Kategoriearchive: Rezensionen

Spinner“ von Benedict Wells
Da ich von seinem ersten Roman so begeistert war, freute ich mich schon diebisch auf den „Spinner“. Und wurde leider etwas enttäuscht. Es las sich zwar wirklich gut, aber konnte eben nicht ganz mit „Becks letzter Sommer“ mithalten. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mittlerweile einfach zu viele Romane dieser Art gelesen habe, über junge Männer/Schriftsteller, die in einer großen Stadt (hier Berlin) leben, ihren Weg suchen und über die Liebe stolpern. Meine Meister in dieser Schublade bleiben Djian und Fante. Ich wette, auch Benedict Wells hat sie gelesen. Er wird ebenfalls Regeners „Herr Lehmann“ und Özdogans „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“ gelesen haben und sie alle wohl genauso lieben wie ich. „Spinner“ ist gut geschrieben, keine Frage, aber auch nichts Neues, „Becks letzter Sommer“ hingegen war mehr etwas Eigenes.

Die Saat“ von Guillermo Del Toro & Chuck Hogan
Der erste Roman von Guillermo Del Toro, ich war sehr neugierig. Ich mochte seinen Film „Pans Labyrinth“ und war nun gespannt, was er über Vampire zu erzählen hat. Ein Flugzeug landet in New York, alle Passagiere und die Piloten sind tot, was ist da passiert? Und warum verschwinden sie alle aus dem Leichenschauhaus, um ihren trauernden Hinterbliebenen einen Besuch abzustatten und sie umzubringen? Was wie ein Roman von Stephen King klingt, liest sich auch wie einer (nur kann es King mit seinem ganz eigenen Stil immer noch besser). Ein spannender Horror-Thriller, Hollywood-Kopfkino, doch leider erst der erste Teil einer Trilogie. Wann die beiden weiteren Teile erscheinen werden, ist noch nicht bekannt.

Clean Team“ von Charlie Huston
Wer „Big Lebowski“ mag, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Schräg, lässig, absurd, schwarzhumorig, pur, brutal, lebendig. Der 29jährige Web nimmt einen Job als Putzkraft an. Allerdings säubert er keine Büroräume, er wischt an Tatorten Blut- und Hirnspitzer von den Wänden. Dann verliebt er sich in die Tochter eines Selbstmörders und ist plötzlich mittendrin in einem verworrenen Komplott.
Der erste (abgeschlossene) Roman einer neuen Serie, von der ich garantiert keinen Teil verpassen werde! Großes Kino mit grandiosen Dialogen!

Gemeinsam sind wir unausstehlich“ von Manuela Golz
Die Fortsetzung von „Ferien bei den Hottentotten„, den ich sehr mochte, denn er spielte etwa zur selben Zeit in der selben Ecke von Berlin, in der ich aufgewachsen bin. Die Fortsetzung ist ebenfalls unterhaltsam und nett, aber die Hottentotten gefielen mir besser.

Ein König für Deutschland“ von Andreas Eschbach
Pünktlich zum Wahljahr ist der neue Eschbach erschienen, in dem es um die Frage geht: Was wäre, wenn in den Wahllokalen die Kreuze nicht auf Papier, sondern am Bildschirm gemacht werden, und, was wäre, wenn das Ergebnis durch ein Programm manipulierbar wäre? Der Amerikaner Vincent wird gezwungen, so ein Programm zu schreiben, doch schickt es aus Angst vor seinem Auftraggeber, und was der damit anstellen könnte, seinem Vater in Deutschland. Der hat zusammen mit Freunden seines Sohnes vor, den Wahlbetrug auffliegen zu lassen, indem er eine absurde Partei gründet, die die Wahl gewinnen wird. Eine Partei, die für die Rückkehr der Monarchie steht. Doch plötzlich wird er wirklich König von Deutschland.
Ein interessantes Gedankenspiel, das manchmal schon erschreckend real klingt, aber das Ende ist dann etwas zu zahm geraten. Übrigens gibt es viele Links als Fußnoten im Buch.

Man tut was man kann“ von Hans Rath
Netter Unterhaltungsroman über den 42jährigen Paul und seine Freunde. Über Geliebte, den Job und das Leben. Liest sich flott und witzig, um Längen besser als der „Vollidiot„.

Und ich werde mich jetzt wieder in Kings „Arena“ begeben…

Fünf Tage habe ich in Mark Z. DanielewskisDas Haus“ verbracht, nun folgt mein Bericht.

Und falls Sie irgendwann einmal zufällig an diesem Haus vorbeikommen sollten, bleiben Sie nicht stehen, gehen Sie auch nicht langsamer, sondern gehen Sie einfach weiter. Das ist nichts. Seien Sie vorsichtig…

… wird schon auf dem Cover gewarnt. Und eine Warnung ist wirklich angebracht, denn „Das Haus“ ist kein normales Buch. Kein gemütlicher Feierabendschmöker zur Entspannung. Nein, dieses Buch ist eine Herausforderung; es braucht die volle Aufmerksamkeit und Konzentration des Lesers, es kostet Zeit und Nerven, es ist komplex, kompliziert und in jeder Hinsicht ungewöhnlich.

Intro bei YouTube

Meine Neugier wurde durch dieses Zitat von Bret Easton Ellis auf dem Klappentext geweckt, denn bisher haben alle seine Empfehlungen in Schwarze getroffen: “ Ein großartiger Roman. Ein phänomenales Debüt. Hinreißend lebendig, auf erhabene Weise unheimlich, in erschütterndem Maße furchteinflößend, atemberaubend intelligent – es lässt fast alle anderen Werke bedeutungslos erscheinen. Man kann sich vorstellen, wie Pynchon und Ballard, Stephen King und David Forster Wassace sich vor Danielewski verneigen, fassungslos vor Erstaunen und Überraschung, Lachen und Ehrfurcht.“

Ich wage es, Euch einen kleinen Grundriss zu zeichnen:

Das Buch besteht hauptsächlich aus zwei Teilen. Da ist zum einen ein Manuskript aus dem Nachlass eines blinden (!) alten Mannes namens Zambanò über einen Dokumentarfilm des Pulitzer-Preisträgers  Will Navidson. Was zuerst als privates Heimvideo über den Einzug in das Haus begann, wird zum Horrorfilm, der allen, die ihn je gesehen haben ein Rätsel bleibt. Denn in dem Haus passieren merkwürdige Dinge. Von Außen bleibt es unverändert, doch Innen wächst es. Erst ein paar Zentimeter. Dann ist da ein neuer Raum, der vorher nicht da war. Weitere noch größere Räume. Flure. Treppen, die in die Tiefe führen. Turmhohe Säale.
Die vierköpfige Familie ist ratlos und sucht sich Hilfe. Es finden mehrere Expeditionen im Haus statt, die alle dramatisch enden.
Diese unsortierte und unveröffentlichte wissenschaftliche Abhandlung über den verschollenen Dokumentarfilm „Navidson Record“, mit zahlreichen Fussnoten und Randnotizen, gelangt zufällig  in die Hände von Johnny Truant. Ein Junkie, der im Tattooladen seines Freundes arbeitet. Er ordnet und überarbeitet das Manuskript des Verstorbenen und fügt eigene Fussnoten hinzu, in denen er uns an seinem Leben und seinen Gedanken teilhaben lässt. Was oft nicht weniger schrecklich ist, als das, was im „Navidson Record“ passiert.

