Kategoriearchive: Rezensionen

Mädchenmörder: Ein Liebesromanvon Thea Dorn

Ich war es vor dem Lesen und bin es jetzt danach: Zwiegespalten. Es war mein erster Roman von Frau Dorn, die ich vorher nur aus Artikeln und aus dem Fernsehen kannte. Nach diesen ersten Eindrücken kein Mensch, mit dem ich gern mal plaudernd zusammen sitzen würde, für mich kommt sie sehr hart und kalt rüber, kein Sympathieträger, aber ich glaube, das will sie auch gar nicht sein. Als ich mit dem Buch begann, war ich von ihrem Stil recht angetan, doch im zweiten Teil des Buches gibt es einen überraschenden Twist, an sich ok, aber zu sehr in die Länge gezogen und zäh. Teilweise auch unglaubwürdig, doch darüber will ich mich nicht streiten, die menschliche Psyche ist halt komplex und ich bin keine Psychologin.
Kurz zum Inhalt: Eine junge Frau wird von einem Psychopathen entführt, der mit ihr durch Europa reist und unterwegs munter Mädchen ermordet.
Wie gesagt, ich bin zwiegespalten: Ein interessantes, aber nicht ganz rundes Leseerlebnis.
Hier Frau Dorn dazu (Achtung: Spoiler!):

Dorn bei YouTube

Herr Tourette und ich von Pelle Sandstrak

Auch hier das Thema Psychologie, nur diesmal wirklich autobiographisch: Bei Pelle Sandstrak entwickelt sich in der Schulzeit ein Tourette-Syndrom, gepaart mit vielen Zwangshandlungen, die mit den Jahren immer stärker und zahlreicher werden.  Leider war das Krankheitsbild zu dieser Zeit in Schweden noch nicht sehr bekannt und er durchläuft erfolglos ein paar halbherzige Psychotherapien, bleibt also mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Die Krankheit wird immer extremer und für viele Tätigkeiten, wie z.B. eine Türschwelle übertreten, duschen, auf die Toilette gehen, für die ein „normaler Mensch“ (im Buch auch „die Normalvariante eines Menschen“ genannt), ein paar Minuten braucht, benötigt er oft einen halben Tag oder noch länger. Bis seine Erkrankung endlich erkannt und therapiert wird, vergehen viele Jahre, in denen er aus etlichen Jobs gefeuert wurde, immer weniger Kontakte zu anderen Menschen hatte, zeitweise Obdachlos war und abgrundtief verzweifelt.
Pelle Sandstrak erzählt seine Geschichte sehr mitreissend und mit einer guten Portion Humor und Selbstironie. Toll!

… muss Johannes Cabal für den Höllenfürsten sammeln, um seine eigene zurückzubekommen, die er einst im Dienste seiner Forschung verkauft hatte. Satan geht auf die Wette ein und stellt ihm sogar einen Jahrmarkt plus etwas Magie zur Verfügung, um auf Seelenfang zu gehen. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht und ein Jahr sehr schnell vorüber…

Meine Befürchtung, dass es sich bei „Johannes Cabal – Seelenfänger“ von Jonathan L. Howard (tolles Cover!) wieder um einen überdrehten Fantasy-Klamauk handeln könnte, verflüchtigte sich gleich auf den ersten Seiten: Wohltuend trockener Schwarzer Humor und intelligenter Wortwitz führen den Leser durch die durchdachte und spannende Geschichte! Interessant fand ich, dass die Hauptfigur nicht um die Sympathie des Lesers buhlt, aber man doch mitfiebert, und spätestens im letzten Viertel ist man sehr zwiegespalten, auf welcher Seite man steht. Der Autor meistert diesen Balanceakt sicher und löst ihn am Ende perfekt auf (obwohl es um einen Toten wirklich schade war, von dem ich gern noch mehr gelesen hätte).

Bis auf einen kleinen Cliffhanger ist der erste Teil der geplanten Trilogie in sich abgeschlossen und absolut empfehlenswert: Eine großartige düstere Fantasy-Geschichte mit einer Extraportion Schwarzem Humor, von der ich mir wünsche, dass Tim Burton sie verfilmt!

Allen Verschwörungstheoretikern sei versichert, es ist wirklich nur ein Zufall, dass es wieder genau 23 Bücher sind, die sich zwischenzeitlich angesammelt haben. ;-)

Da einige der folgenden Romane noch nicht im Handel erschienen sind, darf ich aus rechtlichen Gründen nur wenig darüber schreiben.

Los geht’s:

1. „Die Brautprinzessinvon William Goldmann
(meine Ausgabe war allerdings diese)
Die Brautprinzessin wartete schon seit Jahren in einem Stapel auf ihren großen Auftritt, nun war es endlich soweit, und es entpuppte sich als ein sehr überraschendes Buch! Ähnlich wie bei Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist der Text zweifarbig und besteht aus einem „realen“ und einem „gelesenen“ Teil. Goldmann fasst ein (fiktives) Märchen zusammen und lässt alle langweiligen Szenen (wie zum Beispiel einen Umzug) einfach weg. Der Roman sprüht vor Wortwitz und überraschenen Wendungen – toll!

2. „Das Kind von Sebastian Fitzek
Bei den Thriller von Fitzek gilt immer: Mindestens einen halben Tag Zeit im Rücken haben, bevor man die erste Seite aufschlägt! Ich hab bisher für keinen seiner Romane länger als 1-2 Tage gebraucht (nur widerwillig unterbrochen für Arbeit, Schlaf und Nahrungsaufname), auch hier jagt ein Cliffhanger den nächsten und man brennt begierig auf Auflösung. Kurz zum Inhalt: Ein Junge glaubt fest daran, in einem früheren Leben Menschen umgebracht zu haben und kann sogar sagen, wo die Leichen liegen. Und dort werden auch welche gefunden… Mordsmässig spannend!

3. „Das Geheimnis der 100 Pforten von N. D. Wilson
Ein solides Jugendbuch: Henrys Eltern sind verschollen und er kommt bei seinem Onkel (die interessanteste Figur des Buches) und dessen Familie unter. In seinem Zimmer entdeckt er hinter der Tapete lauter Türen, hinter denen sich andere Welten befinden. Die Sprache ist recht einfach gehalten, die Handlung ist, bis auf ein paar Längen, spannend.

4. „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeetvon Alan Bradley
Was für eine Perle! Es war Liebe auf den ersten Blick, dieses wunderbare Cover hat mich sofort verzaubert, und der Inhalt erst… verdammt gut, von der ersten bis zur letzten Seite! Kaufen, genießen und auf die Fortsetzung lauern!
Flavia ist 11 Jahre alt und wohnt mit ihren beiden älteren Schwestern und ihrem Vater in einem englischen Dorf in den 50er Jahren. Sie ist etwas altklug, sehr schlau, leidenschaftliche Giftmischerin und neugierige Hobbydetektivin. Eines Morgens entdeckt sie im Garten eine Leiche. Ihr Vater kommt als Verdächtiger ins Gefängnis. Nun ist es an ihr diesen Fall aufzulösen.
Der erste (zum Glück abgeschlossene) Teil einer neuen Reihe und Alan Bradley wurde auf der Basis eines einzigen Kapitels mit dem Dagger Award ausgezeichnet. Absolut gerechtfertigt, absolut genial!

