Kategoriearchive: Kinder-/Jugendbuch

Allen Verschwörungstheoretikern sei versichert, es ist wirklich nur ein Zufall, dass es wieder genau 23 Bücher sind, die sich zwischenzeitlich angesammelt haben. ;-)

Da einige der folgenden Romane noch nicht im Handel erschienen sind, darf ich aus rechtlichen Gründen nur wenig darüber schreiben.

Los geht’s:

1. „Die Brautprinzessinvon William Goldmann
(meine Ausgabe war allerdings diese)
Die Brautprinzessin wartete schon seit Jahren in einem Stapel auf ihren großen Auftritt, nun war es endlich soweit, und es entpuppte sich als ein sehr überraschendes Buch! Ähnlich wie bei Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist der Text zweifarbig und besteht aus einem „realen“ und einem „gelesenen“ Teil. Goldmann fasst ein (fiktives) Märchen zusammen und lässt alle langweiligen Szenen (wie zum Beispiel einen Umzug) einfach weg. Der Roman sprüht vor Wortwitz und überraschenen Wendungen – toll!

2. „Das Kind von Sebastian Fitzek
Bei den Thriller von Fitzek gilt immer: Mindestens einen halben Tag Zeit im Rücken haben, bevor man die erste Seite aufschlägt! Ich hab bisher für keinen seiner Romane länger als 1-2 Tage gebraucht (nur widerwillig unterbrochen für Arbeit, Schlaf und Nahrungsaufname), auch hier jagt ein Cliffhanger den nächsten und man brennt begierig auf Auflösung. Kurz zum Inhalt: Ein Junge glaubt fest daran, in einem früheren Leben Menschen umgebracht zu haben und kann sogar sagen, wo die Leichen liegen. Und dort werden auch welche gefunden… Mordsmässig spannend!

3. „Das Geheimnis der 100 Pforten von N. D. Wilson
Ein solides Jugendbuch: Henrys Eltern sind verschollen und er kommt bei seinem Onkel (die interessanteste Figur des Buches) und dessen Familie unter. In seinem Zimmer entdeckt er hinter der Tapete lauter Türen, hinter denen sich andere Welten befinden. Die Sprache ist recht einfach gehalten, die Handlung ist, bis auf ein paar Längen, spannend.

4. „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeetvon Alan Bradley
Was für eine Perle! Es war Liebe auf den ersten Blick, dieses wunderbare Cover hat mich sofort verzaubert, und der Inhalt erst… verdammt gut, von der ersten bis zur letzten Seite! Kaufen, genießen und auf die Fortsetzung lauern!
Flavia ist 11 Jahre alt und wohnt mit ihren beiden älteren Schwestern und ihrem Vater in einem englischen Dorf in den 50er Jahren. Sie ist etwas altklug, sehr schlau, leidenschaftliche Giftmischerin und neugierige Hobbydetektivin. Eines Morgens entdeckt sie im Garten eine Leiche. Ihr Vater kommt als Verdächtiger ins Gefängnis. Nun ist es an ihr diesen Fall aufzulösen.
Der erste (zum Glück abgeschlossene) Teil einer neuen Reihe und Alan Bradley wurde auf der Basis eines einzigen Kapitels mit dem Dagger Award ausgezeichnet. Absolut gerechtfertigt, absolut genial!

5. „Blankets von Craig Thompson
Nach der Testosteron-Graphic-Novel zu Kings Turm meine zweite Berührung zu dieser Gattung, ein gewagtes Geschenk, doch diesmal hat auch mich diese andere Art der Literatur total begeistert! Eine Liebesgeschichte, so real, so nah erzählt, das Zusammenspiel der Worte und Zeichnungen war wirklich ein absolut großartiges Gesamterlebnis! Danke! :-)

6. „Das Haus der vergessenen Kindervon Christopher Ransom
Eine solide und stimmungsvolle Geisterhausgeschichte, die man aber nicht gelesen haben muss.