Die Besonderheiten:

Es ist doppelt so groß wie ein normales Taschenbuch, hat fast 800 Seiten und 450 Fussnoten.
Es gibt zahlreiche Verweise und Zitate aus fiktiven und realen Werken oder von Prominenten und Fachleuten, die sich zu dem Video, dem Haus oder dem Verhalten des Ehepaars Navidson äußern.

Die Schriften und Farben wechseln, manche Worte werden b r e  i  t e r geschrieben, andere  s c h r umpfen. Oder die Worte führen
h
i
n
a
b.

Auf manchen Seiten steht nur ein Wort.
Oft muss man das Buch drehen oder einen Spiegel zur Hilfe nehmen.
Rückwärts blätternd lesen.
Oder von jedem Wort nur den ersten Buchstaben lesen, um den richtigen Text zu entschlüsseln. Es gibt Seiten, auf denen gleich vier Texte parallel zu lesen sind. Oder auf denen (wegen Brandflecken auf dem Original) einzelne Buchstaben fehlen.

Johnny widerspricht häufig Zambanòs Behauptungen. Oder sich selbst. Gibt mehrmals zu, gelogen zu haben.
Mehr als sonst ist der Leser gezwungen, sich allein seine Meinung zu bilden.
Überhaupt fühlte sich das ganze Buch an, als hätte man selbst so ein Manuskript gefunden, rekonstruiert und forscht sich durch diese unglaubliche Geschichte, die sehr real erscheint.

Abschließend:

Mark Z. Danielewski  hat 10 Jahre an diesem beeindruckendem Worthaus gearbeitet, und auch die deutsche Übersetzerin Christa Schuenke hatte bestimmt keine leichte Aufgabe vor sich, dieses lebendige Werk zu bändigen, aber hat es großartig gemeistert!
Wer eine Herausforderung sucht, ein unvergessliches Leseerlebnis, der sollte es auf jeden Fall wagen!!!
Allen anderen kann man nur raten, an diesem Haus vorüber zu gehen.

Zusatzmaterial:

Es lohnt sich, ein wenig rumzugoogeln, es gibt viel zu entdecken. Zum Beispiel haben einige Leser Szenen aus dem „Navidson Record“ gedreht:

Navidson Record bei YouTube

Die Sängerin Poe ist die Schwester des Autors und hat zu dem Buch einige Songs geschrieben. Unter anderem „Angry Johnny“ (welches mir zwar schon länger, aber noch nicht in diesem Zusammenhang bekannt war):

Johnny bei YouTube

Ein Interview mit Danielewski:

Interview auf YouTube

Das Haus – House of Leaves“ bei Wiki  (Achtung: Spoiler!)

Mädchenmörder: Ein Liebesromanvon Thea Dorn

Ich war es vor dem Lesen und bin es jetzt danach: Zwiegespalten. Es war mein erster Roman von Frau Dorn, die ich vorher nur aus Artikeln und aus dem Fernsehen kannte. Nach diesen ersten Eindrücken kein Mensch, mit dem ich gern mal plaudernd zusammen sitzen würde, für mich kommt sie sehr hart und kalt rüber, kein Sympathieträger, aber ich glaube, das will sie auch gar nicht sein. Als ich mit dem Buch begann, war ich von ihrem Stil recht angetan, doch im zweiten Teil des Buches gibt es einen überraschenden Twist, an sich ok, aber zu sehr in die Länge gezogen und zäh. Teilweise auch unglaubwürdig, doch darüber will ich mich nicht streiten, die menschliche Psyche ist halt komplex und ich bin keine Psychologin.
Kurz zum Inhalt: Eine junge Frau wird von einem Psychopathen entführt, der mit ihr durch Europa reist und unterwegs munter Mädchen ermordet.
Wie gesagt, ich bin zwiegespalten: Ein interessantes, aber nicht ganz rundes Leseerlebnis.
Hier Frau Dorn dazu (Achtung: Spoiler!):

Dorn bei YouTube

Herr Tourette und ich von Pelle Sandstrak

Auch hier das Thema Psychologie, nur diesmal wirklich autobiographisch: Bei Pelle Sandstrak entwickelt sich in der Schulzeit ein Tourette-Syndrom, gepaart mit vielen Zwangshandlungen, die mit den Jahren immer stärker und zahlreicher werden.  Leider war das Krankheitsbild zu dieser Zeit in Schweden noch nicht sehr bekannt und er durchläuft erfolglos ein paar halbherzige Psychotherapien, bleibt also mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Die Krankheit wird immer extremer und für viele Tätigkeiten, wie z.B. eine Türschwelle übertreten, duschen, auf die Toilette gehen, für die ein „normaler Mensch“ (im Buch auch „die Normalvariante eines Menschen“ genannt), ein paar Minuten braucht, benötigt er oft einen halben Tag oder noch länger. Bis seine Erkrankung endlich erkannt und therapiert wird, vergehen viele Jahre, in denen er aus etlichen Jobs gefeuert wurde, immer weniger Kontakte zu anderen Menschen hatte, zeitweise Obdachlos war und abgrundtief verzweifelt.
Pelle Sandstrak erzählt seine Geschichte sehr mitreissend und mit einer guten Portion Humor und Selbstironie. Toll!

… muss Johannes Cabal für den Höllenfürsten sammeln, um seine eigene zurückzubekommen, die er einst im Dienste seiner Forschung verkauft hatte. Satan geht auf die Wette ein und stellt ihm sogar einen Jahrmarkt plus etwas Magie zur Verfügung, um auf Seelenfang zu gehen. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht und ein Jahr sehr schnell vorüber…

Meine Befürchtung, dass es sich bei „Johannes Cabal – Seelenfänger“ von Jonathan L. Howard (tolles Cover!) wieder um einen überdrehten Fantasy-Klamauk handeln könnte, verflüchtigte sich gleich auf den ersten Seiten: Wohltuend trockener Schwarzer Humor und intelligenter Wortwitz führen den Leser durch die durchdachte und spannende Geschichte! Interessant fand ich, dass die Hauptfigur nicht um die Sympathie des Lesers buhlt, aber man doch mitfiebert, und spätestens im letzten Viertel ist man sehr zwiegespalten, auf welcher Seite man steht. Der Autor meistert diesen Balanceakt sicher und löst ihn am Ende perfekt auf (obwohl es um einen Toten wirklich schade war, von dem ich gern noch mehr gelesen hätte).