5. „Blankets von Craig Thompson
Nach der Testosteron-Graphic-Novel zu Kings Turm meine zweite Berührung zu dieser Gattung, ein gewagtes Geschenk, doch diesmal hat auch mich diese andere Art der Literatur total begeistert! Eine Liebesgeschichte, so real, so nah erzählt, das Zusammenspiel der Worte und Zeichnungen war wirklich ein absolut großartiges Gesamterlebnis! Danke! :-)

6. „Das Haus der vergessenen Kindervon Christopher Ransom
Eine solide und stimmungsvolle Geisterhausgeschichte, die man aber nicht gelesen haben muss.

7. „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis von Pseudonymous Bosch
Und das war es in meinem Falle wirklich: Auf dem Leseexemplar, dass ich in die Hände bekam, stand nichts außer dem Titel. Und es entpuppte sich als wunderbares und spannendes Jugendbuch!

8. „Splitter von Sebastian Fitzek
Wieder ein klassischer Cliffhanger-Lesesuchtverursachender-Fitzek, nur war ich diesmal von der Auflösung enttäuscht.

9. „Dämonenhunger von Timothy Carter
Dies ist die Geschichte der Vernichtung der Welt. Es ist eindeutig keine Geschichte über irgendeinen Helden, der den Weltuntergang verhindert, obwohl natürlich Helden und Bösewichte darin vorkommen, ebenso wie phantastische Geschöpfe und Magie. Nicht zu vergessen Schlachten, Niederlagen und Siege. Doch freue dich nicht zu früh, liebe Leser. Dieses Buch wird trotzdem mit dem Untergang unserer guten alten Mutter Erde enden. Das Spiel wird nicht in letzter Minute abgepfiffen, es gibt keine schicksalshafte Kehrtwende und auch keinen überraschenden Schlussgag à la >Puh, das war jetzt aber knapp<.“ (S. 9)
Wer Autoren wie Christopher Moore oder Terry Pratchett mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Witziger und wilder Lesespaß, garantiert!

10. „Einfach losfahren von Fabio Volo
Dieses Buch sollte man allen armen pseudointellektuellen suchenden Coelho-Lesern in die Hand drücken: Hier, wenn ihr schon sowas braucht, nehmt doch gleich was richtig Gutes!
Ein feiner und schlauer Roman über das Leben und die Sinnsuche, intelligent und lebendig geschrieben, der sich nur im letzten Viertel etwas zu sehr im Kreis dreht.

11. „Die Dramaturgie des Tötens von Jincy Willett
Sehr spannender Thriller über eine Schreibgruppe mit einem äußerst bösartigen Teilnehmer. Erscheint im November.

12. „Alterra – Die Gemeinschaft der Dreivon Maxime Chattam
Diesen Jugendroman hab ich an einem Tag verschlungen! Er hat mich an „Die dreibeinigen Herrscher“ erinnert, weniger wegen der Story, wohl aber wegen der ähnlich spannenden Stimmung: Alle Erwachsenen sind über Nacht verschwunden oder haben sich in brutale Wesen verwandelt. Die Kinder und Jugendlichen sind nun auf sich selbst gestellt und nichts ist mehr, wie es mal war…
Großartig geschrieben! Gemein war nur das sehr offene Ende (und nun die Frage, wann der nächste Teil wohl erscheinen wird).

13. „Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells
Erscheint erst Ende des Monats, daher nur soviel: Spannend, überraschend, gut!

14. „City Of Glass – Chroniken der Unterwelt 3 von Cassandra Clare
Ich war wieder schwer begeistert und traurig, dass die Trilogie nun abgeschlossen ist…

15. „Eine Insel von Terry Pratchett
Mal ein ganz anderer Pratchett – inwieweit seine Krankheit zu diesem vergleichsweise ruhigem philosophischen Roman beigetragen hat, kann man nur spekulieren. Nicht das sich die Alzheimererkrankung an sich bemerkbar macht, nein, es sind die großen Fragen über das Leben und den Tod, die hier so ins Gewicht fallen. Eine Naturkatastrophe (eine große Welle) überschwemmt eine Insel und alle Bewohner sterben. Nur ein Junge überlebt. Und ein Mädchen strandet, nach einem Schiffbruch, auf der Insel. Leider sprechen die beiden nicht die gleiche Sprache und haben eine sehr unterschiedliche Kinderstube genossen…
Anders als seine Scheibenweltromane, doch auf jeden Fall sehr lesenswert!

16. „Für Uwe von Christian Ulmen
Was der Horst Schlämmer bei Hape Kerkeling ist, ist der Uwe Wöllner bei Christian Ulmen. Und Uwe hat ein autobiographisches Buch geschrieben. Über den Tod seiner Mutter, seinen Job im Beerdigungsinstitut, die erste eigene Wohnung und die Liebe. 100% Uwe: Schräg, witzig, und irre unterhaltsam!

17. „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers von Jürgen Kuttner
Kuttners berühmte Videoschnipselvorträge in Buchform: Großartig! (Hoffentlich folgt auch mal eine DVD!)
Hier übrigens ein tolles Fundstück von 1994, wo im ORB eine Art „Sprechfunk-Blue Moon“ (der leider seit 2007 Dienstags ohne ihn stattfindet) mit dem Namen „Null Uhr Kuttner“ lief:

Null Uhr Kuttner auf YouTube

18. „Trigger von Wulf Dorn
Da auch dieser Thriller noch nicht erschienen ist, ultrakurz: Extrem spannender Psychothriller! Sehr geeignet für Fitzek-Anhänger!

19. „Der Simulant von Chuck Palahniuk
Nun hab ich ihn komplett, alle Romane von Palahniuk, die in Deutschland erschienen sind. Dieser wurde übrigens letztes Jahr unter dem Originaltitel „Choke“ verfilmt ( hab ihn noch nicht gesehen).
Wie immer ein verstörendes Bild der amerikanischen Gesellschaft – bitterböse, rabenschwarz, empfehlenswert!

20. „Haut von Mo Hayder
Erscheint erst im November. Daher auch hier nur ganz kurz: Wieder ein absolut fesselnder Thriller!

21. „Ich, John von Peter Murphy
Ein eher düsteres Drama: John wächst allein mit seiner religiösen Mutter in einem kleinen irischen Dorf auf. Sein größtes Interesse gilt Würmern. Erst in dem etwas älteren Jamey findet er einen Freund. Und dann passiert etwas, was die Leben der beiden Jungen komplett aus den Angeln reisst. Äußerst stimmungsvolle Geschichte über Freundschaft und die Mutter-Sohn-Beziehung, doch es hätten ein paar Würmer weniger vorkommen können.