7. „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis von Pseudonymous Bosch
Und das war es in meinem Falle wirklich: Auf dem Leseexemplar, dass ich in die Hände bekam, stand nichts außer dem Titel. Und es entpuppte sich als wunderbares und spannendes Jugendbuch!

8. „Splitter von Sebastian Fitzek
Wieder ein klassischer Cliffhanger-Lesesuchtverursachender-Fitzek, nur war ich diesmal von der Auflösung enttäuscht.

9. „Dämonenhunger von Timothy Carter
Dies ist die Geschichte der Vernichtung der Welt. Es ist eindeutig keine Geschichte über irgendeinen Helden, der den Weltuntergang verhindert, obwohl natürlich Helden und Bösewichte darin vorkommen, ebenso wie phantastische Geschöpfe und Magie. Nicht zu vergessen Schlachten, Niederlagen und Siege. Doch freue dich nicht zu früh, liebe Leser. Dieses Buch wird trotzdem mit dem Untergang unserer guten alten Mutter Erde enden. Das Spiel wird nicht in letzter Minute abgepfiffen, es gibt keine schicksalshafte Kehrtwende und auch keinen überraschenden Schlussgag à la >Puh, das war jetzt aber knapp<.“ (S. 9)
Wer Autoren wie Christopher Moore oder Terry Pratchett mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Witziger und wilder Lesespaß, garantiert!

10. „Einfach losfahren von Fabio Volo
Dieses Buch sollte man allen armen pseudointellektuellen suchenden Coelho-Lesern in die Hand drücken: Hier, wenn ihr schon sowas braucht, nehmt doch gleich was richtig Gutes!
Ein feiner und schlauer Roman über das Leben und die Sinnsuche, intelligent und lebendig geschrieben, der sich nur im letzten Viertel etwas zu sehr im Kreis dreht.

11. „Die Dramaturgie des Tötens von Jincy Willett
Sehr spannender Thriller über eine Schreibgruppe mit einem äußerst bösartigen Teilnehmer. Erscheint im November.

12. „Alterra – Die Gemeinschaft der Dreivon Maxime Chattam
Diesen Jugendroman hab ich an einem Tag verschlungen! Er hat mich an „Die dreibeinigen Herrscher“ erinnert, weniger wegen der Story, wohl aber wegen der ähnlich spannenden Stimmung: Alle Erwachsenen sind über Nacht verschwunden oder haben sich in brutale Wesen verwandelt. Die Kinder und Jugendlichen sind nun auf sich selbst gestellt und nichts ist mehr, wie es mal war…
Großartig geschrieben! Gemein war nur das sehr offene Ende (und nun die Frage, wann der nächste Teil wohl erscheinen wird).

13. „Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells
Erscheint erst Ende des Monats, daher nur soviel: Spannend, überraschend, gut!

14. „City Of Glass – Chroniken der Unterwelt 3 von Cassandra Clare
Ich war wieder schwer begeistert und traurig, dass die Trilogie nun abgeschlossen ist…

15. „Eine Insel von Terry Pratchett
Mal ein ganz anderer Pratchett – inwieweit seine Krankheit zu diesem vergleichsweise ruhigem philosophischen Roman beigetragen hat, kann man nur spekulieren. Nicht das sich die Alzheimererkrankung an sich bemerkbar macht, nein, es sind die großen Fragen über das Leben und den Tod, die hier so ins Gewicht fallen. Eine Naturkatastrophe (eine große Welle) überschwemmt eine Insel und alle Bewohner sterben. Nur ein Junge überlebt. Und ein Mädchen strandet, nach einem Schiffbruch, auf der Insel. Leider sprechen die beiden nicht die gleiche Sprache und haben eine sehr unterschiedliche Kinderstube genossen…
Anders als seine Scheibenweltromane, doch auf jeden Fall sehr lesenswert!

16. „Für Uwe von Christian Ulmen
Was der Horst Schlämmer bei Hape Kerkeling ist, ist der Uwe Wöllner bei Christian Ulmen. Und Uwe hat ein autobiographisches Buch geschrieben. Über den Tod seiner Mutter, seinen Job im Beerdigungsinstitut, die erste eigene Wohnung und die Liebe. 100% Uwe: Schräg, witzig, und irre unterhaltsam!