Bis auf einen kleinen Cliffhanger ist der erste Teil der geplanten Trilogie in sich abgeschlossen und absolut empfehlenswert: Eine großartige düstere Fantasy-Geschichte mit einer Extraportion Schwarzem Humor, von der ich mir wünsche, dass Tim Burton sie verfilmt!

Allen Verschwörungstheoretikern sei versichert, es ist wirklich nur ein Zufall, dass es wieder genau 23 Bücher sind, die sich zwischenzeitlich angesammelt haben. ;-)

Da einige der folgenden Romane noch nicht im Handel erschienen sind, darf ich aus rechtlichen Gründen nur wenig darüber schreiben.

Los geht’s:

1. „Die Brautprinzessinvon William Goldmann
(meine Ausgabe war allerdings diese)
Die Brautprinzessin wartete schon seit Jahren in einem Stapel auf ihren großen Auftritt, nun war es endlich soweit, und es entpuppte sich als ein sehr überraschendes Buch! Ähnlich wie bei Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist der Text zweifarbig und besteht aus einem „realen“ und einem „gelesenen“ Teil. Goldmann fasst ein (fiktives) Märchen zusammen und lässt alle langweiligen Szenen (wie zum Beispiel einen Umzug) einfach weg. Der Roman sprüht vor Wortwitz und überraschenen Wendungen – toll!

2. „Das Kind von Sebastian Fitzek
Bei den Thriller von Fitzek gilt immer: Mindestens einen halben Tag Zeit im Rücken haben, bevor man die erste Seite aufschlägt! Ich hab bisher für keinen seiner Romane länger als 1-2 Tage gebraucht (nur widerwillig unterbrochen für Arbeit, Schlaf und Nahrungsaufname), auch hier jagt ein Cliffhanger den nächsten und man brennt begierig auf Auflösung. Kurz zum Inhalt: Ein Junge glaubt fest daran, in einem früheren Leben Menschen umgebracht zu haben und kann sogar sagen, wo die Leichen liegen. Und dort werden auch welche gefunden… Mordsmässig spannend!

3. „Das Geheimnis der 100 Pforten von N. D. Wilson
Ein solides Jugendbuch: Henrys Eltern sind verschollen und er kommt bei seinem Onkel (die interessanteste Figur des Buches) und dessen Familie unter. In seinem Zimmer entdeckt er hinter der Tapete lauter Türen, hinter denen sich andere Welten befinden. Die Sprache ist recht einfach gehalten, die Handlung ist, bis auf ein paar Längen, spannend.

4. „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeetvon Alan Bradley
Was für eine Perle! Es war Liebe auf den ersten Blick, dieses wunderbare Cover hat mich sofort verzaubert, und der Inhalt erst… verdammt gut, von der ersten bis zur letzten Seite! Kaufen, genießen und auf die Fortsetzung lauern!
Flavia ist 11 Jahre alt und wohnt mit ihren beiden älteren Schwestern und ihrem Vater in einem englischen Dorf in den 50er Jahren. Sie ist etwas altklug, sehr schlau, leidenschaftliche Giftmischerin und neugierige Hobbydetektivin. Eines Morgens entdeckt sie im Garten eine Leiche. Ihr Vater kommt als Verdächtiger ins Gefängnis. Nun ist es an ihr diesen Fall aufzulösen.
Der erste (zum Glück abgeschlossene) Teil einer neuen Reihe und Alan Bradley wurde auf der Basis eines einzigen Kapitels mit dem Dagger Award ausgezeichnet. Absolut gerechtfertigt, absolut genial!

5. „Blankets von Craig Thompson
Nach der Testosteron-Graphic-Novel zu Kings Turm meine zweite Berührung zu dieser Gattung, ein gewagtes Geschenk, doch diesmal hat auch mich diese andere Art der Literatur total begeistert! Eine Liebesgeschichte, so real, so nah erzählt, das Zusammenspiel der Worte und Zeichnungen war wirklich ein absolut großartiges Gesamterlebnis! Danke! :-)

6. „Das Haus der vergessenen Kindervon Christopher Ransom
Eine solide und stimmungsvolle Geisterhausgeschichte, die man aber nicht gelesen haben muss.

7. „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis von Pseudonymous Bosch
Und das war es in meinem Falle wirklich: Auf dem Leseexemplar, dass ich in die Hände bekam, stand nichts außer dem Titel. Und es entpuppte sich als wunderbares und spannendes Jugendbuch!

8. „Splitter von Sebastian Fitzek
Wieder ein klassischer Cliffhanger-Lesesuchtverursachender-Fitzek, nur war ich diesmal von der Auflösung enttäuscht.

9. „Dämonenhunger von Timothy Carter
Dies ist die Geschichte der Vernichtung der Welt. Es ist eindeutig keine Geschichte über irgendeinen Helden, der den Weltuntergang verhindert, obwohl natürlich Helden und Bösewichte darin vorkommen, ebenso wie phantastische Geschöpfe und Magie. Nicht zu vergessen Schlachten, Niederlagen und Siege. Doch freue dich nicht zu früh, liebe Leser. Dieses Buch wird trotzdem mit dem Untergang unserer guten alten Mutter Erde enden. Das Spiel wird nicht in letzter Minute abgepfiffen, es gibt keine schicksalshafte Kehrtwende und auch keinen überraschenden Schlussgag à la >Puh, das war jetzt aber knapp<.“ (S. 9)
Wer Autoren wie Christopher Moore oder Terry Pratchett mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Witziger und wilder Lesespaß, garantiert!

10. „Einfach losfahren von Fabio Volo
Dieses Buch sollte man allen armen pseudointellektuellen suchenden Coelho-Lesern in die Hand drücken: Hier, wenn ihr schon sowas braucht, nehmt doch gleich was richtig Gutes!
Ein feiner und schlauer Roman über das Leben und die Sinnsuche, intelligent und lebendig geschrieben, der sich nur im letzten Viertel etwas zu sehr im Kreis dreht.

11. „Die Dramaturgie des Tötens von Jincy Willett
Sehr spannender Thriller über eine Schreibgruppe mit einem äußerst bösartigen Teilnehmer. Erscheint im November.

