetzt einmal monatlich eine neue Sendung, die da heißt „Weiterlesen!“. Wie gewohnt das Intro von „Element Of Crime“, ein Gast und mehrere Bücher.
Ich habe ihre Sendung nur ab und an mal gesehen, meistens mehr aus dem Interesse, mit welchen Buchwünschen die Kunden kommen werden und aus reiner Neugier (schließlich gibt es so wenig Sendungen über Bücher und ich kann von dem Thema nie genug bekommen), als damit, für mich selbst brauchbare Empfehlungen zu bekommen.
Dass die Sendung jetzt online weitergeführt wird, finde ich eine angenehme Lösung. So, wie ich mich auch über Ulmen.tv gefreut habe. Ich mag den neuen Luxus, den das Internet bietet, mir Sendungen anzusehen, wann ich möchte, und nicht, wann es mir eine Fernsehzeitung vorschreibt.

Die bisherigen neuen Folgen hab ich noch nicht gesehen, aber das werde ich morgen nachholen. Die Kundin meinte, dass sie ihr sehr gut gefallen haben und die Heidenreich soll noch bissiger und besser sein, als beim ZDF.
Schauen wir mal rein!

Es lässt sich ja fast alles im Netz finden… da komm ich eben durch Zufall darauf, nach genau dieser Szene (aus einem Film, den ich vor Ewigkeiten mal gesehen habe und noch nicht mal mehr wußte, wie er heißt) zu suchen und… ZACK… hier isse:

Conan bei YouTube

Ein ZDF-Reporter wagt ein Interview mit Hildegunst von Mythenmetz, dem legendären Lindwurm-Autor aus Zamonien, der gar nicht gut auf seinen menschlichen Übersetzer Walter Moers zu sprechen ist.
Mythenmetz ist bei uns bekannt geworden durch große Werke wie „Ensel und Krete„, „Die Stadt der träumenden Bücher“ und „Der Schrecksenmeister„. Über letzteren, seinem kulinarischen Roman über das Krätzchen Echo und seinem verhängnisvollem Packt mit dem Schrecksenmeister Eißpin, hat er besonders viel zu erzählen. Aber auch über seine speziellen Techniken, deutsche Literatur, gute Weine und einiges mehr.

Leider konnte ich das Video hier nicht einbasteln, aber folgt einfach diesem Link und schon macht Ihr die beeindruckende Bekanntschaft mit dem berühmten zamonischen Schriftsteller.

- – - Nachtrag vom 23.01.09 – - -

Leider ist das Mythenmetz-Video nicht mehr verfügbar. Falls jemand es irgendwo findet, wäre ich dankbar für einen neuen Link! :-)

- – - Nachtrag vom 23.04.09 – - -

In den Untiefen des Netzes wiedergefunden. Meine Damen, meine Herren, bitte folgen Sie diesem LINK. (Achtung, die ersten fünf Minuten läuft so ein Ilja-Richter-Schlager-Krams, aber dann gehts los)