Kategoriearchive: Krimi/Thriller

Mädchenmörder: Ein Liebesromanvon Thea Dorn

Ich war es vor dem Lesen und bin es jetzt danach: Zwiegespalten. Es war mein erster Roman von Frau Dorn, die ich vorher nur aus Artikeln und aus dem Fernsehen kannte. Nach diesen ersten Eindrücken kein Mensch, mit dem ich gern mal plaudernd zusammen sitzen würde, für mich kommt sie sehr hart und kalt rüber, kein Sympathieträger, aber ich glaube, das will sie auch gar nicht sein. Als ich mit dem Buch begann, war ich von ihrem Stil recht angetan, doch im zweiten Teil des Buches gibt es einen überraschenden Twist, an sich ok, aber zu sehr in die Länge gezogen und zäh. Teilweise auch unglaubwürdig, doch darüber will ich mich nicht streiten, die menschliche Psyche ist halt komplex und ich bin keine Psychologin.
Kurz zum Inhalt: Eine junge Frau wird von einem Psychopathen entführt, der mit ihr durch Europa reist und unterwegs munter Mädchen ermordet.
Wie gesagt, ich bin zwiegespalten: Ein interessantes, aber nicht ganz rundes Leseerlebnis.
Hier Frau Dorn dazu (Achtung: Spoiler!):

Dorn bei YouTube

Herr Tourette und ich von Pelle Sandstrak

Auch hier das Thema Psychologie, nur diesmal wirklich autobiographisch: Bei Pelle Sandstrak entwickelt sich in der Schulzeit ein Tourette-Syndrom, gepaart mit vielen Zwangshandlungen, die mit den Jahren immer stärker und zahlreicher werden.  Leider war das Krankheitsbild zu dieser Zeit in Schweden noch nicht sehr bekannt und er durchläuft erfolglos ein paar halbherzige Psychotherapien, bleibt also mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Die Krankheit wird immer extremer und für viele Tätigkeiten, wie z.B. eine Türschwelle übertreten, duschen, auf die Toilette gehen, für die ein „normaler Mensch“ (im Buch auch „die Normalvariante eines Menschen“ genannt), ein paar Minuten braucht, benötigt er oft einen halben Tag oder noch länger. Bis seine Erkrankung endlich erkannt und therapiert wird, vergehen viele Jahre, in denen er aus etlichen Jobs gefeuert wurde, immer weniger Kontakte zu anderen Menschen hatte, zeitweise Obdachlos war und abgrundtief verzweifelt.
Pelle Sandstrak erzählt seine Geschichte sehr mitreissend und mit einer guten Portion Humor und Selbstironie. Toll!

Allen Verschwörungstheoretikern sei versichert, es ist wirklich nur ein Zufall, dass es wieder genau 23 Bücher sind, die sich zwischenzeitlich angesammelt haben. ;-)

Da einige der folgenden Romane noch nicht im Handel erschienen sind, darf ich aus rechtlichen Gründen nur wenig darüber schreiben.

Los geht’s:

1. „Die Brautprinzessinvon William Goldmann
(meine Ausgabe war allerdings diese)
Die Brautprinzessin wartete schon seit Jahren in einem Stapel auf ihren großen Auftritt, nun war es endlich soweit, und es entpuppte sich als ein sehr überraschendes Buch! Ähnlich wie bei Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist der Text zweifarbig und besteht aus einem „realen“ und einem „gelesenen“ Teil. Goldmann fasst ein (fiktives) Märchen zusammen und lässt alle langweiligen Szenen (wie zum Beispiel einen Umzug) einfach weg. Der Roman sprüht vor Wortwitz und überraschenen Wendungen – toll!

2. „Das Kind von Sebastian Fitzek
Bei den Thriller von Fitzek gilt immer: Mindestens einen halben Tag Zeit im Rücken haben, bevor man die erste Seite aufschlägt! Ich hab bisher für keinen seiner Romane länger als 1-2 Tage gebraucht (nur widerwillig unterbrochen für Arbeit, Schlaf und Nahrungsaufname), auch hier jagt ein Cliffhanger den nächsten und man brennt begierig auf Auflösung. Kurz zum Inhalt: Ein Junge glaubt fest daran, in einem früheren Leben Menschen umgebracht zu haben und kann sogar sagen, wo die Leichen liegen. Und dort werden auch welche gefunden… Mordsmässig spannend!

3. „Das Geheimnis der 100 Pforten von N. D. Wilson
Ein solides Jugendbuch: Henrys Eltern sind verschollen und er kommt bei seinem Onkel (die interessanteste Figur des Buches) und dessen Familie unter. In seinem Zimmer entdeckt er hinter der Tapete lauter Türen, hinter denen sich andere Welten befinden. Die Sprache ist recht einfach gehalten, die Handlung ist, bis auf ein paar Längen, spannend.

4. „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeetvon Alan Bradley
Was für eine Perle! Es war Liebe auf den ersten Blick, dieses wunderbare Cover hat mich sofort verzaubert, und der Inhalt erst… verdammt gut, von der ersten bis zur letzten Seite! Kaufen, genießen und auf die Fortsetzung lauern!
Flavia ist 11 Jahre alt und wohnt mit ihren beiden älteren Schwestern und ihrem Vater in einem englischen Dorf in den 50er Jahren. Sie ist etwas altklug, sehr schlau, leidenschaftliche Giftmischerin und neugierige Hobbydetektivin. Eines Morgens entdeckt sie im Garten eine Leiche. Ihr Vater kommt als Verdächtiger ins Gefängnis. Nun ist es an ihr diesen Fall aufzulösen.
Der erste (zum Glück abgeschlossene) Teil einer neuen Reihe und Alan Bradley wurde auf der Basis eines einzigen Kapitels mit dem Dagger Award ausgezeichnet. Absolut gerechtfertigt, absolut genial!

5. „Blankets von Craig Thompson
Nach der Testosteron-Graphic-Novel zu Kings Turm meine zweite Berührung zu dieser Gattung, ein gewagtes Geschenk, doch diesmal hat auch mich diese andere Art der Literatur total begeistert! Eine Liebesgeschichte, so real, so nah erzählt, das Zusammenspiel der Worte und Zeichnungen war wirklich ein absolut großartiges Gesamterlebnis! Danke! :-)

6. „Das Haus der vergessenen Kindervon Christopher Ransom
Eine solide und stimmungsvolle Geisterhausgeschichte, die man aber nicht gelesen haben muss.

7. „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis von Pseudonymous Bosch
Und das war es in meinem Falle wirklich: Auf dem Leseexemplar, dass ich in die Hände bekam, stand nichts außer dem Titel. Und es entpuppte sich als wunderbares und spannendes Jugendbuch!

8. „Splitter von Sebastian Fitzek
Wieder ein klassischer Cliffhanger-Lesesuchtverursachender-Fitzek, nur war ich diesmal von der Auflösung enttäuscht.

9. „Dämonenhunger von Timothy Carter
Dies ist die Geschichte der Vernichtung der Welt. Es ist eindeutig keine Geschichte über irgendeinen Helden, der den Weltuntergang verhindert, obwohl natürlich Helden und Bösewichte darin vorkommen, ebenso wie phantastische Geschöpfe und Magie. Nicht zu vergessen Schlachten, Niederlagen und Siege. Doch freue dich nicht zu früh, liebe Leser. Dieses Buch wird trotzdem mit dem Untergang unserer guten alten Mutter Erde enden. Das Spiel wird nicht in letzter Minute abgepfiffen, es gibt keine schicksalshafte Kehrtwende und auch keinen überraschenden Schlussgag à la >Puh, das war jetzt aber knapp<.“ (S. 9)
Wer Autoren wie Christopher Moore oder Terry Pratchett mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Witziger und wilder Lesespaß, garantiert!