22. „Vampir von John Marks
Ich hatte gezögert, bevor ich zugriff; Vampirromane überschwemmen momentan den Büchermarkt, der Großteil ist Schund. Doch dieser hier war ein echter Glücksgriff! Eine dichte Stimmung, der Bram-Stoker-Vergleich vom Klappentext ist keine Übertreibung, hier gibt es einen lupenreinen Stil (klassisch und zeitgenössisch zugleich), eine durchweg spannende Story, eine geschickte Mischung aus Tagebucheinträgen und E-Mails verschiedener Figuren. Was mich allerdings ein wenig geärgert gewundert hat: Die Hauptfigur, eine TV-Produzentin, die nach Rumänien reist, um dort einen mysteriösen Unterweltboss zu treffen, heißt mit Nachnamen Harker, und obwohl die gängigen Dracula-Klischees erwähnt werden, wird noch nicht mal selbstironisch darauf eingegangen, dass bei Stoker auch einst ein Harker in die Kaparten reiste, um einem unheimlichen Mann zu begegnen.
Doch bei dieser Korinthenkackerei soll es bleiben, sonst war ich schwer begeistert!

23. „Ein strahlend schöner Morgen von James Frey
Der Hauptdarsteller dieses Buches ist eindeutig Los Angeles. Ein ganz besonderes Porträt dieser, in vieler Hinsicht, besonderen Stadt. Ein Episodenroman, der die Geschichten einiger Einwohner erzählt, so nah, so packend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dazwischen immer wieder Daten, Aufzählungen und Informationen über Los Angeles. Absolut Empfehlenswert!

Gleich zwei neue Romane von Chuck Palahniuk stehen an:

Im August 2009 „Bonsai“ über einen Schläfer, der sich in die Tochter des „Feindes“ verliebt, und im März 2010 folgt „Fratze„, ein älterer Roman, zum ersten Mal in deutscher Übersetzung, über eine entstellte Frau.

Schauen wir mal!

Und ich habe mich jetzt endlich an die neuen Rezensionen gemacht. Bisher sind es 11… mal gucken, wieviele es sein werden, wenn ich endlich fertig bin… ;-)
Aber Wetter und Arbeit rauben momentan Lust und Konzentration.
Im Augenblick lese ich „Das Buch ohne Namen“ von Anonymus. Es war Liebe auf den ersten Blick! Im Klappentext heißt es „So abgedreht wie Douglas Adams, so blutig wie Tarantino“. Das trifft es ziemlich gut. Wobei mir auch noch Christopher Moore (in Hochform) in den Sinn kommt. Eine sehr schräge Geschichte mit vielen Toten, viel Blut, viel schwarzem Humor und vielen Überraschungen. Da tauchen Mönche in einer Western-Kulisse auf, da gibt es einen magischen Stein und Vampire,  einen Killer, der nicht nur Elvis heißt, sondern auch so aussieht, ein Diebespärchen auf der Flucht, recht eigenwillige Cops, einen geheimnisvollen Unbekannten und noch so einiges mehr. Ein wilder Pageturner, der richtig Spaß macht!
Übrigens soll der Roman zuerst in Großbritannien im Selbstverlag erschienen sein und hat dann über den Erfolg im Internet den Weg zum großen Verlag gefunden.

Im Urlaub hab ich mir nun den vierten und letzten Teil von Frau Meyers Biss-Reihe vorgenommen. Ich hab ja die wildesten Sachen über dieses Buch gehört, sogar von Orgien und weiteren nicht jugendfreien Inhalten war die Rede. Öhm… hab ich das falsche Buch gelesen? Natürlich kamen die beiden jetzt endlich zur Sache, immerhin mittlerweile verheiratet, aber da wurde immer ganz keusch weggeblendet. Es war zwar von leidenschaftlich zerrissenen Klamotten und ein paar körperlichen Blessuren die Rede, ein Kind ist auch entstanden, doch alles nicht viel anstössiger als heutige Margarine-Werbung. Und der Beischlaf fand nur im Duett statt.
Zwischenzeitlich fand ich es ziemlich langweilig und insgesamt zu konfliktfrei. Das Buch hatte vier Themen. Das erste war die Hochzeit, die ganz fix vorüberging. Dann wurde in den Flitterwochen ein Kind gezeugt, auf das man dann, trotz stark verkürzter Schwangerschaft, sehr lange wartete. Vorher wurde Bella noch schnell zum Vampir gemacht, um die Geburt zu überleben, doch das eine Jahr, das ein normaler Neu-Vampir braucht, um sich an den Zustand zu gewöhnen und in dem der Frischling sehr unzurechnungsfähig ist, brauchte Bella nicht. Sie war sofort kontrolliert und vernünftig, konnte sogar ein paar Tage später schon ihrem Vater vor die Augen treten, ohne ihn beissen zu wollen. Das Kind war natürlich das zauberhafteste und intelligenteste Wesen, das sich die Welt vorstellen kann, kein Mutantenmonster. Und der Vampirclan, der die Schwangerschaft als ungeheuerlichen Tabu-Bruch ansah und sie alle killen wollte, auf dessen Ankunft man ewiglang vorbereitet wurde, ließ sich mit ein paar Wortwechseln und ein bisschen Magie besänftigen.
Außerdem wurde man den Eindruck nicht los, dass das ganze Buch mit der heißen Nadel gestrickt wurde. Die Figuren waren alle ziemlich eindimensional, hier und da Logikfehler (z.B. wurde andauernd betont, dass ein Vampir keinen Herzschlag hat, aber beim frischen Bella-Vampir „schlägt das Herz bis zum Hals“) und die vielen vielen Gäste/Zeugen, die dem Cullen-Clan beistehen wollen, wurden alle haarklein beschrieben, obwohl sie letztendlich keine besondere Rolle gespielt haben. Das war bisschen, wie stundenlang fremde Geburtstagsfeierfotos angucken.
Und am „Ende der Nacht“ ist Friede-Freude-Eierkuchen: Alle Vampire haben Frieden miteinander geschlossen, Vampire und Wölfe haben sich auch endlich lieb, Jakob ist nicht mehr hinter Bella her, sondern hinter ihrer Tochter, und Edward und er sind dicke Kumpel geworden. Und wenn sie nicht gestorben sind….

Doch ich will nicht nur meckern: Für junge Mädchen finde ich die ganze Reihe weiterhin empfehlenswert. Es ist zwar etwas heuchlerisch zu behaupten, man solle keinen Sex vor der Ehe haben, wie es hier zwischen den Zeilen rüberkommt, aber ein paar mehr Bücher und Filme (die Teenager ansprechen) mit einem Hauch Moral, viel Liebe und Romantik können in den heutigen Zeiten nicht schaden, wo viele Kinder bereits mit 12 Jahren von einem Bett ins nächste hopsen.