12. „Alterra – Die Gemeinschaft der Dreivon Maxime Chattam
Diesen Jugendroman hab ich an einem Tag verschlungen! Er hat mich an „Die dreibeinigen Herrscher“ erinnert, weniger wegen der Story, wohl aber wegen der ähnlich spannenden Stimmung: Alle Erwachsenen sind über Nacht verschwunden oder haben sich in brutale Wesen verwandelt. Die Kinder und Jugendlichen sind nun auf sich selbst gestellt und nichts ist mehr, wie es mal war…
Großartig geschrieben! Gemein war nur das sehr offene Ende (und nun die Frage, wann der nächste Teil wohl erscheinen wird).

13. „Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells
Erscheint erst Ende des Monats, daher nur soviel: Spannend, überraschend, gut!

14. „City Of Glass – Chroniken der Unterwelt 3 von Cassandra Clare
Ich war wieder schwer begeistert und traurig, dass die Trilogie nun abgeschlossen ist…

15. „Eine Insel von Terry Pratchett
Mal ein ganz anderer Pratchett – inwieweit seine Krankheit zu diesem vergleichsweise ruhigem philosophischen Roman beigetragen hat, kann man nur spekulieren. Nicht das sich die Alzheimererkrankung an sich bemerkbar macht, nein, es sind die großen Fragen über das Leben und den Tod, die hier so ins Gewicht fallen. Eine Naturkatastrophe (eine große Welle) überschwemmt eine Insel und alle Bewohner sterben. Nur ein Junge überlebt. Und ein Mädchen strandet, nach einem Schiffbruch, auf der Insel. Leider sprechen die beiden nicht die gleiche Sprache und haben eine sehr unterschiedliche Kinderstube genossen…
Anders als seine Scheibenweltromane, doch auf jeden Fall sehr lesenswert!

16. „Für Uwe von Christian Ulmen
Was der Horst Schlämmer bei Hape Kerkeling ist, ist der Uwe Wöllner bei Christian Ulmen. Und Uwe hat ein autobiographisches Buch geschrieben. Über den Tod seiner Mutter, seinen Job im Beerdigungsinstitut, die erste eigene Wohnung und die Liebe. 100% Uwe: Schräg, witzig, und irre unterhaltsam!

17. „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers von Jürgen Kuttner
Kuttners berühmte Videoschnipselvorträge in Buchform: Großartig! (Hoffentlich folgt auch mal eine DVD!)
Hier übrigens ein tolles Fundstück von 1994, wo im ORB eine Art „Sprechfunk-Blue Moon“ (der leider seit 2007 Dienstags ohne ihn stattfindet) mit dem Namen „Null Uhr Kuttner“ lief:

Null Uhr Kuttner auf YouTube

18. „Trigger von Wulf Dorn
Da auch dieser Thriller noch nicht erschienen ist, ultrakurz: Extrem spannender Psychothriller! Sehr geeignet für Fitzek-Anhänger!

19. „Der Simulant von Chuck Palahniuk
Nun hab ich ihn komplett, alle Romane von Palahniuk, die in Deutschland erschienen sind. Dieser wurde übrigens letztes Jahr unter dem Originaltitel „Choke“ verfilmt ( hab ihn noch nicht gesehen).
Wie immer ein verstörendes Bild der amerikanischen Gesellschaft – bitterböse, rabenschwarz, empfehlenswert!

20. „Haut von Mo Hayder
Erscheint erst im November. Daher auch hier nur ganz kurz: Wieder ein absolut fesselnder Thriller!

21. „Ich, John von Peter Murphy
Ein eher düsteres Drama: John wächst allein mit seiner religiösen Mutter in einem kleinen irischen Dorf auf. Sein größtes Interesse gilt Würmern. Erst in dem etwas älteren Jamey findet er einen Freund. Und dann passiert etwas, was die Leben der beiden Jungen komplett aus den Angeln reisst. Äußerst stimmungsvolle Geschichte über Freundschaft und die Mutter-Sohn-Beziehung, doch es hätten ein paar Würmer weniger vorkommen können.

22. „Vampir von John Marks
Ich hatte gezögert, bevor ich zugriff; Vampirromane überschwemmen momentan den Büchermarkt, der Großteil ist Schund. Doch dieser hier war ein echter Glücksgriff! Eine dichte Stimmung, der Bram-Stoker-Vergleich vom Klappentext ist keine Übertreibung, hier gibt es einen lupenreinen Stil (klassisch und zeitgenössisch zugleich), eine durchweg spannende Story, eine geschickte Mischung aus Tagebucheinträgen und E-Mails verschiedener Figuren. Was mich allerdings ein wenig geärgert gewundert hat: Die Hauptfigur, eine TV-Produzentin, die nach Rumänien reist, um dort einen mysteriösen Unterweltboss zu treffen, heißt mit Nachnamen Harker, und obwohl die gängigen Dracula-Klischees erwähnt werden, wird noch nicht mal selbstironisch darauf eingegangen, dass bei Stoker auch einst ein Harker in die Kaparten reiste, um einem unheimlichen Mann zu begegnen.
Doch bei dieser Korinthenkackerei soll es bleiben, sonst war ich schwer begeistert!

23. „Ein strahlend schöner Morgen von James Frey
Der Hauptdarsteller dieses Buches ist eindeutig Los Angeles. Ein ganz besonderes Porträt dieser, in vieler Hinsicht, besonderen Stadt. Ein Episodenroman, der die Geschichten einiger Einwohner erzählt, so nah, so packend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dazwischen immer wieder Daten, Aufzählungen und Informationen über Los Angeles. Absolut Empfehlenswert!

Gleich zwei neue Romane von Chuck Palahniuk stehen an:

Im August 2009 „Bonsai“ über einen Schläfer, der sich in die Tochter des „Feindes“ verliebt, und im März 2010 folgt „Fratze„, ein älterer Roman, zum ersten Mal in deutscher Übersetzung, über eine entstellte Frau.

Schauen wir mal!

Und ich habe mich jetzt endlich an die neuen Rezensionen gemacht. Bisher sind es 11… mal gucken, wieviele es sein werden, wenn ich endlich fertig bin… ;-)
Aber Wetter und Arbeit rauben momentan Lust und Konzentration.
Im Augenblick lese ich „Das Buch ohne Namen“ von Anonymus. Es war Liebe auf den ersten Blick! Im Klappentext heißt es „So abgedreht wie Douglas Adams, so blutig wie Tarantino“. Das trifft es ziemlich gut. Wobei mir auch noch Christopher Moore (in Hochform) in den Sinn kommt. Eine sehr schräge Geschichte mit vielen Toten, viel Blut, viel schwarzem Humor und vielen Überraschungen. Da tauchen Mönche in einer Western-Kulisse auf, da gibt es einen magischen Stein und Vampire,  einen Killer, der nicht nur Elvis heißt, sondern auch so aussieht, ein Diebespärchen auf der Flucht, recht eigenwillige Cops, einen geheimnisvollen Unbekannten und noch so einiges mehr. Ein wilder Pageturner, der richtig Spaß macht!
Übrigens soll der Roman zuerst in Großbritannien im Selbstverlag erschienen sein und hat dann über den Erfolg im Internet den Weg zum großen Verlag gefunden.