10. „Einfach losfahren von Fabio Volo
Dieses Buch sollte man allen armen pseudointellektuellen suchenden Coelho-Lesern in die Hand drücken: Hier, wenn ihr schon sowas braucht, nehmt doch gleich was richtig Gutes!
Ein feiner und schlauer Roman über das Leben und die Sinnsuche, intelligent und lebendig geschrieben, der sich nur im letzten Viertel etwas zu sehr im Kreis dreht.

11. „Die Dramaturgie des Tötens von Jincy Willett
Sehr spannender Thriller über eine Schreibgruppe mit einem äußerst bösartigen Teilnehmer. Erscheint im November.

12. „Alterra – Die Gemeinschaft der Dreivon Maxime Chattam
Diesen Jugendroman hab ich an einem Tag verschlungen! Er hat mich an „Die dreibeinigen Herrscher“ erinnert, weniger wegen der Story, wohl aber wegen der ähnlich spannenden Stimmung: Alle Erwachsenen sind über Nacht verschwunden oder haben sich in brutale Wesen verwandelt. Die Kinder und Jugendlichen sind nun auf sich selbst gestellt und nichts ist mehr, wie es mal war…
Großartig geschrieben! Gemein war nur das sehr offene Ende (und nun die Frage, wann der nächste Teil wohl erscheinen wird).

13. „Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells
Erscheint erst Ende des Monats, daher nur soviel: Spannend, überraschend, gut!

14. „City Of Glass – Chroniken der Unterwelt 3 von Cassandra Clare
Ich war wieder schwer begeistert und traurig, dass die Trilogie nun abgeschlossen ist…

15. „Eine Insel von Terry Pratchett
Mal ein ganz anderer Pratchett – inwieweit seine Krankheit zu diesem vergleichsweise ruhigem philosophischen Roman beigetragen hat, kann man nur spekulieren. Nicht das sich die Alzheimererkrankung an sich bemerkbar macht, nein, es sind die großen Fragen über das Leben und den Tod, die hier so ins Gewicht fallen. Eine Naturkatastrophe (eine große Welle) überschwemmt eine Insel und alle Bewohner sterben. Nur ein Junge überlebt. Und ein Mädchen strandet, nach einem Schiffbruch, auf der Insel. Leider sprechen die beiden nicht die gleiche Sprache und haben eine sehr unterschiedliche Kinderstube genossen…
Anders als seine Scheibenweltromane, doch auf jeden Fall sehr lesenswert!

16. „Für Uwe von Christian Ulmen
Was der Horst Schlämmer bei Hape Kerkeling ist, ist der Uwe Wöllner bei Christian Ulmen. Und Uwe hat ein autobiographisches Buch geschrieben. Über den Tod seiner Mutter, seinen Job im Beerdigungsinstitut, die erste eigene Wohnung und die Liebe. 100% Uwe: Schräg, witzig, und irre unterhaltsam!

17. „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers von Jürgen Kuttner
Kuttners berühmte Videoschnipselvorträge in Buchform: Großartig! (Hoffentlich folgt auch mal eine DVD!)
Hier übrigens ein tolles Fundstück von 1994, wo im ORB eine Art „Sprechfunk-Blue Moon“ (der leider seit 2007 Dienstags ohne ihn stattfindet) mit dem Namen „Null Uhr Kuttner“ lief:

Null Uhr Kuttner auf YouTube

18. „Trigger von Wulf Dorn
Da auch dieser Thriller noch nicht erschienen ist, ultrakurz: Extrem spannender Psychothriller! Sehr geeignet für Fitzek-Anhänger!

19. „Der Simulant von Chuck Palahniuk
Nun hab ich ihn komplett, alle Romane von Palahniuk, die in Deutschland erschienen sind. Dieser wurde übrigens letztes Jahr unter dem Originaltitel „Choke“ verfilmt ( hab ihn noch nicht gesehen).
Wie immer ein verstörendes Bild der amerikanischen Gesellschaft – bitterböse, rabenschwarz, empfehlenswert!

20. „Haut von Mo Hayder
Erscheint erst im November. Daher auch hier nur ganz kurz: Wieder ein absolut fesselnder Thriller!

21. „Ich, John von Peter Murphy
Ein eher düsteres Drama: John wächst allein mit seiner religiösen Mutter in einem kleinen irischen Dorf auf. Sein größtes Interesse gilt Würmern. Erst in dem etwas älteren Jamey findet er einen Freund. Und dann passiert etwas, was die Leben der beiden Jungen komplett aus den Angeln reisst. Äußerst stimmungsvolle Geschichte über Freundschaft und die Mutter-Sohn-Beziehung, doch es hätten ein paar Würmer weniger vorkommen können.

22. „Vampir von John Marks
Ich hatte gezögert, bevor ich zugriff; Vampirromane überschwemmen momentan den Büchermarkt, der Großteil ist Schund. Doch dieser hier war ein echter Glücksgriff! Eine dichte Stimmung, der Bram-Stoker-Vergleich vom Klappentext ist keine Übertreibung, hier gibt es einen lupenreinen Stil (klassisch und zeitgenössisch zugleich), eine durchweg spannende Story, eine geschickte Mischung aus Tagebucheinträgen und E-Mails verschiedener Figuren. Was mich allerdings ein wenig geärgert gewundert hat: Die Hauptfigur, eine TV-Produzentin, die nach Rumänien reist, um dort einen mysteriösen Unterweltboss zu treffen, heißt mit Nachnamen Harker, und obwohl die gängigen Dracula-Klischees erwähnt werden, wird noch nicht mal selbstironisch darauf eingegangen, dass bei Stoker auch einst ein Harker in die Kaparten reiste, um einem unheimlichen Mann zu begegnen.
Doch bei dieser Korinthenkackerei soll es bleiben, sonst war ich schwer begeistert!

23. „Ein strahlend schöner Morgen von James Frey
Der Hauptdarsteller dieses Buches ist eindeutig Los Angeles. Ein ganz besonderes Porträt dieser, in vieler Hinsicht, besonderen Stadt. Ein Episodenroman, der die Geschichten einiger Einwohner erzählt, so nah, so packend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dazwischen immer wieder Daten, Aufzählungen und Informationen über Los Angeles. Absolut Empfehlenswert!

Wenn man der Kino-Zeit Glauben schenken darf, startet die langersehnte Verfilmung von Larssons „Verblendung“ am 01.10.09 in den deutschen Kinos. Wird ja auch Zeit!

In Schweden läuft der erste Teil bereits im Kino, wann es in Deutschland soweit ist, habe ich leider noch nicht herausgefunden.

Aber hier schon mal der Trailer (Originalton):

Verblendung auf YouTube

Und erste Meinungen von zwei deutschsprachigen Bloggern, die ihn schon gesehen haben: Nr. 1 und Nr. 2

Alles sehr vielversprechend!