17. „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers von Jürgen Kuttner
Kuttners berühmte Videoschnipselvorträge in Buchform: Großartig! (Hoffentlich folgt auch mal eine DVD!)
Hier übrigens ein tolles Fundstück von 1994, wo im ORB eine Art „Sprechfunk-Blue Moon“ (der leider seit 2007 Dienstags ohne ihn stattfindet) mit dem Namen „Null Uhr Kuttner“ lief:

Null Uhr Kuttner auf YouTube

18. „Trigger von Wulf Dorn
Da auch dieser Thriller noch nicht erschienen ist, ultrakurz: Extrem spannender Psychothriller! Sehr geeignet für Fitzek-Anhänger!

19. „Der Simulant von Chuck Palahniuk
Nun hab ich ihn komplett, alle Romane von Palahniuk, die in Deutschland erschienen sind. Dieser wurde übrigens letztes Jahr unter dem Originaltitel „Choke“ verfilmt ( hab ihn noch nicht gesehen).
Wie immer ein verstörendes Bild der amerikanischen Gesellschaft – bitterböse, rabenschwarz, empfehlenswert!

20. „Haut von Mo Hayder
Erscheint erst im November. Daher auch hier nur ganz kurz: Wieder ein absolut fesselnder Thriller!

21. „Ich, John von Peter Murphy
Ein eher düsteres Drama: John wächst allein mit seiner religiösen Mutter in einem kleinen irischen Dorf auf. Sein größtes Interesse gilt Würmern. Erst in dem etwas älteren Jamey findet er einen Freund. Und dann passiert etwas, was die Leben der beiden Jungen komplett aus den Angeln reisst. Äußerst stimmungsvolle Geschichte über Freundschaft und die Mutter-Sohn-Beziehung, doch es hätten ein paar Würmer weniger vorkommen können.

22. „Vampir von John Marks
Ich hatte gezögert, bevor ich zugriff; Vampirromane überschwemmen momentan den Büchermarkt, der Großteil ist Schund. Doch dieser hier war ein echter Glücksgriff! Eine dichte Stimmung, der Bram-Stoker-Vergleich vom Klappentext ist keine Übertreibung, hier gibt es einen lupenreinen Stil (klassisch und zeitgenössisch zugleich), eine durchweg spannende Story, eine geschickte Mischung aus Tagebucheinträgen und E-Mails verschiedener Figuren. Was mich allerdings ein wenig geärgert gewundert hat: Die Hauptfigur, eine TV-Produzentin, die nach Rumänien reist, um dort einen mysteriösen Unterweltboss zu treffen, heißt mit Nachnamen Harker, und obwohl die gängigen Dracula-Klischees erwähnt werden, wird noch nicht mal selbstironisch darauf eingegangen, dass bei Stoker auch einst ein Harker in die Kaparten reiste, um einem unheimlichen Mann zu begegnen.
Doch bei dieser Korinthenkackerei soll es bleiben, sonst war ich schwer begeistert!

23. „Ein strahlend schöner Morgen von James Frey
Der Hauptdarsteller dieses Buches ist eindeutig Los Angeles. Ein ganz besonderes Porträt dieser, in vieler Hinsicht, besonderen Stadt. Ein Episodenroman, der die Geschichten einiger Einwohner erzählt, so nah, so packend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dazwischen immer wieder Daten, Aufzählungen und Informationen über Los Angeles. Absolut Empfehlenswert!