Im Urlaub hab ich mir nun den vierten und letzten Teil von Frau Meyers Biss-Reihe vorgenommen. Ich hab ja die wildesten Sachen über dieses Buch gehört, sogar von Orgien und weiteren nicht jugendfreien Inhalten war die Rede. Öhm… hab ich das falsche Buch gelesen? Natürlich kamen die beiden jetzt endlich zur Sache, immerhin mittlerweile verheiratet, aber da wurde immer ganz keusch weggeblendet. Es war zwar von leidenschaftlich zerrissenen Klamotten und ein paar körperlichen Blessuren die Rede, ein Kind ist auch entstanden, doch alles nicht viel anstössiger als heutige Margarine-Werbung. Und der Beischlaf fand nur im Duett statt.
Zwischenzeitlich fand ich es ziemlich langweilig und insgesamt zu konfliktfrei. Das Buch hatte vier Themen. Das erste war die Hochzeit, die ganz fix vorüberging. Dann wurde in den Flitterwochen ein Kind gezeugt, auf das man dann, trotz stark verkürzter Schwangerschaft, sehr lange wartete. Vorher wurde Bella noch schnell zum Vampir gemacht, um die Geburt zu überleben, doch das eine Jahr, das ein normaler Neu-Vampir braucht, um sich an den Zustand zu gewöhnen und in dem der Frischling sehr unzurechnungsfähig ist, brauchte Bella nicht. Sie war sofort kontrolliert und vernünftig, konnte sogar ein paar Tage später schon ihrem Vater vor die Augen treten, ohne ihn beissen zu wollen. Das Kind war natürlich das zauberhafteste und intelligenteste Wesen, das sich die Welt vorstellen kann, kein Mutantenmonster. Und der Vampirclan, der die Schwangerschaft als ungeheuerlichen Tabu-Bruch ansah und sie alle killen wollte, auf dessen Ankunft man ewiglang vorbereitet wurde, ließ sich mit ein paar Wortwechseln und ein bisschen Magie besänftigen.
Außerdem wurde man den Eindruck nicht los, dass das ganze Buch mit der heißen Nadel gestrickt wurde. Die Figuren waren alle ziemlich eindimensional, hier und da Logikfehler (z.B. wurde andauernd betont, dass ein Vampir keinen Herzschlag hat, aber beim frischen Bella-Vampir „schlägt das Herz bis zum Hals“) und die vielen vielen Gäste/Zeugen, die dem Cullen-Clan beistehen wollen, wurden alle haarklein beschrieben, obwohl sie letztendlich keine besondere Rolle gespielt haben. Das war bisschen, wie stundenlang fremde Geburtstagsfeierfotos angucken.
Und am „Ende der Nacht“ ist Friede-Freude-Eierkuchen: Alle Vampire haben Frieden miteinander geschlossen, Vampire und Wölfe haben sich auch endlich lieb, Jakob ist nicht mehr hinter Bella her, sondern hinter ihrer Tochter, und Edward und er sind dicke Kumpel geworden. Und wenn sie nicht gestorben sind….

Doch ich will nicht nur meckern: Für junge Mädchen finde ich die ganze Reihe weiterhin empfehlenswert. Es ist zwar etwas heuchlerisch zu behaupten, man solle keinen Sex vor der Ehe haben, wie es hier zwischen den Zeilen rüberkommt, aber ein paar mehr Bücher und Filme (die Teenager ansprechen) mit einem Hauch Moral, viel Liebe und Romantik können in den heutigen Zeiten nicht schaden, wo viele Kinder bereits mit 12 Jahren von einem Bett ins nächste hopsen.

Zwar nicht ausschließlich, aber größtenteils auf dem Balkon gelesen. Danke, liebe Sonne! ;-)

Notizbücher von Raymond Chandler
Von Chandler kannte ich bisher nur ein paar Kurzgeschichten und weiß, dass er die Philip Marlowe-Reihe geschrieben hat. Aber ich mochte seine Kurzgeschichten und Notizen von Schriftstellern lese ich ohnehin gern. Das dünne Taschenbuch hat wirklich einiges zu bieten: Vorwort von Patricia Highsmith, drei Kurzgeschichten, Notizen, Skizzen, Essays und Titelideen.
Chandler war schon ein Großer, ein Wortmagier, immer wieder gibt es unglaublich geschmeidige Zeilen, die man sich wie Karamell auf der Zunge zergehen lassen muss. Z.B.: „Das Haus selbst war ein herrlicher Bau im traditionellen elisabethanischen Stil, rote, mit der Zeit dunkel gewordene Backsteine und dick mit Blei verglaste Erkerfenster. Fette Spinnen schliefen dahinter wie Bischöfe, und ihre Netze verhängten stellenweise das Glas, und schläfrig äugten sie heraus, wo einst habichtgesichtigte Dandys in geschlitzten Wämsern auf England hinausgeblickt hatten, unbefriedigt in ihren hitzigen Tagen von dessen klösterlichem Charme.“ (S. 29 – aus der Kurzgeschichte „Englischer Sommer“)

Die Hexen von Eastwick von John Update Updike
Wo nun kürzlich die Fortsetzung (Die Witwen von Eastwick) erschienen ist, fand ich es an der Zeit, mich dem ersten Teil zu widmen, den ich bisher nur als Film kannte.
Die Handlung (setze ich einfach mal als grob bekannt voraus) und besonders das Ende unterscheiden sich bei beiden Medien ein wenig. Updikes Stil war mir manchmal zu überladen und verquatscht, und, mir hat das Ende im Film besser gefallen. Doch insgesamt war es ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Unser allerbestes Jahr von David Gilmour
Wohl ein autobiographischer Roman, wenn man den Danksagungen Glauben schenken kann. Aber eigentlich total egal, denn es war ein Buch, das mir wirklich Spaß gemacht hat! David macht seinem lernfaulen Sohn einen unglaublichen Vorschlag: Er braucht nicht mehr zur Schule gehen, darf kostenfrei zu Hause wohnen bleiben, aber muss jede Woche mit seinem Vater drei Filme ansehen, die dieser ausgesucht hat. Natürlich schlägt Jesse sofort ein. Obwohl David manchmal leise Zweifel an seiner Idee kommen, ziehen die beiden es durch.
Ein wirklich schönes und warmes Buch über das Erwachsenwerden, Vater-und-Sohn-Beziehungen und über Filme. Zu vielen der angesehenen Filme gibt es interessante Anekdoten, Hintergrundwissen und Hinweise auf bestimmte Szenen. Toll!