Nachdem sich weltweit die Fans von Stieg Larsson damit abgefunden haben, dass mit „Vergebung“ diese herausragende Reihe mit Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander endet, gibt es nun Gerüchte über einen vierten Teil, der sich noch auf dem Notebook des verstorbenen Journalisten und Schriftstellers befindet.
Leider sehen die Chancen schlecht aus, dass dieser so bald im Buchhandel landet, denn zwischen der Familie und seiner langjährigen Freundin, die im Besitz des Notebooks ist, gibt es einen erbitterten Rechtsstreit. Da sie nicht verheiratet waren, ging seine Freundin bisher leer aus, obwohl man nach 25 Jahren Beziehung sehr wohl von „Eheähnlicher Beziehung“ sprechen kann. Das Manuskript, wobei nicht bekannt ist, in welchem Stadium der Fertigstellung es sich bei seinem Tod befand, ist nun ein Vermögen wert.
Übrigens waren wohl ursprünglich 10 Teile geplant. Echt ein Jammer, dass es dazu nie kommen wird, aber allein schon ein vierter Band wäre der Hammer! Sofern der kein offenes Ende hat wie die „Verdammnis„…

Mehr dazu hier.

Nö, nix Illuminaten, nur Literaten (oder solche, die es gern wären).

Seit meinem letzten Rezi-Report ist eine ganze Handvoll (Hier ist sie schon, die erste 5…) an Monaten ins Land gezogen. Bei der Menge werde ich mich kurz fassen. Los gehts:

1. Physic von Angie Sage
Die herrliche Jugendbuch-Reihe um den Zauberlehrling Septimus Heap geht in die dritte Runde und kann locker mit den beiden Vorgängern (Magyk und Flyte) mithalten. Diesmal befreit der Vater von Septimus versehentlich den Geist einer grausamen Königin, die schon einige Jahrhunderte darauf wartet, ihre bösartigen Pläne in die Tat umzusetzen. Toll!

2. Snuff von Chuck Palahniuk
Der ganze Roman spielt an einem Tag in einem Wartezimmer. In diesem Wartezimmer warten 600 Männer darauf mit einer Frau einen Rekord zu brechen: Der nicht mehr ganz so junge Porno-Star Cassie Wright will an einem Tag vor laufender Kamera mit 600 verschiedenen Männern Sex haben, was sie allein aus medizinischer Sicht wohl nicht überleben wird.
Unter den Wartenden ein junger Mann, der sich sicher ist, ihr Sohn zu sein.
Ein recht dünner und unterhaltsamer Roman, mit sehr viel weniger Sexszenen, als man vermuten würde, im gewohnten Palahniuk-Stil. Mir hat er wieder besser gefallen als sein letzter Roman Das Kainsmal.

3. Das Böse in uns von Cody McFadyen
Nach Die Blutlinie und Der Todeskünstler der dritte Teil mit der FBI-Agentin Smoky Barrett. Leider der bisher schwächste. Waren die beiden ersten Teile außerordentlich spannend, war dieser hier gerade mal mittelmäßig. Die Szene, die auf dem Klappentext beschrieben wird, gibt es im ganzen Buch nicht, die Story plätschert streckenweise nur so vor sich hin, und wirkt oftmals mehr wie ein langatmiger Brief, in dem auch ausführlich erzählt wird, was in den beiden ersten Romanen passierte, obwohl es für diese Handlung nicht wichtig war.
Nicht für Einsteiger in die Reihe geeignet (die anderen sind bedeutend besser!). Es bleibt die Hoffnung, dass mit dem vierten Band die Qualitätskurve wieder nach oben steigt!

4. Dieses Buch wird ihr Leben retten von A. M. Homes
Dieses Buch wurde mir mehrfach von Kunden empfohlen. Der Titel ist ungewöhnlich, das Buch nicht so sehr. Eine nette Geschichte über einen Mann, der sich selbst vom Leben ausgesperrt hat und nach einem eingebildeten Herzinfarkt wieder dorthin (und damit auch zu sich selbst) zurückfindet. Teilweise lustig und unterhaltsam, teilweise etwas übertrieben, manchmal etwas kitschig und unrealistisch. Insgesamt: Ganz nett.

5. Sunset von Stephen King
Ein neuer King, ein neuer King! Aber leider ist er hier den Jubel nicht so ganz wert. Seine Kurzgeschichten reichen sehr oft einfach nicht an die Qualität seiner richtigen Romane. So auch bei Sunset. Ein paar gute, ein paar weniger gute Storys, aber ein Muss nur für echte Fans.
(Vielleicht sollte er in Sachen Kurzgeschichten bei seinem Sohn ein paar Nachhilfestunden nehmen…)

6. Gewebte Welt von Clive Barker
Siehe hier oder scrolle etwas runter.

7. Eine Handvoll Venus von Frederik Pohl / Cyril M. Kornbluth
Eine interessante Satire aus den 50ern über die heutige Welt, in der die Werbeindustrie und große Konzerne mächtiger als die Politik sind. Manche Visionen der Autoren lassen einen amüsiert grinsen, doch sie haben auch erschreckend viele Nägel auf den Kopf getroffen. Eine spannende Geschichte mit Intrigen, Verschwörungen und dem Kampf mit dem Gewissen. Unterhaltsam!

8. American Gods von Neil Gaiman
Nun war es höchste Zeit, auch endlich zu diesem Geburtstagsgeschenk zu greifen – und es hat sich gelohnt! Gaiman hatte mich schon vor Jahren mit Niemalsland begeistert und es auch hier geschafft!
Shadow nimmt nach einem Gefängnisaufenthalt einen Job als Bodyguard bei Mr. Wensday an. Es stellt sich bald heraus, dass sein neuer Arbeitgeber niemand geringerer als die Gottheit Odin ist. Und er ist nicht der einzige Gott, der sich in Amerika gelandet ist und darunter zu leiden hat, dass die Zahl der Gläubigen in den Keller gesunken ist. Shadow soll ihnen aus der Misere helfen.
Spannend, amüsant, philosophisch und skurril! Den zweite Band Anansi-Boys konnte ich zum Glück auch schon auftreiben. Lesen!

9. Blutportale von Markus Heitz
Ein neuer Horror-Thriller vom Herrn Heitz. Diesmal sehr blutig und rasant! Doch mit meinem Favoriten von ihm, Kinder des Judas, kann er leider nicht ganz mithalten. Dennoch ausserordentlich spannender Pageturner mit dem Villa-Sitter und Blumenhändler Will und der Star-Fechterin Saskia, die in einen dämonischen und vor allem blutigen Sog geraten. Mit einigen Gastauftritten von Figuren seiner anderen Romane. Gut und spannend!

10. Scientology von Frank Nordhausen / Liane von Billerbeck
Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will. So der Untertitel. So der Plan von Scientology. Ein sehr aktuelles Buch über die Sekte: Ihre Entstehung, ihr Aufbau, ihre Mittel, ihre Ziele. Spannend wie ein Krimi, nur erschreckend real. SEHR empfehlenswert!

11. Das Leben geht weiter von Matthias Keidtel
Der zweite Holm-Roman von Keidtel. Den ersten kenne ich nicht, so steige ich also unvorbereitet in Holms geregeltes Leben ein. Mit fast 40 wohnt er wieder bei seinen Eltern, ist arbeitslos und führt ein recht ruhiges Leben in Berlin/Rudow. Doch so ganz zufrieden ist er nicht. Da muss was passieren. Er entschließt sich, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen und landet auf dem Weg nach Frankreich (auf der Suche nach Samen für seine geplante Reinhardt-Mey-Rosen-Zucht) in Berlin/Mitte. Erst  erkundet er als Tourist seine unbekannte Heimat Berlin, plötzlich arbeitet er als Angestellter in einem Strip-Club und verliebt sich…
Hhm, in den ersten Kapiteln gefiel mir der Stil noch ganz gut, aber irgendwann ging mir die Holm’sche Langsamkeit und Weltfremdheit etwas auf die Nerven. Ok, aber nicht ganz mein Ding.