Im Urlaub hab ich mir nun den vierten und letzten Teil von Frau Meyers Biss-Reihe vorgenommen. Ich hab ja die wildesten Sachen über dieses Buch gehört, sogar von Orgien und weiteren nicht jugendfreien Inhalten war die Rede. Öhm… hab ich das falsche Buch gelesen? Natürlich kamen die beiden jetzt endlich zur Sache, immerhin mittlerweile verheiratet, aber da wurde immer ganz keusch weggeblendet. Es war zwar von leidenschaftlich zerrissenen Klamotten und ein paar körperlichen Blessuren die Rede, ein Kind ist auch entstanden, doch alles nicht viel anstössiger als heutige Margarine-Werbung. Und der Beischlaf fand nur im Duett statt.
Zwischenzeitlich fand ich es ziemlich langweilig und insgesamt zu konfliktfrei. Das Buch hatte vier Themen. Das erste war die Hochzeit, die ganz fix vorüberging. Dann wurde in den Flitterwochen ein Kind gezeugt, auf das man dann, trotz stark verkürzter Schwangerschaft, sehr lange wartete. Vorher wurde Bella noch schnell zum Vampir gemacht, um die Geburt zu überleben, doch das eine Jahr, das ein normaler Neu-Vampir braucht, um sich an den Zustand zu gewöhnen und in dem der Frischling sehr unzurechnungsfähig ist, brauchte Bella nicht. Sie war sofort kontrolliert und vernünftig, konnte sogar ein paar Tage später schon ihrem Vater vor die Augen treten, ohne ihn beissen zu wollen. Das Kind war natürlich das zauberhafteste und intelligenteste Wesen, das sich die Welt vorstellen kann, kein Mutantenmonster. Und der Vampirclan, der die Schwangerschaft als ungeheuerlichen Tabu-Bruch ansah und sie alle killen wollte, auf dessen Ankunft man ewiglang vorbereitet wurde, ließ sich mit ein paar Wortwechseln und ein bisschen Magie besänftigen.
Außerdem wurde man den Eindruck nicht los, dass das ganze Buch mit der heißen Nadel gestrickt wurde. Die Figuren waren alle ziemlich eindimensional, hier und da Logikfehler (z.B. wurde andauernd betont, dass ein Vampir keinen Herzschlag hat, aber beim frischen Bella-Vampir „schlägt das Herz bis zum Hals“) und die vielen vielen Gäste/Zeugen, die dem Cullen-Clan beistehen wollen, wurden alle haarklein beschrieben, obwohl sie letztendlich keine besondere Rolle gespielt haben. Das war bisschen, wie stundenlang fremde Geburtstagsfeierfotos angucken.
Und am „Ende der Nacht“ ist Friede-Freude-Eierkuchen: Alle Vampire haben Frieden miteinander geschlossen, Vampire und Wölfe haben sich auch endlich lieb, Jakob ist nicht mehr hinter Bella her, sondern hinter ihrer Tochter, und Edward und er sind dicke Kumpel geworden. Und wenn sie nicht gestorben sind….

Doch ich will nicht nur meckern: Für junge Mädchen finde ich die ganze Reihe weiterhin empfehlenswert. Es ist zwar etwas heuchlerisch zu behaupten, man solle keinen Sex vor der Ehe haben, wie es hier zwischen den Zeilen rüberkommt, aber ein paar mehr Bücher und Filme (die Teenager ansprechen) mit einem Hauch Moral, viel Liebe und Romantik können in den heutigen Zeiten nicht schaden, wo viele Kinder bereits mit 12 Jahren von einem Bett ins nächste hopsen.

Prolog

Am 31.10. hatte ich das Dutzend wieder voll, höchste Zeit, endlich einen kleinen Lesereport zu schreiben. Der Anfang war schnell getippt, nur fehlten dann immer Zeit oder Lust oder Energie, von allen 12 Büchern zu erzählen. Doch auch in mehreren Etappen kommt man irgendwann am Ziel an. Auf gehts:

1. Kapitel
Goodbye Lemon“ von Adam Davies
Mein zweiter Roman von Davies. Der „Froschkönig“ hatte mich damals schwer begeistert, also waren meine Erwartungen hoch. Leider konnte „Goodbye Lemon“ nicht ganz mithalten, aber war dennoch ein wirklich guter Roman darüber, wie trügerisch Erinnerungen sein können und welche tragischen Folgen Schweigen haben kann.
Jack hat kaum Erinnerungen an seinen kleinen Bruder, der mit fünf im See ertrunken ist. In seiner Familie verliert niemand ein Wort über ihn. Jack hat früh jeden Kontakt zu ihnen abgebrochen und lebt sein eigenes Leben. Als jedoch sein Vater einen Schlaganfall erleidet, fährt er zusammen mit seiner Freundin zurück in das Haus seiner Kindheit, das er eigentlich nie wieder betreten wollte. Zu seinem verhassten Vater, der seit dem Schlaganfall keinen Muskel bewegen kann, seinem ständig alkoholisierten Bruder, seiner unterkühlten und perfektionistischen Mutter.
Ein spannendes Familiendrama, sehr gut geschrieben!

2. Kapitel
Seelenbrecher“ von Sebastian Fitzek
Mein dritter Roman von Herrn Fitzek und wieder ein absoluter Pageturner mit einer sehr dichten Stimmung. Er zaubert sofort ein Kopfkino herbei und man kann das Buch erst wieder weglegen, wenn der Abspann läuft (einen Film macht man halt nicht einfach mal aus).
Für ein Experiment müssen einige Psychologiestudenten einen Bericht durchlesen. In diesem geht es um einen Serienmörder, der seine Opfer seelisch gebrochen hat, und um einen Mann, der sich in der Psychiatrischen Klinik wiederfindet und keine Erinnerung hat. Einen Tag vor Weihnachten wird der Seelenbrecher als Patient eingeliefert und durch einen Vorfall ist die Klinik von der Außenwelt abgeschlossen. Und der Seelenbrecher nimmt seine Arbeit auf.
Nicht sein bester Roman, aber dennoch wieder sehr spannend und flüssig geschrieben!

3. Kapitel
City Of Ashes“ von Cassandra Clare
Gerade bei den Fantasy-Jugendbüchern kommt momentan jede Menge Schund und Dutzendware raus, da ist das hier einfach eine Perle! Der zweite Band der „Chroniken der Unterwelt“ hat mir fast noch besser als der erste gefallen. Mit Humor, Tiefe und Einfallsreichtum hebt sich diese Reihe sehr postiv aus der Menge hervor und sei jedem ans Herz gelegt, der was für moderne Vampire, Werwölfe und so weiter übrig hat. Cassandra Clare schafft es einfach, niemals ins Kitschige oder Klischeehafte abzurutschen und hat einen herrlichen trockenen Humor.
Große Klasse!
(Leider heißt es nun bis zum nächsten Jahr auf dritten Band warten…)

4. Kapitel
Keller“ von Richard Laymon
Nachdem mir „Die Show“ so gut gefallen hat, hab ich bei diesem Sammelband zugeschlagen: Die ganze Trilogie über das „Horrorhaus“ (fast 1300 Seiten) für nur 15 Euro.
Leider war mir das nun doch etwas zu viel Laymon und die Stimmung ganz anders als bei „Der Show“. Besonders genervt hat mich, dass es ständig um Sex geht. An sich stört mich das nicht, aber hier war es etwas zu viel des Guten. Auf fast jeder zweiten Seite taucht das Wort „Brustwarze“ auf (wirklich!), da brauchen sich ein Mann und eine Frau gerade mal kennenlernen, da brennen sie sofort vor Lust aufeinander und treibens meistens sofort an Ort und Stelle miteinander. Die „Monster“ haben natürlich auch nur Sex im Sinn (das Zerfleischen kommt aber gleich an zweiter Stelle) und im ersten Roman begleiten wir streckenweise einen pädophilen Psychopathen und müssen intensiv am Sexleben mit seinem kleinen Opfer teilnehmen.
Ansonsten geht es sehr brutal und blutig zu. All das gibt es reichlich. Nur bei der Handlung hat sich Laymond zurückgehalten. Spannung? Manchmal. Langeweile? Häufiger.
Nun ja, also irgendwie ein Sex-Splatter-B-Movie in Buchform. Muss man nicht gelesen haben.