Die Stadt der Diebe von David Benioff
Auch hier die Frage, ob es wirklich auf einer wahren Geschichte beruht; Im Vorwort erzählt David Benioff von einem Besuch bei seinen Großeltern und fragt diese nach ihrer Vergangenheit. Sein Großvater wird nun unser Ich-Erzähler und berichtet aus seiner Jugend in Leningrad. Im Winter 1942 ist Lew 17 Jahre alt, Kälte und Hunger beherrschen die belagerte Stadt. Er wird erwischt, als er einen toten deutschen Soldaten beklaut und landet zusammen mit dem charismatischen Soldaten Kolja, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat, im Knast. Statt der befürchteten Todesstrafe erhalten die beiden eine Chance: Sollten sie innerhalb einer Woche 12 Eier für die Hochzeitstorte der Tochter des NWKD-Offiziers besorgen, dürfen sie am Leben bleiben. Eine fast unmögliche Aufgabe…
Ein großartiger Roman! Eine abenteuerliche und  spannende Geschichte, grandios geschrieben, mit interessanten Figuren und einer dichten Atmosphäre, absolut empfehlenswert!

Nö, nix Illuminaten, nur Literaten (oder solche, die es gern wären).

Seit meinem letzten Rezi-Report ist eine ganze Handvoll (Hier ist sie schon, die erste 5…) an Monaten ins Land gezogen. Bei der Menge werde ich mich kurz fassen. Los gehts:

1. Physic von Angie Sage
Die herrliche Jugendbuch-Reihe um den Zauberlehrling Septimus Heap geht in die dritte Runde und kann locker mit den beiden Vorgängern (Magyk und Flyte) mithalten. Diesmal befreit der Vater von Septimus versehentlich den Geist einer grausamen Königin, die schon einige Jahrhunderte darauf wartet, ihre bösartigen Pläne in die Tat umzusetzen. Toll!

2. Snuff von Chuck Palahniuk
Der ganze Roman spielt an einem Tag in einem Wartezimmer. In diesem Wartezimmer warten 600 Männer darauf mit einer Frau einen Rekord zu brechen: Der nicht mehr ganz so junge Porno-Star Cassie Wright will an einem Tag vor laufender Kamera mit 600 verschiedenen Männern Sex haben, was sie allein aus medizinischer Sicht wohl nicht überleben wird.
Unter den Wartenden ein junger Mann, der sich sicher ist, ihr Sohn zu sein.
Ein recht dünner und unterhaltsamer Roman, mit sehr viel weniger Sexszenen, als man vermuten würde, im gewohnten Palahniuk-Stil. Mir hat er wieder besser gefallen als sein letzter Roman Das Kainsmal.

3. Das Böse in uns von Cody McFadyen
Nach Die Blutlinie und Der Todeskünstler der dritte Teil mit der FBI-Agentin Smoky Barrett. Leider der bisher schwächste. Waren die beiden ersten Teile außerordentlich spannend, war dieser hier gerade mal mittelmäßig. Die Szene, die auf dem Klappentext beschrieben wird, gibt es im ganzen Buch nicht, die Story plätschert streckenweise nur so vor sich hin, und wirkt oftmals mehr wie ein langatmiger Brief, in dem auch ausführlich erzählt wird, was in den beiden ersten Romanen passierte, obwohl es für diese Handlung nicht wichtig war.
Nicht für Einsteiger in die Reihe geeignet (die anderen sind bedeutend besser!). Es bleibt die Hoffnung, dass mit dem vierten Band die Qualitätskurve wieder nach oben steigt!

4. Dieses Buch wird ihr Leben retten von A. M. Homes
Dieses Buch wurde mir mehrfach von Kunden empfohlen. Der Titel ist ungewöhnlich, das Buch nicht so sehr. Eine nette Geschichte über einen Mann, der sich selbst vom Leben ausgesperrt hat und nach einem eingebildeten Herzinfarkt wieder dorthin (und damit auch zu sich selbst) zurückfindet. Teilweise lustig und unterhaltsam, teilweise etwas übertrieben, manchmal etwas kitschig und unrealistisch. Insgesamt: Ganz nett.

5. Sunset von Stephen King
Ein neuer King, ein neuer King! Aber leider ist er hier den Jubel nicht so ganz wert. Seine Kurzgeschichten reichen sehr oft einfach nicht an die Qualität seiner richtigen Romane. So auch bei Sunset. Ein paar gute, ein paar weniger gute Storys, aber ein Muss nur für echte Fans.
(Vielleicht sollte er in Sachen Kurzgeschichten bei seinem Sohn ein paar Nachhilfestunden nehmen…)

6. Gewebte Welt von Clive Barker
Siehe hier oder scrolle etwas runter.

7. Eine Handvoll Venus von Frederik Pohl / Cyril M. Kornbluth
Eine interessante Satire aus den 50ern über die heutige Welt, in der die Werbeindustrie und große Konzerne mächtiger als die Politik sind. Manche Visionen der Autoren lassen einen amüsiert grinsen, doch sie haben auch erschreckend viele Nägel auf den Kopf getroffen. Eine spannende Geschichte mit Intrigen, Verschwörungen und dem Kampf mit dem Gewissen. Unterhaltsam!

8. American Gods von Neil Gaiman
Nun war es höchste Zeit, auch endlich zu diesem Geburtstagsgeschenk zu greifen – und es hat sich gelohnt! Gaiman hatte mich schon vor Jahren mit Niemalsland begeistert und es auch hier geschafft!
Shadow nimmt nach einem Gefängnisaufenthalt einen Job als Bodyguard bei Mr. Wensday an. Es stellt sich bald heraus, dass sein neuer Arbeitgeber niemand geringerer als die Gottheit Odin ist. Und er ist nicht der einzige Gott, der sich in Amerika gelandet ist und darunter zu leiden hat, dass die Zahl der Gläubigen in den Keller gesunken ist. Shadow soll ihnen aus der Misere helfen.
Spannend, amüsant, philosophisch und skurril! Den zweite Band Anansi-Boys konnte ich zum Glück auch schon auftreiben. Lesen!

9. Blutportale von Markus Heitz
Ein neuer Horror-Thriller vom Herrn Heitz. Diesmal sehr blutig und rasant! Doch mit meinem Favoriten von ihm, Kinder des Judas, kann er leider nicht ganz mithalten. Dennoch ausserordentlich spannender Pageturner mit dem Villa-Sitter und Blumenhändler Will und der Star-Fechterin Saskia, die in einen dämonischen und vor allem blutigen Sog geraten. Mit einigen Gastauftritten von Figuren seiner anderen Romane. Gut und spannend!