12. Zwischen zwei Träumen von Selim Özdogan
Ein Roman mit Traumstimmung. Eine Realität, in der Träume legale (natürlich gibt es auch illegale) Kosumgüter sind.
Nesta hat einen großen Traum: Er möchte ein Star-Träumer werden. Einer, der mit seinen Träumen (die von den Konsumenten in Tropfenform genommen werden) richtig viel Geld verdient und berühmt ist. So wie Tedeisha, die er bei einem Vorträumen kennenlernt. Doch plötzlich sind Tropfen im Umlauf, von denen die Menschen nicht mehr aufwachen.
Interessant, intelligent, philosophisch, traumhaft. Nur manchmal etwas verwirrend (wie Träume halt auch sind). Gut!

13. Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt von Collin McMahon
Herrlich! Ein Comic-Roman, den man leider schon in einer Stunde durch hat. Für jeden Menschen ab 10 ein absolut empfehlenswerter Spaß! Wir lesen das Tagebuch von Greg, handgeschrieben mit vielen Comic-Zeichnungen darin (daher „Comic-Roman“). Er lässt uns teilnehmen an den Abenteuern und Qualen seines Schul- und Familienalltags. LESEN! (Auch bestens für alle geeignet, die sonst nicht gern lesen – mir haben schon zwei Mütter begeistert berichtet, dass sie mit Gregs Tagebüchern ihre absolut lesefaulen Söhne zu wahren Leseratten therapiert haben! ;-) )

14. Terror von Dan Simmons
Dan Simmons hat es schon einige Male geschafft, mich zu begeistern. So auch hier: Ein dicker Eisberg von einem Roman, der sehr gut zum frostigen Jahresbeginn passte. Halb auf historischen Fakten beruhend, halb fiktiver mystischer Horror, für all das, wofür es keine wahren Belege gab. Zum zweiten Mal machte ich hier die Bekanntschaft mit Sir John Franklin (vor Jahren habe ich Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny gelesen), doch dieses Mal geht es nur um seine letzte Fahrt, dem Versuch als Erster die Nordwestpassage zu durchsegeln, eine Expedition, die niemand überleben sollte. Beide Schiffe saßen für Jahre im Eis fest, weit ab von jeder Zivilisation und mit zu wenig Nahrung. Und dann ist da auch ein riesiges mysteriöses Wesen…
Man spürt die Kälte, die kaustophobische Enge auf den beiden Schiffen, die Hoffnung, später die Hoffnungsloskeit und das Grauen. Angenehm fand ich, dass die Geschichte aus mehreren Sichten erzählt wird, etwas verwirrend fand ich manchmal die Zeitsprünge der Kapitel. Insgesamt ein wirklich großartiger Schmöker!

15. Komm zurück, mein dunkler Bruder von Jeff Lindsay
Der dritte Dexter-Band. Aber der erste, den ich gelesen habe. Den ersten Teil kenne ich vom Hörbuch – Des Todes dunkler Bruder (sehr hörbar!) und der großartigen TV-Serie (deren erste Staffel noch sehr nah an der Buchvorlage war), den zweiten nur als Fernsehserie – die sich allerdings nur ganz grob an den zweiten Roman gehalten hat, wie ich merken musste. Um die Wartezeit zur dritten Staffel zu verkürzen, griff ich nun zum neuen Buch. Hhm. Ein paar Wissenslücken schmälerten das Lesevergnügen, und Dexters Problem, dass sein sonst wohl sehr aktiver dunkler Passagier verstummt war. Überhaupt die Tatsache, dass da von einem „Dunklen Passagier“ in seinem Kopf die Rede war, als eine Art uraltem Wesen, das sich dort eingenistet hat. Der TV-Dexter hat so gar nix mit Mystik am Hut und die Stimme aus dem Off ist dort halt seine eigene. Beim ersten Hörbuch fiel das nicht so ins Gewicht, da kam es nur am Rande vor. Und, dass die Kinder seiner Freundin Rita ebenfalls diese „Veranlagerung zum Töten“ im Blut haben war mir vollkommen neu. Ich hoffe sehr, dass wird nicht für die TV-Serie übernommen. Auch der trockene schwarze Humor kam im TV besser rüber.
Von all dem abgesehen war es ein netter Pageturner, den man gut an einem Tag schaffen kann.

16. Das Aquarium von Thommie Bayer
Warum auch immer, ich werde mit den Romanen von Herrn Bayer nicht warm. Da habe ich hiermit schon den Roman gewählt, von dem die meisten schwärmen, aber auch diesmal will sich keine recht Begeisterung einstellen.
Nach einem Unfall, bei dem seine (fast-)Freundin stirbt, igelt sich Barry zu Hause ein und verbringt seine Zeit damit, seine neue Nachbarin zu beobachten, die im Rollstuhl sitzt. Übers Internet nehmen die beiden irgendwann Kontakt auf.
Also bei mir flog da kein Funke.

17. Die Stunde, in der ich zu glauben begann von Wally Lamb
Den Titel finde ich etwas misslungen. Zu kitschig. Es klingt zu sehr nach Religion, um die es nur ganz nebensächlich geht.
Auch wenn es schon einige Jahre her ist, dass ich seine anderen beiden Romane gelesen habe, denke ich, dass die mir einen Tick besser gefallen haben. Hier hätte auf einige Seiten verzichtet werden können. Ich war beinahe froh, als ich endlich durch war, obwohl er einen wirklich angenehmen Stil hat und das Thema sehr spannend war. Und in meinem Falle auch etwas gruselig: Während ich nun hier über das Drama von Columbine las, passierte der Amoklauf in Winnenden.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Caelum, einem Lehrer der Columbine High School erzählt. An diesem schicksalshaften Tag hat er aufgrund eines Todesfalls in der Familie frei. Doch seine Frau Maureen, die als Krankenschwester in der Schule arbeitete, erlebt das alles hautnah mit. Versteckt in einem Schrank. Natürlich hinterlässt dieses Erlebnis seine Folgen: Ein schweres Trauma, Depressionen und Psychosen. Kaum hat sie sich einigermaßen wieder aufgerappelt, passiert der nächste Schock. Sie landet im Gefängnis, die Anklage lautet Mord.
Gleichzeitig arbeitet er eher unfreiwillig die Geschichte seiner eigenen Vergangenheit und die seiner Familie auf, die es ebenfalls in sich hat und viele Fragen aufwirft.
Ein spannendes Drama, sehr einfühlsam und wenig gefühlsduselig. Und es zeigt, welche Wellen die unglaublichen Taten von jugendlichen Amokläufern schlägt. Gut!

18. Glück kommt selten allein von Eckard von Hirschhausen
Ja, Glück kann man kaufen! Dr. Hirschhausen zeigt es uns mit seinem zweiten Buch, das wirklich Spaß macht, voller weiser (und wissenschaftlich erwiesener) Ratschläge, Erkenntnisse, Witzen und wahren Geschichten. Zum immer wieder lesen und sich wohl fühlen! Toll!