5. Kapitel
Hölle“ von Will Elliott
Mit rabenschwarzen Humor gewürzter düsterbunter Horrortrip!
Mehr durch Zufall landet Jamie in einer Art Nebendimension (oder gar Teil der Hölle?) in Form eines mörderischen und verrückten Rummelplatzes. Dort muss er als einer der Clowns im Zirkus arbeiten und einige Prüfungen bestehten. Oder sterben.
„Du hast zwei Tage, um die Prüfung zu bestehen. Besser du bestehst sie, sonst müssen wir dich töten.“ (Gonko, der Clown)

Als wäre das nicht schlimm genug, hat er täglich mit sich selbst zu kämpfen, denn durch die Clownschminke kommt seine übelste und gemeinste Seite ans Tageslicht, die sich auf dem Rummelplatz sehr wohl fühlt und immer mehr Kontrolle über ihn bekommt.
Unterhaltsamer Horrorspaß!

6. Kapitel
Schöner wird’s nicht“ von David Sedaris
Ich warte weiterhin auf großstadttelefonbuchdicke autobiographische Kurzgeschichtenbände von Sedaris und seinem (in meinen Augen) Seelenverwandten Augusten Burroughs! Dieser Kurzgeschichtenband war wieder viiieeel zu kurz und ein grandioser Lesegenuss!
Uneingeschränkte Empfehlung!!!

7. Kapitel
Ich, Oliver Tate“ von Joe Dunthorne
Ach, ich hab eine Schwäche für unterhaltsame Geschichten, die aus der Sicht von altklugen Jungen geschrieben sind. Und dieser hier war sehr unterhaltsam!
Oliver Tate ist fast 15 und lässt uns sehr intensiv an seinem pubertären Leben und seinen Gedanken über sich und seine Umwelt teilhaben. Seine Mutter befindet sich auf seinem Selbstfindungstrip, sein Vater hat häufig Depressionen, sein bester Freund Chips ist ein „traditioneller Tyrann“, seine Freundin Jordana hat sich die Beziehung zu ihm durch Erpressung erschlichen, er erlebt seinen ersten Sex, versucht die Ehe seiner Eltern zu retten und seine Schulabschlussprüfung zu schaffen.
Ein wirklich witziger, intelligenter, lebendiger, manchmal etwas bösartiger, und immer großartig geschriebener Debütroman!

8. Kapitel
Infiziert“ von Scott Sigler
Wenn man hier eine Schublade suchen möchte, müsste man die mit der Aufschrift „King- und Koontz-Horror“ wählen.
Ein solider und spannender Horrorthriller über einen mysteriösen Virus, der die geistige Kontrolle über seinen menschlichen Wirt übernimmt und ihn zum wahnsinnigen Mörder mutieren lässt. Die US-Regierung ist ratlos und in höchster Alarmbereitschaft. Einer der Infizierten ist der Ex-Footballprofi Perry Dawsey, der merkwürdige Veränderungen in sich spürt, bald fremde Stimmen in seinem Kopf hört und seinen einsamen Kampf gegen das fremde Leben in seinem Körper aufnimmt.
Über das Ende kann man, wie meist bei solchen Romanen streiten, ich fand es ok, aber unbestreitbar ein netter Pageturner für jeden, der etwas Splatter vertragen kann.

9. Kapitel
Joker“ von Markus Zusak
Vor ein paar Monaten habe ich seine herausragende „Bücherdiebin“ gelesen. Auch der „Joker“ ist eine gehaltvolle und sehr gut geschriebene Geschichte, aber kann nicht so ganz mit der „Bücherdiebin“ mithalten.
Ed ist 19, Single, unglücklich verliebt in seine beste Freundin und Taxifahrer, als er eines Tages in einen Banküberfall verwickelt wird. Eher durch Zufall wird er zum Helden und erhält seitdem anonyme Post ist Form von Spielkarten. Hinter jeder der Spielkarten verbergen sich Aufgaben, die es erst herauszufinden und dann zu erfüllen gilt.
Was es damit auf sich hat und wer dahinter steckt, erfahren Ed und der  Leser erst am Ende der Geschichte.
Spannend, warm, humorvoll, intelligent und ein bissl Lebensweisheitsbotschaft, ohne in den Kitsch abzugleiten.