10. Scientology von Frank Nordhausen / Liane von Billerbeck
Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will. So der Untertitel. So der Plan von Scientology. Ein sehr aktuelles Buch über die Sekte: Ihre Entstehung, ihr Aufbau, ihre Mittel, ihre Ziele. Spannend wie ein Krimi, nur erschreckend real. SEHR empfehlenswert!

11. Das Leben geht weiter von Matthias Keidtel
Der zweite Holm-Roman von Keidtel. Den ersten kenne ich nicht, so steige ich also unvorbereitet in Holms geregeltes Leben ein. Mit fast 40 wohnt er wieder bei seinen Eltern, ist arbeitslos und führt ein recht ruhiges Leben in Berlin/Rudow. Doch so ganz zufrieden ist er nicht. Da muss was passieren. Er entschließt sich, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen und landet auf dem Weg nach Frankreich (auf der Suche nach Samen für seine geplante Reinhardt-Mey-Rosen-Zucht) in Berlin/Mitte. Erst  erkundet er als Tourist seine unbekannte Heimat Berlin, plötzlich arbeitet er als Angestellter in einem Strip-Club und verliebt sich…
Hhm, in den ersten Kapiteln gefiel mir der Stil noch ganz gut, aber irgendwann ging mir die Holm’sche Langsamkeit und Weltfremdheit etwas auf die Nerven. Ok, aber nicht ganz mein Ding.

12. Zwischen zwei Träumen von Selim Özdogan
Ein Roman mit Traumstimmung. Eine Realität, in der Träume legale (natürlich gibt es auch illegale) Kosumgüter sind.
Nesta hat einen großen Traum: Er möchte ein Star-Träumer werden. Einer, der mit seinen Träumen (die von den Konsumenten in Tropfenform genommen werden) richtig viel Geld verdient und berühmt ist. So wie Tedeisha, die er bei einem Vorträumen kennenlernt. Doch plötzlich sind Tropfen im Umlauf, von denen die Menschen nicht mehr aufwachen.
Interessant, intelligent, philosophisch, traumhaft. Nur manchmal etwas verwirrend (wie Träume halt auch sind). Gut!

13. Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt von Collin McMahon
Herrlich! Ein Comic-Roman, den man leider schon in einer Stunde durch hat. Für jeden Menschen ab 10 ein absolut empfehlenswerter Spaß! Wir lesen das Tagebuch von Greg, handgeschrieben mit vielen Comic-Zeichnungen darin (daher „Comic-Roman“). Er lässt uns teilnehmen an den Abenteuern und Qualen seines Schul- und Familienalltags. LESEN! (Auch bestens für alle geeignet, die sonst nicht gern lesen – mir haben schon zwei Mütter begeistert berichtet, dass sie mit Gregs Tagebüchern ihre absolut lesefaulen Söhne zu wahren Leseratten therapiert haben! ;-) )

14. Terror von Dan Simmons
Dan Simmons hat es schon einige Male geschafft, mich zu begeistern. So auch hier: Ein dicker Eisberg von einem Roman, der sehr gut zum frostigen Jahresbeginn passte. Halb auf historischen Fakten beruhend, halb fiktiver mystischer Horror, für all das, wofür es keine wahren Belege gab. Zum zweiten Mal machte ich hier die Bekanntschaft mit Sir John Franklin (vor Jahren habe ich Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny gelesen), doch dieses Mal geht es nur um seine letzte Fahrt, dem Versuch als Erster die Nordwestpassage zu durchsegeln, eine Expedition, die niemand überleben sollte. Beide Schiffe saßen für Jahre im Eis fest, weit ab von jeder Zivilisation und mit zu wenig Nahrung. Und dann ist da auch ein riesiges mysteriöses Wesen…
Man spürt die Kälte, die kaustophobische Enge auf den beiden Schiffen, die Hoffnung, später die Hoffnungsloskeit und das Grauen. Angenehm fand ich, dass die Geschichte aus mehreren Sichten erzählt wird, etwas verwirrend fand ich manchmal die Zeitsprünge der Kapitel. Insgesamt ein wirklich großartiger Schmöker!

15. Komm zurück, mein dunkler Bruder von Jeff Lindsay
Der dritte Dexter-Band. Aber der erste, den ich gelesen habe. Den ersten Teil kenne ich vom Hörbuch – Des Todes dunkler Bruder (sehr hörbar!) und der großartigen TV-Serie (deren erste Staffel noch sehr nah an der Buchvorlage war), den zweiten nur als Fernsehserie – die sich allerdings nur ganz grob an den zweiten Roman gehalten hat, wie ich merken musste. Um die Wartezeit zur dritten Staffel zu verkürzen, griff ich nun zum neuen Buch. Hhm. Ein paar Wissenslücken schmälerten das Lesevergnügen, und Dexters Problem, dass sein sonst wohl sehr aktiver dunkler Passagier verstummt war. Überhaupt die Tatsache, dass da von einem „Dunklen Passagier“ in seinem Kopf die Rede war, als eine Art uraltem Wesen, das sich dort eingenistet hat. Der TV-Dexter hat so gar nix mit Mystik am Hut und die Stimme aus dem Off ist dort halt seine eigene. Beim ersten Hörbuch fiel das nicht so ins Gewicht, da kam es nur am Rande vor. Und, dass die Kinder seiner Freundin Rita ebenfalls diese „Veranlagerung zum Töten“ im Blut haben war mir vollkommen neu. Ich hoffe sehr, dass wird nicht für die TV-Serie übernommen. Auch der trockene schwarze Humor kam im TV besser rüber.
Von all dem abgesehen war es ein netter Pageturner, den man gut an einem Tag schaffen kann.

16. Das Aquarium von Thommie Bayer
Warum auch immer, ich werde mit den Romanen von Herrn Bayer nicht warm. Da habe ich hiermit schon den Roman gewählt, von dem die meisten schwärmen, aber auch diesmal will sich keine recht Begeisterung einstellen.
Nach einem Unfall, bei dem seine (fast-)Freundin stirbt, igelt sich Barry zu Hause ein und verbringt seine Zeit damit, seine neue Nachbarin zu beobachten, die im Rollstuhl sitzt. Übers Internet nehmen die beiden irgendwann Kontakt auf.
Also bei mir flog da kein Funke.