19. Rollende Steine von Terry Pratchett
Jawohl, es geht um Musik! Um die ultimative Band in Ankh-Morpork: Die „Band mit Steinen drin“.  Wie diese ungewöhnliche Band entstand und was an ihr so besonders ist, und, warum der TOD zur Fremdenlegion geht und seine Enkelin Susanne seinen Job übernehmen muss, solltet Ihr besser selbst lesen! Aber flott!

20. Bis(s) zur Mittagsstunde von Stephenie Meyer
Ja, auch ich habe es gelesen. Den ersten Teil vor fast zwei Jahren, aber nun dachte ich doch, es wäre mal an der Zeit, zu lesen, wie es weitergeht. Nett und zum Glück weniger kitschig als erwartet.

21. Leichenblässe von Simon Beckett
Der dritte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Auch hier ist es von Vorteil, die vorhergehenden Romane zu kennen, aber nicht zwingend notwendig. Dieses Mal ist er zu Besuch bei einem Kollegen in den USA auf einer Bodyfarm. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, dessen Opfer schon nach kurzer Zeit extreme Verwesungsmerkmale vorweisen.
Wieder ein sehr spannender Pageturner!

22. Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer
Mit kurzer Unterbrechung habe ich also gleich zum dritten Teil gegriffen. Bisher der schwächste Band, wie ich fand. Natürlich gibt es einige recht spannende Nebenhandlungen, aber in der Hauptsache versichern sich die beiden Hauptfiguren ständig ihre Liebe („Ich liebe Dich!“ – „Ich liebe Dich noch viel mehr!“ – „Nein, ich liebe Dich noch vieeeeel meeeehr!“ – Sinngemäß wiedergegeben), was mich irgendwann total genervt hat. (Aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe)
Mit ein wenig Pause werde ich mir dann irgendwann mal den vierten und letzten Teil geben, in dem es dann endlich richtig und nicht jugendfrei zur Sache gehen soll! ;-)

23. Mängelexemplar von Sarah Kuttner
Nun also auch Fräulein Kuttner. Aber doch: Ein absolut gelungenes Debüt!
Ihre junge Ich-Erzählerin Karo leidet unter Depressionen und Panikattaken. Alles beginnt, als ihr der Job gekündigt wird und sie ihrem Freund die Beziehung kündigt. Und ihn dann doch vermisst. Plötzlich fühlt es sich an, als wäre ihr der Boden unter den Füßen weggerissen worden. Sie sucht sich eine Psychotherapeutin, doch damit ist es nicht getan, psychische Erkrankungen dauern bekanntlich etwas länger als eine Grippe.
Einfühlsam und rotzig, durchaus sehr lesenswert!

Es ist geschafft! Ich bin hier nun fast wieder auf dem Laufenden. Jede Menge dritte Teile waren diesmal dabei, wie mir jetzt auffällt. Allerdings haben die letzten sonnigen und freien Tage dafür gesorgt, dass ich nicht artig am Rechner saß und weitergeschrieben, sondern auf dem Balkon Sonne getankt und Bücher gefressen habe. Bald gibt es also wieder frische Rezi’s. ;-)

Prolog

Am 31.10. hatte ich das Dutzend wieder voll, höchste Zeit, endlich einen kleinen Lesereport zu schreiben. Der Anfang war schnell getippt, nur fehlten dann immer Zeit oder Lust oder Energie, von allen 12 Büchern zu erzählen. Doch auch in mehreren Etappen kommt man irgendwann am Ziel an. Auf gehts:

1. Kapitel
Goodbye Lemon“ von Adam Davies
Mein zweiter Roman von Davies. Der „Froschkönig“ hatte mich damals schwer begeistert, also waren meine Erwartungen hoch. Leider konnte „Goodbye Lemon“ nicht ganz mithalten, aber war dennoch ein wirklich guter Roman darüber, wie trügerisch Erinnerungen sein können und welche tragischen Folgen Schweigen haben kann.
Jack hat kaum Erinnerungen an seinen kleinen Bruder, der mit fünf im See ertrunken ist. In seiner Familie verliert niemand ein Wort über ihn. Jack hat früh jeden Kontakt zu ihnen abgebrochen und lebt sein eigenes Leben. Als jedoch sein Vater einen Schlaganfall erleidet, fährt er zusammen mit seiner Freundin zurück in das Haus seiner Kindheit, das er eigentlich nie wieder betreten wollte. Zu seinem verhassten Vater, der seit dem Schlaganfall keinen Muskel bewegen kann, seinem ständig alkoholisierten Bruder, seiner unterkühlten und perfektionistischen Mutter.
Ein spannendes Familiendrama, sehr gut geschrieben!

2. Kapitel
Seelenbrecher“ von Sebastian Fitzek
Mein dritter Roman von Herrn Fitzek und wieder ein absoluter Pageturner mit einer sehr dichten Stimmung. Er zaubert sofort ein Kopfkino herbei und man kann das Buch erst wieder weglegen, wenn der Abspann läuft (einen Film macht man halt nicht einfach mal aus).
Für ein Experiment müssen einige Psychologiestudenten einen Bericht durchlesen. In diesem geht es um einen Serienmörder, der seine Opfer seelisch gebrochen hat, und um einen Mann, der sich in der Psychiatrischen Klinik wiederfindet und keine Erinnerung hat. Einen Tag vor Weihnachten wird der Seelenbrecher als Patient eingeliefert und durch einen Vorfall ist die Klinik von der Außenwelt abgeschlossen. Und der Seelenbrecher nimmt seine Arbeit auf.
Nicht sein bester Roman, aber dennoch wieder sehr spannend und flüssig geschrieben!

3. Kapitel
City Of Ashes“ von Cassandra Clare
Gerade bei den Fantasy-Jugendbüchern kommt momentan jede Menge Schund und Dutzendware raus, da ist das hier einfach eine Perle! Der zweite Band der „Chroniken der Unterwelt“ hat mir fast noch besser als der erste gefallen. Mit Humor, Tiefe und Einfallsreichtum hebt sich diese Reihe sehr postiv aus der Menge hervor und sei jedem ans Herz gelegt, der was für moderne Vampire, Werwölfe und so weiter übrig hat. Cassandra Clare schafft es einfach, niemals ins Kitschige oder Klischeehafte abzurutschen und hat einen herrlichen trockenen Humor.
Große Klasse!
(Leider heißt es nun bis zum nächsten Jahr auf dritten Band warten…)

4. Kapitel
Keller“ von Richard Laymon
Nachdem mir „Die Show“ so gut gefallen hat, hab ich bei diesem Sammelband zugeschlagen: Die ganze Trilogie über das „Horrorhaus“ (fast 1300 Seiten) für nur 15 Euro.
Leider war mir das nun doch etwas zu viel Laymon und die Stimmung ganz anders als bei „Der Show“. Besonders genervt hat mich, dass es ständig um Sex geht. An sich stört mich das nicht, aber hier war es etwas zu viel des Guten. Auf fast jeder zweiten Seite taucht das Wort „Brustwarze“ auf (wirklich!), da brauchen sich ein Mann und eine Frau gerade mal kennenlernen, da brennen sie sofort vor Lust aufeinander und treibens meistens sofort an Ort und Stelle miteinander. Die „Monster“ haben natürlich auch nur Sex im Sinn (das Zerfleischen kommt aber gleich an zweiter Stelle) und im ersten Roman begleiten wir streckenweise einen pädophilen Psychopathen und müssen intensiv am Sexleben mit seinem kleinen Opfer teilnehmen.
Ansonsten geht es sehr brutal und blutig zu. All das gibt es reichlich. Nur bei der Handlung hat sich Laymond zurückgehalten. Spannung? Manchmal. Langeweile? Häufiger.
Nun ja, also irgendwie ein Sex-Splatter-B-Movie in Buchform. Muss man nicht gelesen haben.