Zwar nicht ausschließlich, aber größtenteils auf dem Balkon gelesen. Danke, liebe Sonne! ;-)

Notizbücher von Raymond Chandler
Von Chandler kannte ich bisher nur ein paar Kurzgeschichten und weiß, dass er die Philip Marlowe-Reihe geschrieben hat. Aber ich mochte seine Kurzgeschichten und Notizen von Schriftstellern lese ich ohnehin gern. Das dünne Taschenbuch hat wirklich einiges zu bieten: Vorwort von Patricia Highsmith, drei Kurzgeschichten, Notizen, Skizzen, Essays und Titelideen.
Chandler war schon ein Großer, ein Wortmagier, immer wieder gibt es unglaublich geschmeidige Zeilen, die man sich wie Karamell auf der Zunge zergehen lassen muss. Z.B.: „Das Haus selbst war ein herrlicher Bau im traditionellen elisabethanischen Stil, rote, mit der Zeit dunkel gewordene Backsteine und dick mit Blei verglaste Erkerfenster. Fette Spinnen schliefen dahinter wie Bischöfe, und ihre Netze verhängten stellenweise das Glas, und schläfrig äugten sie heraus, wo einst habichtgesichtigte Dandys in geschlitzten Wämsern auf England hinausgeblickt hatten, unbefriedigt in ihren hitzigen Tagen von dessen klösterlichem Charme.“ (S. 29 – aus der Kurzgeschichte „Englischer Sommer“)

Die Hexen von Eastwick von John Update Updike
Wo nun kürzlich die Fortsetzung (Die Witwen von Eastwick) erschienen ist, fand ich es an der Zeit, mich dem ersten Teil zu widmen, den ich bisher nur als Film kannte.
Die Handlung (setze ich einfach mal als grob bekannt voraus) und besonders das Ende unterscheiden sich bei beiden Medien ein wenig. Updikes Stil war mir manchmal zu überladen und verquatscht, und, mir hat das Ende im Film besser gefallen. Doch insgesamt war es ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Unser allerbestes Jahr von David Gilmour
Wohl ein autobiographischer Roman, wenn man den Danksagungen Glauben schenken kann. Aber eigentlich total egal, denn es war ein Buch, das mir wirklich Spaß gemacht hat! David macht seinem lernfaulen Sohn einen unglaublichen Vorschlag: Er braucht nicht mehr zur Schule gehen, darf kostenfrei zu Hause wohnen bleiben, aber muss jede Woche mit seinem Vater drei Filme ansehen, die dieser ausgesucht hat. Natürlich schlägt Jesse sofort ein. Obwohl David manchmal leise Zweifel an seiner Idee kommen, ziehen die beiden es durch.
Ein wirklich schönes und warmes Buch über das Erwachsenwerden, Vater-und-Sohn-Beziehungen und über Filme. Zu vielen der angesehenen Filme gibt es interessante Anekdoten, Hintergrundwissen und Hinweise auf bestimmte Szenen. Toll!

Die Stadt der Diebe von David Benioff
Auch hier die Frage, ob es wirklich auf einer wahren Geschichte beruht; Im Vorwort erzählt David Benioff von einem Besuch bei seinen Großeltern und fragt diese nach ihrer Vergangenheit. Sein Großvater wird nun unser Ich-Erzähler und berichtet aus seiner Jugend in Leningrad. Im Winter 1942 ist Lew 17 Jahre alt, Kälte und Hunger beherrschen die belagerte Stadt. Er wird erwischt, als er einen toten deutschen Soldaten beklaut und landet zusammen mit dem charismatischen Soldaten Kolja, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat, im Knast. Statt der befürchteten Todesstrafe erhalten die beiden eine Chance: Sollten sie innerhalb einer Woche 12 Eier für die Hochzeitstorte der Tochter des NWKD-Offiziers besorgen, dürfen sie am Leben bleiben. Eine fast unmögliche Aufgabe…
Ein großartiger Roman! Eine abenteuerliche und  spannende Geschichte, grandios geschrieben, mit interessanten Figuren und einer dichten Atmosphäre, absolut empfehlenswert!

Nö, nix Illuminaten, nur Literaten (oder solche, die es gern wären).

Seit meinem letzten Rezi-Report ist eine ganze Handvoll (Hier ist sie schon, die erste 5…) an Monaten ins Land gezogen. Bei der Menge werde ich mich kurz fassen. Los gehts:

1. Physic von Angie Sage
Die herrliche Jugendbuch-Reihe um den Zauberlehrling Septimus Heap geht in die dritte Runde und kann locker mit den beiden Vorgängern (Magyk und Flyte) mithalten. Diesmal befreit der Vater von Septimus versehentlich den Geist einer grausamen Königin, die schon einige Jahrhunderte darauf wartet, ihre bösartigen Pläne in die Tat umzusetzen. Toll!

2. Snuff von Chuck Palahniuk
Der ganze Roman spielt an einem Tag in einem Wartezimmer. In diesem Wartezimmer warten 600 Männer darauf mit einer Frau einen Rekord zu brechen: Der nicht mehr ganz so junge Porno-Star Cassie Wright will an einem Tag vor laufender Kamera mit 600 verschiedenen Männern Sex haben, was sie allein aus medizinischer Sicht wohl nicht überleben wird.
Unter den Wartenden ein junger Mann, der sich sicher ist, ihr Sohn zu sein.
Ein recht dünner und unterhaltsamer Roman, mit sehr viel weniger Sexszenen, als man vermuten würde, im gewohnten Palahniuk-Stil. Mir hat er wieder besser gefallen als sein letzter Roman Das Kainsmal.

3. Das Böse in uns von Cody McFadyen
Nach Die Blutlinie und Der Todeskünstler der dritte Teil mit der FBI-Agentin Smoky Barrett. Leider der bisher schwächste. Waren die beiden ersten Teile außerordentlich spannend, war dieser hier gerade mal mittelmäßig. Die Szene, die auf dem Klappentext beschrieben wird, gibt es im ganzen Buch nicht, die Story plätschert streckenweise nur so vor sich hin, und wirkt oftmals mehr wie ein langatmiger Brief, in dem auch ausführlich erzählt wird, was in den beiden ersten Romanen passierte, obwohl es für diese Handlung nicht wichtig war.
Nicht für Einsteiger in die Reihe geeignet (die anderen sind bedeutend besser!). Es bleibt die Hoffnung, dass mit dem vierten Band die Qualitätskurve wieder nach oben steigt!

4. Dieses Buch wird ihr Leben retten von A. M. Homes
Dieses Buch wurde mir mehrfach von Kunden empfohlen. Der Titel ist ungewöhnlich, das Buch nicht so sehr. Eine nette Geschichte über einen Mann, der sich selbst vom Leben ausgesperrt hat und nach einem eingebildeten Herzinfarkt wieder dorthin (und damit auch zu sich selbst) zurückfindet. Teilweise lustig und unterhaltsam, teilweise etwas übertrieben, manchmal etwas kitschig und unrealistisch. Insgesamt: Ganz nett.

5. Sunset von Stephen King
Ein neuer King, ein neuer King! Aber leider ist er hier den Jubel nicht so ganz wert. Seine Kurzgeschichten reichen sehr oft einfach nicht an die Qualität seiner richtigen Romane. So auch bei Sunset. Ein paar gute, ein paar weniger gute Storys, aber ein Muss nur für echte Fans.
(Vielleicht sollte er in Sachen Kurzgeschichten bei seinem Sohn ein paar Nachhilfestunden nehmen…)

6. Gewebte Welt von Clive Barker
Siehe hier oder scrolle etwas runter.

7. Eine Handvoll Venus von Frederik Pohl / Cyril M. Kornbluth
Eine interessante Satire aus den 50ern über die heutige Welt, in der die Werbeindustrie und große Konzerne mächtiger als die Politik sind. Manche Visionen der Autoren lassen einen amüsiert grinsen, doch sie haben auch erschreckend viele Nägel auf den Kopf getroffen. Eine spannende Geschichte mit Intrigen, Verschwörungen und dem Kampf mit dem Gewissen. Unterhaltsam!