10. Kapitel
Vampire! Vampire!“ von Markus Heitz
Folgendes Dialogzitat auf „From Dusk Till Dawn“ erwartet uns auf der ersten Seite:

***
JACOB: „Hat jemand hier ein echtes Buch über Vampire gelesen, oder erinnern wir uns nur an das, was wir in Filmen gesehen haben? Ich meine, ein echtes Buch?“
SEX MACHINE: „Du meinst, wie ein Time-Life-Buch?“

Alle lachen
***

Nun hat sich Markus Heitz an die Arbeit gemacht und alles über Vampire zusammengetragen, was sich weltweit über die untoten Blutsauger finden ließ. Und das ist einiges! Unglaubliches, Witziges, Interessantes: Wer hätte z.B. gedacht, dass selbst landwirtschaftlichen Geräten oder sogar Stühlen schon vampirische Aktivitäten nachgewiesen wurden?
Ein wirklich unterhaltsames und kurzweiliges Buch für alle Vampirfreunde!

11. Kapitel
Drei Irre unterm Flachdach“ von Bastienne Voss
Keine zusammenhängende Geschichte, sondern autobiographische Episoden aus dem DDR-Alltag und einem ungewöhnlichen Drei-Personen-Haushalt (sie wächst bei ihren Großeltern auf).
Unterhaltsam und nett.

12. Kapitel
Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni
Mein erster Schamoni und garantiert nicht mein letzter!
Schöne Mia, sexy Mia. Scheiß auf deine billigen Männer. Ich, Fürst der Überflüssigen, Anführer der riesigen Armee der Coquille, die die konspirative Geheimloge der Nichtsnutze ist, Advokat der internationalen Idiotenvereinigung, werde dein zukünftiger Ex-Freund sein, der, der weniger zu bieten hatte als all die durchschnittlichen Funktionierer vor mir. Sie sind zu dumm, um Angst zu haben. Ich bin der laufende Zweifel. Warum ich so strahle? Warum mich alle haben wollen? – Angst schuf diesen perfekten Geist.“ (S. 78),
möchte der hamburger Kunststudent Michael Sonntag zu seiner geheimnisvollen Nachbarin von Gegenüber sagen. Doch irgendwie ist er dann doch zu sehr mit dem Leben beschäftigt, mit der Melancholie, Paranoia, Psychotherapie, Hypochondrie, Depressionen, Alkohol, seiner Ex-Freundin, seinem extremen Mitbewohner, Sex mit Frauen-deren-Namen-man-viel-zu-schnell-wieder-vergessen-hat und seinem Nebenjob als Roadie bei den „Black Jets“.
Düster, schrullig, witzig, realistisch, ironisch, lakonisch: Lesenswert!

Epilog
Es ist vollbracht. Draußen tanzen nun ganz leise die ersten kleinen Schneeflöckchen der Saison vorm Fenster, diese scheinheiligen Biester, nun lässt sich der Winter nicht mehr ignorieren. Mittlerweile haben sich vier weitere ausgelesene Bücher angesammelt, aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt wird…

Die letzten Rezis sind in Arbeit und folgen bald. Ein gutes Dutzend diesmal.

Heute hab ich mir den neuen Palahniuk gekauft: „Snuff
Gestern habe ich „Physic“ von Angie Sage angefangen, den dritte Band der „Septimus Heap“-Reihe.
Jetzt ist natürlich die Frage: Ein wirklich nettes und spannendes Jugendbuch weiterlesen oder doch schnell den krassen und bestimmt nicht jugendfreien Palahniuk einpfeifen?

Es gibt so schöne Probleme! ;-)

King-Neuigkeiten? Und ob! Mitte des Monats erscheint ein neuer Kurzgeschichtenband namens „Sunset„.