5. Kapitel
Hölle“ von Will Elliott
Mit rabenschwarzen Humor gewürzter düsterbunter Horrortrip!
Mehr durch Zufall landet Jamie in einer Art Nebendimension (oder gar Teil der Hölle?) in Form eines mörderischen und verrückten Rummelplatzes. Dort muss er als einer der Clowns im Zirkus arbeiten und einige Prüfungen bestehten. Oder sterben.
„Du hast zwei Tage, um die Prüfung zu bestehen. Besser du bestehst sie, sonst müssen wir dich töten.“ (Gonko, der Clown)

Als wäre das nicht schlimm genug, hat er täglich mit sich selbst zu kämpfen, denn durch die Clownschminke kommt seine übelste und gemeinste Seite ans Tageslicht, die sich auf dem Rummelplatz sehr wohl fühlt und immer mehr Kontrolle über ihn bekommt.
Unterhaltsamer Horrorspaß!

6. Kapitel
Schöner wird’s nicht“ von David Sedaris
Ich warte weiterhin auf großstadttelefonbuchdicke autobiographische Kurzgeschichtenbände von Sedaris und seinem (in meinen Augen) Seelenverwandten Augusten Burroughs! Dieser Kurzgeschichtenband war wieder viiieeel zu kurz und ein grandioser Lesegenuss!
Uneingeschränkte Empfehlung!!!

7. Kapitel
Ich, Oliver Tate“ von Joe Dunthorne
Ach, ich hab eine Schwäche für unterhaltsame Geschichten, die aus der Sicht von altklugen Jungen geschrieben sind. Und dieser hier war sehr unterhaltsam!
Oliver Tate ist fast 15 und lässt uns sehr intensiv an seinem pubertären Leben und seinen Gedanken über sich und seine Umwelt teilhaben. Seine Mutter befindet sich auf seinem Selbstfindungstrip, sein Vater hat häufig Depressionen, sein bester Freund Chips ist ein „traditioneller Tyrann“, seine Freundin Jordana hat sich die Beziehung zu ihm durch Erpressung erschlichen, er erlebt seinen ersten Sex, versucht die Ehe seiner Eltern zu retten und seine Schulabschlussprüfung zu schaffen.
Ein wirklich witziger, intelligenter, lebendiger, manchmal etwas bösartiger, und immer großartig geschriebener Debütroman!

8. Kapitel
Infiziert“ von Scott Sigler
Wenn man hier eine Schublade suchen möchte, müsste man die mit der Aufschrift „King- und Koontz-Horror“ wählen.
Ein solider und spannender Horrorthriller über einen mysteriösen Virus, der die geistige Kontrolle über seinen menschlichen Wirt übernimmt und ihn zum wahnsinnigen Mörder mutieren lässt. Die US-Regierung ist ratlos und in höchster Alarmbereitschaft. Einer der Infizierten ist der Ex-Footballprofi Perry Dawsey, der merkwürdige Veränderungen in sich spürt, bald fremde Stimmen in seinem Kopf hört und seinen einsamen Kampf gegen das fremde Leben in seinem Körper aufnimmt.
Über das Ende kann man, wie meist bei solchen Romanen streiten, ich fand es ok, aber unbestreitbar ein netter Pageturner für jeden, der etwas Splatter vertragen kann.

9. Kapitel
Joker“ von Markus Zusak
Vor ein paar Monaten habe ich seine herausragende „Bücherdiebin“ gelesen. Auch der „Joker“ ist eine gehaltvolle und sehr gut geschriebene Geschichte, aber kann nicht so ganz mit der „Bücherdiebin“ mithalten.
Ed ist 19, Single, unglücklich verliebt in seine beste Freundin und Taxifahrer, als er eines Tages in einen Banküberfall verwickelt wird. Eher durch Zufall wird er zum Helden und erhält seitdem anonyme Post ist Form von Spielkarten. Hinter jeder der Spielkarten verbergen sich Aufgaben, die es erst herauszufinden und dann zu erfüllen gilt.
Was es damit auf sich hat und wer dahinter steckt, erfahren Ed und der  Leser erst am Ende der Geschichte.
Spannend, warm, humorvoll, intelligent und ein bissl Lebensweisheitsbotschaft, ohne in den Kitsch abzugleiten.

10. Kapitel
Vampire! Vampire!“ von Markus Heitz
Folgendes Dialogzitat auf „From Dusk Till Dawn“ erwartet uns auf der ersten Seite:

***
JACOB: „Hat jemand hier ein echtes Buch über Vampire gelesen, oder erinnern wir uns nur an das, was wir in Filmen gesehen haben? Ich meine, ein echtes Buch?“
SEX MACHINE: „Du meinst, wie ein Time-Life-Buch?“

Alle lachen
***

Nun hat sich Markus Heitz an die Arbeit gemacht und alles über Vampire zusammengetragen, was sich weltweit über die untoten Blutsauger finden ließ. Und das ist einiges! Unglaubliches, Witziges, Interessantes: Wer hätte z.B. gedacht, dass selbst landwirtschaftlichen Geräten oder sogar Stühlen schon vampirische Aktivitäten nachgewiesen wurden?
Ein wirklich unterhaltsames und kurzweiliges Buch für alle Vampirfreunde!

11. Kapitel
Drei Irre unterm Flachdach“ von Bastienne Voss
Keine zusammenhängende Geschichte, sondern autobiographische Episoden aus dem DDR-Alltag und einem ungewöhnlichen Drei-Personen-Haushalt (sie wächst bei ihren Großeltern auf).
Unterhaltsam und nett.

12. Kapitel
Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni
Mein erster Schamoni und garantiert nicht mein letzter!
Schöne Mia, sexy Mia. Scheiß auf deine billigen Männer. Ich, Fürst der Überflüssigen, Anführer der riesigen Armee der Coquille, die die konspirative Geheimloge der Nichtsnutze ist, Advokat der internationalen Idiotenvereinigung, werde dein zukünftiger Ex-Freund sein, der, der weniger zu bieten hatte als all die durchschnittlichen Funktionierer vor mir. Sie sind zu dumm, um Angst zu haben. Ich bin der laufende Zweifel. Warum ich so strahle? Warum mich alle haben wollen? – Angst schuf diesen perfekten Geist.“ (S. 78),
möchte der hamburger Kunststudent Michael Sonntag zu seiner geheimnisvollen Nachbarin von Gegenüber sagen. Doch irgendwie ist er dann doch zu sehr mit dem Leben beschäftigt, mit der Melancholie, Paranoia, Psychotherapie, Hypochondrie, Depressionen, Alkohol, seiner Ex-Freundin, seinem extremen Mitbewohner, Sex mit Frauen-deren-Namen-man-viel-zu-schnell-wieder-vergessen-hat und seinem Nebenjob als Roadie bei den „Black Jets“.
Düster, schrullig, witzig, realistisch, ironisch, lakonisch: Lesenswert!