8. American Gods von Neil Gaiman
Nun war es höchste Zeit, auch endlich zu diesem Geburtstagsgeschenk zu greifen – und es hat sich gelohnt! Gaiman hatte mich schon vor Jahren mit Niemalsland begeistert und es auch hier geschafft!
Shadow nimmt nach einem Gefängnisaufenthalt einen Job als Bodyguard bei Mr. Wensday an. Es stellt sich bald heraus, dass sein neuer Arbeitgeber niemand geringerer als die Gottheit Odin ist. Und er ist nicht der einzige Gott, der sich in Amerika gelandet ist und darunter zu leiden hat, dass die Zahl der Gläubigen in den Keller gesunken ist. Shadow soll ihnen aus der Misere helfen.
Spannend, amüsant, philosophisch und skurril! Den zweite Band Anansi-Boys konnte ich zum Glück auch schon auftreiben. Lesen!

9. Blutportale von Markus Heitz
Ein neuer Horror-Thriller vom Herrn Heitz. Diesmal sehr blutig und rasant! Doch mit meinem Favoriten von ihm, Kinder des Judas, kann er leider nicht ganz mithalten. Dennoch ausserordentlich spannender Pageturner mit dem Villa-Sitter und Blumenhändler Will und der Star-Fechterin Saskia, die in einen dämonischen und vor allem blutigen Sog geraten. Mit einigen Gastauftritten von Figuren seiner anderen Romane. Gut und spannend!

10. Scientology von Frank Nordhausen / Liane von Billerbeck
Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will. So der Untertitel. So der Plan von Scientology. Ein sehr aktuelles Buch über die Sekte: Ihre Entstehung, ihr Aufbau, ihre Mittel, ihre Ziele. Spannend wie ein Krimi, nur erschreckend real. SEHR empfehlenswert!

11. Das Leben geht weiter von Matthias Keidtel
Der zweite Holm-Roman von Keidtel. Den ersten kenne ich nicht, so steige ich also unvorbereitet in Holms geregeltes Leben ein. Mit fast 40 wohnt er wieder bei seinen Eltern, ist arbeitslos und führt ein recht ruhiges Leben in Berlin/Rudow. Doch so ganz zufrieden ist er nicht. Da muss was passieren. Er entschließt sich, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen und landet auf dem Weg nach Frankreich (auf der Suche nach Samen für seine geplante Reinhardt-Mey-Rosen-Zucht) in Berlin/Mitte. Erst  erkundet er als Tourist seine unbekannte Heimat Berlin, plötzlich arbeitet er als Angestellter in einem Strip-Club und verliebt sich…
Hhm, in den ersten Kapiteln gefiel mir der Stil noch ganz gut, aber irgendwann ging mir die Holm’sche Langsamkeit und Weltfremdheit etwas auf die Nerven. Ok, aber nicht ganz mein Ding.

12. Zwischen zwei Träumen von Selim Özdogan
Ein Roman mit Traumstimmung. Eine Realität, in der Träume legale (natürlich gibt es auch illegale) Kosumgüter sind.
Nesta hat einen großen Traum: Er möchte ein Star-Träumer werden. Einer, der mit seinen Träumen (die von den Konsumenten in Tropfenform genommen werden) richtig viel Geld verdient und berühmt ist. So wie Tedeisha, die er bei einem Vorträumen kennenlernt. Doch plötzlich sind Tropfen im Umlauf, von denen die Menschen nicht mehr aufwachen.
Interessant, intelligent, philosophisch, traumhaft. Nur manchmal etwas verwirrend (wie Träume halt auch sind). Gut!

13. Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt von Collin McMahon
Herrlich! Ein Comic-Roman, den man leider schon in einer Stunde durch hat. Für jeden Menschen ab 10 ein absolut empfehlenswerter Spaß! Wir lesen das Tagebuch von Greg, handgeschrieben mit vielen Comic-Zeichnungen darin (daher „Comic-Roman“). Er lässt uns teilnehmen an den Abenteuern und Qualen seines Schul- und Familienalltags. LESEN! (Auch bestens für alle geeignet, die sonst nicht gern lesen – mir haben schon zwei Mütter begeistert berichtet, dass sie mit Gregs Tagebüchern ihre absolut lesefaulen Söhne zu wahren Leseratten therapiert haben! ;-) )

14. Terror von Dan Simmons
Dan Simmons hat es schon einige Male geschafft, mich zu begeistern. So auch hier: Ein dicker Eisberg von einem Roman, der sehr gut zum frostigen Jahresbeginn passte. Halb auf historischen Fakten beruhend, halb fiktiver mystischer Horror, für all das, wofür es keine wahren Belege gab. Zum zweiten Mal machte ich hier die Bekanntschaft mit Sir John Franklin (vor Jahren habe ich Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny gelesen), doch dieses Mal geht es nur um seine letzte Fahrt, dem Versuch als Erster die Nordwestpassage zu durchsegeln, eine Expedition, die niemand überleben sollte. Beide Schiffe saßen für Jahre im Eis fest, weit ab von jeder Zivilisation und mit zu wenig Nahrung. Und dann ist da auch ein riesiges mysteriöses Wesen…
Man spürt die Kälte, die kaustophobische Enge auf den beiden Schiffen, die Hoffnung, später die Hoffnungsloskeit und das Grauen. Angenehm fand ich, dass die Geschichte aus mehreren Sichten erzählt wird, etwas verwirrend fand ich manchmal die Zeitsprünge der Kapitel. Insgesamt ein wirklich großartiger Schmöker!

15. Komm zurück, mein dunkler Bruder von Jeff Lindsay
Der dritte Dexter-Band. Aber der erste, den ich gelesen habe. Den ersten Teil kenne ich vom Hörbuch – Des Todes dunkler Bruder (sehr hörbar!) und der großartigen TV-Serie (deren erste Staffel noch sehr nah an der Buchvorlage war), den zweiten nur als Fernsehserie – die sich allerdings nur ganz grob an den zweiten Roman gehalten hat, wie ich merken musste. Um die Wartezeit zur dritten Staffel zu verkürzen, griff ich nun zum neuen Buch. Hhm. Ein paar Wissenslücken schmälerten das Lesevergnügen, und Dexters Problem, dass sein sonst wohl sehr aktiver dunkler Passagier verstummt war. Überhaupt die Tatsache, dass da von einem „Dunklen Passagier“ in seinem Kopf die Rede war, als eine Art uraltem Wesen, das sich dort eingenistet hat. Der TV-Dexter hat so gar nix mit Mystik am Hut und die Stimme aus dem Off ist dort halt seine eigene. Beim ersten Hörbuch fiel das nicht so ins Gewicht, da kam es nur am Rande vor. Und, dass die Kinder seiner Freundin Rita ebenfalls diese „Veranlagerung zum Töten“ im Blut haben war mir vollkommen neu. Ich hoffe sehr, dass wird nicht für die TV-Serie übernommen. Auch der trockene schwarze Humor kam im TV besser rüber.
Von all dem abgesehen war es ein netter Pageturner, den man gut an einem Tag schaffen kann.