17. Die Stunde, in der ich zu glauben begann von Wally Lamb
Den Titel finde ich etwas misslungen. Zu kitschig. Es klingt zu sehr nach Religion, um die es nur ganz nebensächlich geht.
Auch wenn es schon einige Jahre her ist, dass ich seine anderen beiden Romane gelesen habe, denke ich, dass die mir einen Tick besser gefallen haben. Hier hätte auf einige Seiten verzichtet werden können. Ich war beinahe froh, als ich endlich durch war, obwohl er einen wirklich angenehmen Stil hat und das Thema sehr spannend war. Und in meinem Falle auch etwas gruselig: Während ich nun hier über das Drama von Columbine las, passierte der Amoklauf in Winnenden.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Caelum, einem Lehrer der Columbine High School erzählt. An diesem schicksalshaften Tag hat er aufgrund eines Todesfalls in der Familie frei. Doch seine Frau Maureen, die als Krankenschwester in der Schule arbeitete, erlebt das alles hautnah mit. Versteckt in einem Schrank. Natürlich hinterlässt dieses Erlebnis seine Folgen: Ein schweres Trauma, Depressionen und Psychosen. Kaum hat sie sich einigermaßen wieder aufgerappelt, passiert der nächste Schock. Sie landet im Gefängnis, die Anklage lautet Mord.
Gleichzeitig arbeitet er eher unfreiwillig die Geschichte seiner eigenen Vergangenheit und die seiner Familie auf, die es ebenfalls in sich hat und viele Fragen aufwirft.
Ein spannendes Drama, sehr einfühlsam und wenig gefühlsduselig. Und es zeigt, welche Wellen die unglaublichen Taten von jugendlichen Amokläufern schlägt. Gut!

18. Glück kommt selten allein von Eckard von Hirschhausen
Ja, Glück kann man kaufen! Dr. Hirschhausen zeigt es uns mit seinem zweiten Buch, das wirklich Spaß macht, voller weiser (und wissenschaftlich erwiesener) Ratschläge, Erkenntnisse, Witzen und wahren Geschichten. Zum immer wieder lesen und sich wohl fühlen! Toll!

19. Rollende Steine von Terry Pratchett
Jawohl, es geht um Musik! Um die ultimative Band in Ankh-Morpork: Die „Band mit Steinen drin“.  Wie diese ungewöhnliche Band entstand und was an ihr so besonders ist, und, warum der TOD zur Fremdenlegion geht und seine Enkelin Susanne seinen Job übernehmen muss, solltet Ihr besser selbst lesen! Aber flott!

20. Bis(s) zur Mittagsstunde von Stephenie Meyer
Ja, auch ich habe es gelesen. Den ersten Teil vor fast zwei Jahren, aber nun dachte ich doch, es wäre mal an der Zeit, zu lesen, wie es weitergeht. Nett und zum Glück weniger kitschig als erwartet.

21. Leichenblässe von Simon Beckett
Der dritte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Auch hier ist es von Vorteil, die vorhergehenden Romane zu kennen, aber nicht zwingend notwendig. Dieses Mal ist er zu Besuch bei einem Kollegen in den USA auf einer Bodyfarm. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, dessen Opfer schon nach kurzer Zeit extreme Verwesungsmerkmale vorweisen.
Wieder ein sehr spannender Pageturner!

22. Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer
Mit kurzer Unterbrechung habe ich also gleich zum dritten Teil gegriffen. Bisher der schwächste Band, wie ich fand. Natürlich gibt es einige recht spannende Nebenhandlungen, aber in der Hauptsache versichern sich die beiden Hauptfiguren ständig ihre Liebe („Ich liebe Dich!“ – „Ich liebe Dich noch viel mehr!“ – „Nein, ich liebe Dich noch vieeeeel meeeehr!“ – Sinngemäß wiedergegeben), was mich irgendwann total genervt hat. (Aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe)
Mit ein wenig Pause werde ich mir dann irgendwann mal den vierten und letzten Teil geben, in dem es dann endlich richtig und nicht jugendfrei zur Sache gehen soll! ;-)

23. Mängelexemplar von Sarah Kuttner
Nun also auch Fräulein Kuttner. Aber doch: Ein absolut gelungenes Debüt!
Ihre junge Ich-Erzählerin Karo leidet unter Depressionen und Panikattaken. Alles beginnt, als ihr der Job gekündigt wird und sie ihrem Freund die Beziehung kündigt. Und ihn dann doch vermisst. Plötzlich fühlt es sich an, als wäre ihr der Boden unter den Füßen weggerissen worden. Sie sucht sich eine Psychotherapeutin, doch damit ist es nicht getan, psychische Erkrankungen dauern bekanntlich etwas länger als eine Grippe.
Einfühlsam und rotzig, durchaus sehr lesenswert!

Es ist geschafft! Ich bin hier nun fast wieder auf dem Laufenden. Jede Menge dritte Teile waren diesmal dabei, wie mir jetzt auffällt. Allerdings haben die letzten sonnigen und freien Tage dafür gesorgt, dass ich nicht artig am Rechner saß und weitergeschrieben, sondern auf dem Balkon Sonne getankt und Bücher gefressen habe. Bald gibt es also wieder frische Rezi’s. ;-)

Ich habe fast einen ganzen Monat für Clive Barkers „Gewebte Welt“ gebraucht. Das gab es schon lange nicht mehr! Schuld daran war die Weihnachtssaison, die Zeit und Energie gefressen hat, so kam ich jeden Tag nur ein paar Seiten voran. Mittlerweile hab ich auch herausbekommen, unter welchem Titel es diesen Roman schon mal gab: „Gyre„. Ich weiß, ich hab das vor Jahren öfter mal in den Händen gehalten, aber nie gekauft, warum auch immer – wo ich doch damals alle seine Romane gefressen hab. Nun kann ich sagen: Der Preis für diese Taschenbuchausgabe ist mit 22,90 € extrem hoch (die andere kostete bestimmt 10 € weniger), aber das war es wert! Clive Barker ist einfach ein Meister, was den düsteren, phantastischen Horror betrifft und hat seinen eigenen unverkennbaren Stil, der sich schwer vergleichen lässt. Kaum einer versteht es wie er, solche komplexen Welten oder Dimensionen zu schaffen! Vielleicht war es für mich der falsche Zeitpunkt, ihn zu lesen, in stressigen Zeiten kommt leichte Kost in kleinen Dosen besser, dennoch hab ich jede Seite in der gewebten Welt genossen.
Worum es geht? Um einen Teppich, zu dem sich eine ganze magische Welt zusammengewoben hat, um sich vor der Menschheit und einer bösen Gottheit zu schützen. Doch als die Hüterin des Teppichs ins Krankenhaus kommt, gelangt der Teppich in die falschen Hände. Zwei Menschen, sie durch Vererbung, er durch Zufall, werden nun Teil diese Kampfes zwischen Gut und Böse, Realität und Phantasie, und in ihren Händen liegt auf einmal das Schicksal zweier Welten.
Großartig, grotesk, plastisch, phantastisch in jeder Hinsicht und skurril im besten Sinne – einfach ein richtig guter Barker!

- – - Nachtrag 20.02.09 – - -

Schande über mich: Vor ein paar Tagen beim Umräumen hatte ich plötzlich eine zerlesene „Gyre“-Ausgabe in der Hand. Vor etwa 15 Jahren werde ich es wohl doch schon mal gelesen haben…