Epilog
Es ist vollbracht. Draußen tanzen nun ganz leise die ersten kleinen Schneeflöckchen der Saison vorm Fenster, diese scheinheiligen Biester, nun lässt sich der Winter nicht mehr ignorieren. Mittlerweile haben sich vier weitere ausgelesene Bücher angesammelt, aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt wird…

Da wohne ich bereits einige Jahre in Dresden und falle noch immer gelegentlich darauf herein:

Eine Kundin möchte ihr bestelltes Buch abholen und nennt mir ihren Namen. Nachdem ich eine Weile erfolglos das Regal durchforstet habe, fügt sie hinzu: „Mit B, wie Baula.“

Doch eigentlich wollte ich jetzt von meinen letzten Büchern erzählen.

Arcadia“ von Samantha Devin

Erst kürzlich habe ich einen Artikel über junge Schriftstellerinnen gelesen und eine von ihnen hatte in ihrer Anfangszeit ernsthaft überlegt, sich ein männliches Pseudonym zuzulegen, um ernstgenommen zu werden. Ich kann das gut verstehen, denn ich erwische mich selbst häuftig mit Vorurteilen. So auch hier. Doch der Klappentext klang interessant und schon nach wenigen Seiten hatte sie mich.

Julia Aridell ist 33, Schriftstellerin, gelangweilt und enttäuscht vom Leben. Finanziell unabhängig verbringt sie ihre Tage in selbstgewählter Einsamkeit mit Nichtstun. Bis eines Tages ein unbekannter Anrufer diesen einen Satz sagt: „Et in arcadia ego
Zwei Jahre zuvor hatte eine Mutter ihre Tochter und beinahe auch ihren Sohn grausam ermordet und sich mit diesem Satz (eingestickt in ein Kissen, wenn ich mich nicht irre) fotographieren lassen. Julias Neugier ist geweckt und wird zur Obsession. Unter dem Vorwand, einen Roman über diesen Fall zu schreiben, besucht sie die Mörderin im Gefängnis und trifft etwas später auch auf Daniel, den Bruder des toten Mädchens. Ein Junge mit einer faszinierenden Ausstrahlung, der sie sich nicht entziehen kann. Eine folgenschwere Begegnung.

Eine ausgewogene und interessante Mischung, man erfährt einiges über griechische Mythologie, philosophische und moralische Fragen werden aufgeworfen (zum Glück nicht beantwortet) und insgesamt eine spannende Rahmenhandlung mit einigen Überraschungen. Gut gefallen hat mir auch, dass sich die Figuren selten in die Karten schauen ließen und sich die wenigsten in klassische Schubladen einsortieren lassen. Ungewöhnliche und intelligente Unterhaltung, sehr lesenswert!

Jeder Mensch, jede Familie, jedes Volk wählte aus dem unendlichen Spektrum der Möglichkeiten eine begrenzte Anzahl von Mitteln aus, um sich eine eigene Realität zu konstruieren und, ausgehend von dieser, mit der Umwelt zu interagieren. Im Normalfall existierten diese Realitäten friedlich nebeneinander. Andernfalls kam es zu Konflikten und Kriegen oder, wie bei mir, zum Zerfall von Wertvorstellungen.“ (S. 104)

***

Firmin – Ein Rattenleben“ von Sam Savage

Drei Gründe sprachen bereits vor dem Lesen für dieses Buch:

1.: Ansprechende Antik-Optik. Die Seiten sind am rechten Längstschnitt ungleichmässig geschnitten.
2.: Eine Ratte erzählt aus ihrem Leben. Ich mag Ratten und hatte selbst mal eine.
3.: Bücher über Bücher, Leser, Buchhandlungen, Literatur und Schriftsteller… schon klar, oder?

Die Ratte Firmin wächst in den 60ern mit 12 Geschwistern und einer alleinerziehenden, überwichtigen, alkohlsüchtigen Rattenmutter in den Wänden einer Buchhandlung auf. Als kleinstes und schwächstes Kind bleibt ihm häufig nichts anderes, als sich von Buchseiten der Klassiker zu ernähren. Während seine Geschwister und auch seine Mutter irgendwann ihre eigenen Wege gehen, bleibt Firmin, lernt lesen, und liest und futtert sich durch die Weltliteratur. Er fühlt sich zu den Menschen hingezogen, denkt und fühlt ähnlich wie sie, doch ist und bleibt eine einsame Ratte.

Ein hübscher Lesespaß, wenngleich auch oft düster und traurig. In der Mitte gibt es ein paar Längen.

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Dem Tode nah“ von Linwood Barclay

Den Thriller habe ich, genau wie den letzten Roman von Barclay („Ohne ein Wort„), an einem Tag gefressen. Man findet einfach keinen Punkt, um eine Pause einzulegen und ist getrieben von der Neugier, wie sich die Geschichte wohl auflösen wird.

Der 17jährige Derek hat einen Plan. Die Nachbarn, sein bester Freund und dessen Eltern, wollen in den Urlaub fahren. Er versteckt sich bei ihnen im Keller und will sich dort später heimlich mit seiner Freundin treffen. Doch der Traum vom ungestörten Liebesnest wird zum Alptraum, denn er wird Zeuge der Ermordung der Nachbarsfamilie. Es dauert nicht lange, da gerät er selbst in Verdacht.

Wie auch bei „Ohne ein Wort“ wird der Prolog vom unmittelbar Betroffenen, hier Derek, erzählt. Der Roman selbst von seinem Vater.

Rasante und schmackhafte Fast-Food-Kost. Wirklich gute Unterhaltung!

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Über das Schreiben“ von Sol Stein

Hier bin ich der Empfehlung von Andreas Eschbach gefolgt. Ungelesen verstaubte es über ein Jahr im Regal, fiel mir nun in die Hände und entpuppte sich nach wenigen Seiten als spannende Lektion über das Schreiben. Unterhaltsam und anschaulich geschrieben, voller Informationen, Beispiele, Tricks und Kniffe.

Für Interessierte absolut empfehlenswert!

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Columbus war ein Engländer“ von Stephen Fry

Mein aktuelles Buch, ich bin gerade im ersten Viertel, also sind die Informationen noch rar. Der Schauspieler und Schriftsteller Stephen Fry erzählt von seiner Kindheit und Jugend, die er hauptsächlich in Internaten verbrachte.

Wie auch seine Romane sehr unterhaltsam und flüssig geschrieben, macht Laune!

… , der hoffentlich noch nicht vorüber ist! Draußen regnet, gewittert und stürmt es gerade. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Nein, ich möchte endlich mal meine kleinen Rezis nachholen – auf Grund der Menge werde ich mich kurz fassen.

In chronologischer Reihenfolge:

Kühles Grab von Lisa Gardner
Spannender Thriller + mysteriöses Familiendrama = toller Pageturner!

Kill your friends von John Niven
Ja, es war das Cover und der Vergleich mit „American Psycho„, der mich zum Kauf verleitet hat. Doch Bret Easton Ellis kann das um Längen besser, was John Niven hier versucht hat: Eine bitterböse Satire über die abgestumpfte (reiche) Gesellschaft zu schreiben. Bei Niven ist es die Musikindustrie. War Patrick Bateman noch eine tragische und dreidimensionale Figur, so ist Steven Stelfox einfach nur ein Arsch, der seine gesamte Umwelt hasst.
Allerdings muss ich zugeben, dass der Roman auch wirklich gute und starke Szenen hat und insgesamt recht gut geschrieben ist. Kann man lesen, muss man nicht.
(Ellis kann es halt besser. Basta!)