16. Das Aquarium von Thommie Bayer
Warum auch immer, ich werde mit den Romanen von Herrn Bayer nicht warm. Da habe ich hiermit schon den Roman gewählt, von dem die meisten schwärmen, aber auch diesmal will sich keine recht Begeisterung einstellen.
Nach einem Unfall, bei dem seine (fast-)Freundin stirbt, igelt sich Barry zu Hause ein und verbringt seine Zeit damit, seine neue Nachbarin zu beobachten, die im Rollstuhl sitzt. Übers Internet nehmen die beiden irgendwann Kontakt auf.
Also bei mir flog da kein Funke.

17. Die Stunde, in der ich zu glauben begann von Wally Lamb
Den Titel finde ich etwas misslungen. Zu kitschig. Es klingt zu sehr nach Religion, um die es nur ganz nebensächlich geht.
Auch wenn es schon einige Jahre her ist, dass ich seine anderen beiden Romane gelesen habe, denke ich, dass die mir einen Tick besser gefallen haben. Hier hätte auf einige Seiten verzichtet werden können. Ich war beinahe froh, als ich endlich durch war, obwohl er einen wirklich angenehmen Stil hat und das Thema sehr spannend war. Und in meinem Falle auch etwas gruselig: Während ich nun hier über das Drama von Columbine las, passierte der Amoklauf in Winnenden.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Caelum, einem Lehrer der Columbine High School erzählt. An diesem schicksalshaften Tag hat er aufgrund eines Todesfalls in der Familie frei. Doch seine Frau Maureen, die als Krankenschwester in der Schule arbeitete, erlebt das alles hautnah mit. Versteckt in einem Schrank. Natürlich hinterlässt dieses Erlebnis seine Folgen: Ein schweres Trauma, Depressionen und Psychosen. Kaum hat sie sich einigermaßen wieder aufgerappelt, passiert der nächste Schock. Sie landet im Gefängnis, die Anklage lautet Mord.
Gleichzeitig arbeitet er eher unfreiwillig die Geschichte seiner eigenen Vergangenheit und die seiner Familie auf, die es ebenfalls in sich hat und viele Fragen aufwirft.
Ein spannendes Drama, sehr einfühlsam und wenig gefühlsduselig. Und es zeigt, welche Wellen die unglaublichen Taten von jugendlichen Amokläufern schlägt. Gut!

18. Glück kommt selten allein von Eckard von Hirschhausen
Ja, Glück kann man kaufen! Dr. Hirschhausen zeigt es uns mit seinem zweiten Buch, das wirklich Spaß macht, voller weiser (und wissenschaftlich erwiesener) Ratschläge, Erkenntnisse, Witzen und wahren Geschichten. Zum immer wieder lesen und sich wohl fühlen! Toll!

19. Rollende Steine von Terry Pratchett
Jawohl, es geht um Musik! Um die ultimative Band in Ankh-Morpork: Die „Band mit Steinen drin“.  Wie diese ungewöhnliche Band entstand und was an ihr so besonders ist, und, warum der TOD zur Fremdenlegion geht und seine Enkelin Susanne seinen Job übernehmen muss, solltet Ihr besser selbst lesen! Aber flott!

20. Bis(s) zur Mittagsstunde von Stephenie Meyer
Ja, auch ich habe es gelesen. Den ersten Teil vor fast zwei Jahren, aber nun dachte ich doch, es wäre mal an der Zeit, zu lesen, wie es weitergeht. Nett und zum Glück weniger kitschig als erwartet.

21. Leichenblässe von Simon Beckett
Der dritte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Auch hier ist es von Vorteil, die vorhergehenden Romane zu kennen, aber nicht zwingend notwendig. Dieses Mal ist er zu Besuch bei einem Kollegen in den USA auf einer Bodyfarm. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, dessen Opfer schon nach kurzer Zeit extreme Verwesungsmerkmale vorweisen.
Wieder ein sehr spannender Pageturner!

22. Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer
Mit kurzer Unterbrechung habe ich also gleich zum dritten Teil gegriffen. Bisher der schwächste Band, wie ich fand. Natürlich gibt es einige recht spannende Nebenhandlungen, aber in der Hauptsache versichern sich die beiden Hauptfiguren ständig ihre Liebe („Ich liebe Dich!“ – „Ich liebe Dich noch viel mehr!“ – „Nein, ich liebe Dich noch vieeeeel meeeehr!“ – Sinngemäß wiedergegeben), was mich irgendwann total genervt hat. (Aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe)
Mit ein wenig Pause werde ich mir dann irgendwann mal den vierten und letzten Teil geben, in dem es dann endlich richtig und nicht jugendfrei zur Sache gehen soll! ;-)

23. Mängelexemplar von Sarah Kuttner
Nun also auch Fräulein Kuttner. Aber doch: Ein absolut gelungenes Debüt!
Ihre junge Ich-Erzählerin Karo leidet unter Depressionen und Panikattaken. Alles beginnt, als ihr der Job gekündigt wird und sie ihrem Freund die Beziehung kündigt. Und ihn dann doch vermisst. Plötzlich fühlt es sich an, als wäre ihr der Boden unter den Füßen weggerissen worden. Sie sucht sich eine Psychotherapeutin, doch damit ist es nicht getan, psychische Erkrankungen dauern bekanntlich etwas länger als eine Grippe.
Einfühlsam und rotzig, durchaus sehr lesenswert!

Es ist geschafft! Ich bin hier nun fast wieder auf dem Laufenden. Jede Menge dritte Teile waren diesmal dabei, wie mir jetzt auffällt. Allerdings haben die letzten sonnigen und freien Tage dafür gesorgt, dass ich nicht artig am Rechner saß und weitergeschrieben, sondern auf dem Balkon Sonne getankt und Bücher gefressen habe. Bald gibt es also wieder frische Rezi’s. ;-)

Ich habe fast einen ganzen Monat für Clive Barkers „Gewebte Welt“ gebraucht. Das gab es schon lange nicht mehr! Schuld daran war die Weihnachtssaison, die Zeit und Energie gefressen hat, so kam ich jeden Tag nur ein paar Seiten voran. Mittlerweile hab ich auch herausbekommen, unter welchem Titel es diesen Roman schon mal gab: „Gyre„. Ich weiß, ich hab das vor Jahren öfter mal in den Händen gehalten, aber nie gekauft, warum auch immer – wo ich doch damals alle seine Romane gefressen hab. Nun kann ich sagen: Der Preis für diese Taschenbuchausgabe ist mit 22,90 € extrem hoch (die andere kostete bestimmt 10 € weniger), aber das war es wert! Clive Barker ist einfach ein Meister, was den düsteren, phantastischen Horror betrifft und hat seinen eigenen unverkennbaren Stil, der sich schwer vergleichen lässt. Kaum einer versteht es wie er, solche komplexen Welten oder Dimensionen zu schaffen! Vielleicht war es für mich der falsche Zeitpunkt, ihn zu lesen, in stressigen Zeiten kommt leichte Kost in kleinen Dosen besser, dennoch hab ich jede Seite in der gewebten Welt genossen.
Worum es geht? Um einen Teppich, zu dem sich eine ganze magische Welt zusammengewoben hat, um sich vor der Menschheit und einer bösen Gottheit zu schützen. Doch als die Hüterin des Teppichs ins Krankenhaus kommt, gelangt der Teppich in die falschen Hände. Zwei Menschen, sie durch Vererbung, er durch Zufall, werden nun Teil diese Kampfes zwischen Gut und Böse, Realität und Phantasie, und in ihren Händen liegt auf einmal das Schicksal zweier Welten.
Großartig, grotesk, plastisch, phantastisch in jeder Hinsicht und skurril im besten Sinne – einfach ein richtig guter Barker!