Land des Lachens von Jonathan Carroll
Diesen schmucken Roman (ich mag es ja, wenn Bücher ein gewisses Eigengewicht haben, wie eben dieses) bekam ich zum Geburtstag geschenkt und war schon nach wenigen Seiten hin und weg: Eine wunderbar geschriebene und wundervoll gesponne Geschichte über einen wunderlichen Schriftsteller, dessen Schreibe gar wundersame Auswirkung hat!
Eine Perle! Ein wirklich beeindruckender Roman, der immer für eine Überraschung gut ist und mich rundum überzeugt hat! (Danke! :-) )

Mögliche Nebenwirkungen von Augusten Burroughs
Ich würde es sehr begrüßen, wenn seine autobiographischen Kurzgeschichtenbände in Zukunft so dick wie Telefonbücher wären, man ist immer viel zu schnell auf der letzten Seite. Die Einblicke in seine neurotische Welt und die Rückblicke in seine etwas andere Kindheit sind einfach herrlich – bitte ganz schnell Nachschub!
(Weiterhin werde ich den Verdacht nicht los, dass er und David Sedaris entweder ein und die selbe Person oder Seelenverwandte sind ;-) )

Der kleine Vampir und die letzte Verwandlung von Angela Sommer-Bodenburg
Da mich die Abenteuer von Anton Bohnsack und der Schlotterstein-Sippe schon mein ganzes Leben begleiten, musste ich natürlich auch den letzten Band lesen: Wie immer eine hübsche Geschichte und ein würdiger Abschluss dieser Kinderbuchreihe!

Grazie von Chelsea Cain
Der zweite Teil um die Serienmörderin Gretchen Lowell und ihren Jäger (und gleichzeitig letztes Opfer) Archie Sheridan. Der Roman braucht etwas Anlaufzeit, nimmt dann jedoch volle Fahrt auf. War schon sehr spannend, aber konnte mit dem ersten Teil, „Furie„, nicht ganz mithalten.

Monsterjäger-Akademie I: Das Portal des Barakkas von Dean Lorey
Mal wieder was für die Potter-Schublade, aber trotz einiger Ähnlichkeiten (Junge, der von seinem starken magischen Fähigkeiten erfährt, auf eine Akademie kommt, dort gleich zwei beste Freunde findet, einen Jungen und ein Mädchen, und ein finsterer Oberschurke, der es auf ihn abgesehen hat) auch sehr eigene und witzige Ideen zu bieten hat. Wirklich netter Lesespaß für junge Potter-Fans.

Ritus von Markus Heitz
Hhm. Die „Kinder des Judas“ haben mir besser gefallen. Hier sind es statt Vampiren nun Werwölfe, in meinen Augen sowieso weniger interessant, aber auch die Figuren waren etwas blasser gezeichnet (bzw. eindimensional überzeichnet). Zwischendurch gab es ein paar Längen und ein so offenes Ende hatte ich nicht erwartet (mit „Sanctum“ liegt glücklicher Weise bereits der zweite und letzte Teil parat). Doch es gab auch sehr spannende Abschnitte, ich mag den Stil von Heitz und ich hab es gern gelesen.
Nun freu ich mich erstmal auf sein „Vampire! Vampire!„, das im November erscheint!

Verdammnis von Stieg Larsson
Dass ich nur anderthalb Tage für die knapp 750 Seiten gebraucht habe, sagt wohl alles… Der zweite Teil war sogar noch eine Steigerung zur „Verblendung“, Larsson versteht es meisterhaft einen dichtgewobenen, mordsspannenden, intelligenten, unterhaltsamen Thriller zu schreiben, mit einmaligen lebendigen und faszinierenden Figuren! Es ist einige Zeit vergangen zwischen den beiden ersten Bänden, dafür schließt der dritte, die „Vergebung“, dann direkt an den zweiten an. Es ist also äußerst sinnvoll, den auch gleich zur Hand zu haben!

Stranger than fiction von Chuck Palahniuk
Prima: Lauter wahre Geschichten aus Palahniuks Nähkästchen! Eine Sammlung von autobiographischen Geschichten und Artikeln, sowie kurzen (und etwas anderen) Biographien (die bekanntesten Namen dürften wohl Juliette Lewis und Marilyn Manson sein). Lässt sich prima lesen und ist voll dieser kleinen interessanten Kleinigkeiten, die mir bei ihm so gefallen – und man erfährt auch, wie er zu diesen Informationen kommt.

Vergebung von Stieg Larsson
Wie war das mit dem lachenden und dem weinenden Auge?
Nun bin ich also (akutell auf Seite 387 von fast 900) beim letzten Teil dieser grandiosen Trilogie, mit dem Wissen, dass es von Larsson leider niemals Nachschub geben wird. Aber ich hoffe, andere Autoren schneiden sich eine gewaltige Scheibe ab – irgendwer hat über ihn geschrieben, dass er „alles richtig gemacht hat“, das kann ich nur unterschreiben!
Wenn ich die letzte Seite gelesen habe, werde ich nochmals berichten. Ich gehe stark davon aus, dass es dann weiterhin die reinste Lobhudelei sein wird, aber er hat es einfach verdient! ;-)

Die Wahl war auf „Bad Monkeys“ von Matt Ruff gefallen. Die ersten Seiten waren auch recht vielversprechend. Das ganze Buch besteht aus einem Interview zwischen einem Psychiater der Strafvollzugsanstalt und Jane Charlotte, die wegen Mordes angeklagt wurde. Doch sie behauptet, Mitglied einer geheimen Organisation zu sein, die schlechte Menschen (schlechte Affen) tötet, damit diese nicht noch mehr Schaden anrichten können. Sie erzählt ihre zum Teil widersprüchliche Geschichte und am Ende ist doch wieder alles ganz anders.

Die Idee an sich hat mir sehr gut gefallen, es gab auch einige spannende Momente, aber insgesamt liegt dieser Roman weit hinter „Ich und die anderen“ und „Fool on the hill“! Die meisten Nebenfiguren bleiben sehr wage und zu Jane Charlotte bekam ich auch keinen richtigen Draht. Dass sie nicht als rein positive Person wahrgenommen werden soll, wird schnell klar, doch auf den Keks gehen sollte sie bestimmt nicht.

Erst vor ein paar Wochen habe ich ein ähnliches Buch gelesen, auch hier war ein Gespräch mit einem Psychiater das Grundgerüst um eine wilde Geschichte: „Der geniale Mr. Fletcher“ von Craig Clevenger.
(Übrigens wieder eine Empfehlung von Chuck Palahniuk und wieder ein Treffer!)
John Dolan Vincent wechselt häufig seine Identitäten. Das fällt ihm nicht schwer, denn er hat sich zu einem erstklassigen Fälscher entwickelt. Aufgrund einer Überdosis von Medikamenten und Drogen ist er im Krankenhaus gelandet und steht unter Suizidverdacht. Der Psychologe soll nun herausfinden, ob der Patient entlassen werden darf. John Vincent, der derzeit Daniel Fletcher heißt, steht nun vor der Herausforderung, eine komplette normale Vergangenheit für seine geklaute Persönlichkeit abzuliefern, während sein wirkliches Leben bisher alles andere als normal war. Ein spannendes Kammerspiel und eine noch spannendere und interessante Lebensgeschichte!
Auch hier hab ich keine übergroße Sympathie für die Hauptfigur entwickelt, aber dafür stimmte die Chemie und es war einfach ein richtig klasse Trip durch ein ungewöhnliches Leben!

Nomen est omen:
Die schlechten Affen bekommen 6 von 10 Punkten.
Der geniale Mr. Fletcher hat sich 9 von 10 Punkten verdient! (Im August kommt der Roman als Taschenbuch raus)