- – - Nachtrag 20.02.09 – - -

Schande über mich: Vor ein paar Tagen beim Umräumen hatte ich plötzlich eine zerlesene „Gyre“-Ausgabe in der Hand. Vor etwa 15 Jahren werde ich es wohl doch schon mal gelesen haben…

Prolog

Am 31.10. hatte ich das Dutzend wieder voll, höchste Zeit, endlich einen kleinen Lesereport zu schreiben. Der Anfang war schnell getippt, nur fehlten dann immer Zeit oder Lust oder Energie, von allen 12 Büchern zu erzählen. Doch auch in mehreren Etappen kommt man irgendwann am Ziel an. Auf gehts:

1. Kapitel
Goodbye Lemon“ von Adam Davies
Mein zweiter Roman von Davies. Der „Froschkönig“ hatte mich damals schwer begeistert, also waren meine Erwartungen hoch. Leider konnte „Goodbye Lemon“ nicht ganz mithalten, aber war dennoch ein wirklich guter Roman darüber, wie trügerisch Erinnerungen sein können und welche tragischen Folgen Schweigen haben kann.
Jack hat kaum Erinnerungen an seinen kleinen Bruder, der mit fünf im See ertrunken ist. In seiner Familie verliert niemand ein Wort über ihn. Jack hat früh jeden Kontakt zu ihnen abgebrochen und lebt sein eigenes Leben. Als jedoch sein Vater einen Schlaganfall erleidet, fährt er zusammen mit seiner Freundin zurück in das Haus seiner Kindheit, das er eigentlich nie wieder betreten wollte. Zu seinem verhassten Vater, der seit dem Schlaganfall keinen Muskel bewegen kann, seinem ständig alkoholisierten Bruder, seiner unterkühlten und perfektionistischen Mutter.
Ein spannendes Familiendrama, sehr gut geschrieben!

2. Kapitel
Seelenbrecher“ von Sebastian Fitzek
Mein dritter Roman von Herrn Fitzek und wieder ein absoluter Pageturner mit einer sehr dichten Stimmung. Er zaubert sofort ein Kopfkino herbei und man kann das Buch erst wieder weglegen, wenn der Abspann läuft (einen Film macht man halt nicht einfach mal aus).
Für ein Experiment müssen einige Psychologiestudenten einen Bericht durchlesen. In diesem geht es um einen Serienmörder, der seine Opfer seelisch gebrochen hat, und um einen Mann, der sich in der Psychiatrischen Klinik wiederfindet und keine Erinnerung hat. Einen Tag vor Weihnachten wird der Seelenbrecher als Patient eingeliefert und durch einen Vorfall ist die Klinik von der Außenwelt abgeschlossen. Und der Seelenbrecher nimmt seine Arbeit auf.
Nicht sein bester Roman, aber dennoch wieder sehr spannend und flüssig geschrieben!

3. Kapitel
City Of Ashes“ von Cassandra Clare
Gerade bei den Fantasy-Jugendbüchern kommt momentan jede Menge Schund und Dutzendware raus, da ist das hier einfach eine Perle! Der zweite Band der „Chroniken der Unterwelt“ hat mir fast noch besser als der erste gefallen. Mit Humor, Tiefe und Einfallsreichtum hebt sich diese Reihe sehr postiv aus der Menge hervor und sei jedem ans Herz gelegt, der was für moderne Vampire, Werwölfe und so weiter übrig hat. Cassandra Clare schafft es einfach, niemals ins Kitschige oder Klischeehafte abzurutschen und hat einen herrlichen trockenen Humor.
Große Klasse!
(Leider heißt es nun bis zum nächsten Jahr auf dritten Band warten…)

4. Kapitel
Keller“ von Richard Laymon
Nachdem mir „Die Show“ so gut gefallen hat, hab ich bei diesem Sammelband zugeschlagen: Die ganze Trilogie über das „Horrorhaus“ (fast 1300 Seiten) für nur 15 Euro.
Leider war mir das nun doch etwas zu viel Laymon und die Stimmung ganz anders als bei „Der Show“. Besonders genervt hat mich, dass es ständig um Sex geht. An sich stört mich das nicht, aber hier war es etwas zu viel des Guten. Auf fast jeder zweiten Seite taucht das Wort „Brustwarze“ auf (wirklich!), da brauchen sich ein Mann und eine Frau gerade mal kennenlernen, da brennen sie sofort vor Lust aufeinander und treibens meistens sofort an Ort und Stelle miteinander. Die „Monster“ haben natürlich auch nur Sex im Sinn (das Zerfleischen kommt aber gleich an zweiter Stelle) und im ersten Roman begleiten wir streckenweise einen pädophilen Psychopathen und müssen intensiv am Sexleben mit seinem kleinen Opfer teilnehmen.
Ansonsten geht es sehr brutal und blutig zu. All das gibt es reichlich. Nur bei der Handlung hat sich Laymond zurückgehalten. Spannung? Manchmal. Langeweile? Häufiger.
Nun ja, also irgendwie ein Sex-Splatter-B-Movie in Buchform. Muss man nicht gelesen haben.

5. Kapitel
Hölle“ von Will Elliott
Mit rabenschwarzen Humor gewürzter düsterbunter Horrortrip!
Mehr durch Zufall landet Jamie in einer Art Nebendimension (oder gar Teil der Hölle?) in Form eines mörderischen und verrückten Rummelplatzes. Dort muss er als einer der Clowns im Zirkus arbeiten und einige Prüfungen bestehten. Oder sterben.
„Du hast zwei Tage, um die Prüfung zu bestehen. Besser du bestehst sie, sonst müssen wir dich töten.“ (Gonko, der Clown)

Als wäre das nicht schlimm genug, hat er täglich mit sich selbst zu kämpfen, denn durch die Clownschminke kommt seine übelste und gemeinste Seite ans Tageslicht, die sich auf dem Rummelplatz sehr wohl fühlt und immer mehr Kontrolle über ihn bekommt.
Unterhaltsamer Horrorspaß!

6. Kapitel
Schöner wird’s nicht“ von David Sedaris
Ich warte weiterhin auf großstadttelefonbuchdicke autobiographische Kurzgeschichtenbände von Sedaris und seinem (in meinen Augen) Seelenverwandten Augusten Burroughs! Dieser Kurzgeschichtenband war wieder viiieeel zu kurz und ein grandioser Lesegenuss!
Uneingeschränkte Empfehlung!!!

7. Kapitel
Ich, Oliver Tate“ von Joe Dunthorne
Ach, ich hab eine Schwäche für unterhaltsame Geschichten, die aus der Sicht von altklugen Jungen geschrieben sind. Und dieser hier war sehr unterhaltsam!
Oliver Tate ist fast 15 und lässt uns sehr intensiv an seinem pubertären Leben und seinen Gedanken über sich und seine Umwelt teilhaben. Seine Mutter befindet sich auf seinem Selbstfindungstrip, sein Vater hat häufig Depressionen, sein bester Freund Chips ist ein „traditioneller Tyrann“, seine Freundin Jordana hat sich die Beziehung zu ihm durch Erpressung erschlichen, er erlebt seinen ersten Sex, versucht die Ehe seiner Eltern zu retten und seine Schulabschlussprüfung zu schaffen.
Ein wirklich witziger, intelligenter, lebendiger, manchmal etwas bösartiger, und immer großartig geschriebener Debütroman!

8. Kapitel
Infiziert“ von Scott Sigler
Wenn man hier eine Schublade suchen möchte, müsste man die mit der Aufschrift „King- und Koontz-Horror“ wählen.
Ein solider und spannender Horrorthriller über einen mysteriösen Virus, der die geistige Kontrolle über seinen menschlichen Wirt übernimmt und ihn zum wahnsinnigen Mörder mutieren lässt. Die US-Regierung ist ratlos und in höchster Alarmbereitschaft. Einer der Infizierten ist der Ex-Footballprofi Perry Dawsey, der merkwürdige Veränderungen in sich spürt, bald fremde Stimmen in seinem Kopf hört und seinen einsamen Kampf gegen das fremde Leben in seinem Körper aufnimmt.
Über das Ende kann man, wie meist bei solchen Romanen streiten, ich fand es ok, aber unbestreitbar ein netter Pageturner für jeden, der etwas Splatter vertragen kann.

9. Kapitel
Joker“ von Markus Zusak
Vor ein paar Monaten habe ich seine herausragende „Bücherdiebin“ gelesen. Auch der „Joker“ ist eine gehaltvolle und sehr gut geschriebene Geschichte, aber kann nicht so ganz mit der „Bücherdiebin“ mithalten.
Ed ist 19, Single, unglücklich verliebt in seine beste Freundin und Taxifahrer, als er eines Tages in einen Banküberfall verwickelt wird. Eher durch Zufall wird er zum Helden und erhält seitdem anonyme Post ist Form von Spielkarten. Hinter jeder der Spielkarten verbergen sich Aufgaben, die es erst herauszufinden und dann zu erfüllen gilt.
Was es damit auf sich hat und wer dahinter steckt, erfahren Ed und der  Leser erst am Ende der Geschichte.
Spannend, warm, humorvoll, intelligent und ein bissl Lebensweisheitsbotschaft, ohne in den Kitsch abzugleiten.

10. Kapitel
Vampire! Vampire!“ von Markus Heitz
Folgendes Dialogzitat auf „From Dusk Till Dawn“ erwartet uns auf der ersten Seite:

***
JACOB: „Hat jemand hier ein echtes Buch über Vampire gelesen, oder erinnern wir uns nur an das, was wir in Filmen gesehen haben? Ich meine, ein echtes Buch?“
SEX MACHINE: „Du meinst, wie ein Time-Life-Buch?“

Alle lachen
***

Nun hat sich Markus Heitz an die Arbeit gemacht und alles über Vampire zusammengetragen, was sich weltweit über die untoten Blutsauger finden ließ. Und das ist einiges! Unglaubliches, Witziges, Interessantes: Wer hätte z.B. gedacht, dass selbst landwirtschaftlichen Geräten oder sogar Stühlen schon vampirische Aktivitäten nachgewiesen wurden?
Ein wirklich unterhaltsames und kurzweiliges Buch für alle Vampirfreunde!

11. Kapitel
Drei Irre unterm Flachdach“ von Bastienne Voss
Keine zusammenhängende Geschichte, sondern autobiographische Episoden aus dem DDR-Alltag und einem ungewöhnlichen Drei-Personen-Haushalt (sie wächst bei ihren Großeltern auf).
Unterhaltsam und nett.

12. Kapitel
Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni
Mein erster Schamoni und garantiert nicht mein letzter!
Schöne Mia, sexy Mia. Scheiß auf deine billigen Männer. Ich, Fürst der Überflüssigen, Anführer der riesigen Armee der Coquille, die die konspirative Geheimloge der Nichtsnutze ist, Advokat der internationalen Idiotenvereinigung, werde dein zukünftiger Ex-Freund sein, der, der weniger zu bieten hatte als all die durchschnittlichen Funktionierer vor mir. Sie sind zu dumm, um Angst zu haben. Ich bin der laufende Zweifel. Warum ich so strahle? Warum mich alle haben wollen? – Angst schuf diesen perfekten Geist.“ (S. 78),
möchte der hamburger Kunststudent Michael Sonntag zu seiner geheimnisvollen Nachbarin von Gegenüber sagen. Doch irgendwie ist er dann doch zu sehr mit dem Leben beschäftigt, mit der Melancholie, Paranoia, Psychotherapie, Hypochondrie, Depressionen, Alkohol, seiner Ex-Freundin, seinem extremen Mitbewohner, Sex mit Frauen-deren-Namen-man-viel-zu-schnell-wieder-vergessen-hat und seinem Nebenjob als Roadie bei den „Black Jets“.
Düster, schrullig, witzig, realistisch, ironisch, lakonisch: Lesenswert!

Epilog
Es ist vollbracht. Draußen tanzen nun ganz leise die ersten kleinen Schneeflöckchen der Saison vorm Fenster, diese scheinheiligen Biester, nun lässt sich der Winter nicht mehr ignorieren. Mittlerweile haben sich vier weitere ausgelesene Bücher angesammelt, aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt wird…

Soll ich erst noch ein bisschen um den heißen Brei reden? Ich könnte zum Beispiel erzählen, dass der betreffende Roman schon einige Wochen (Monate?) hier in einem Stapel wartete, öfter zur Hand genommen, aber nie als aktuelles Buch erwählt wurde. Oder ich könnte von dem Autor erzählen, der erst 23 Jahre alt ist und erwähnen, dass dieser Roman sein Debüt war. Vielleicht auch damit einleiten, dass er der jüngste Autor ist, der je bei Diogenes verlegt wurde.

Ach, ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen. Dieser grandiose Debütroman ist „Becks letzter Sommer“ von Benedict Wells. Und ich habe ihn innerhalb eines halben Tages (nämlich heute Vormittag bis Nachmittag) gelesen verschlungen.

Worum geht es?
Der 37jährige Robert Beck ist Lehrer für Deutsch und Musik an einem Gymnasium in München. Nicht, weil das sein Traumberuf war, sondern eher, weil sein mittlerweile verstorbener Vater ihn einst in diese Richtung geschubst hatte. Er selbst wäre gern Musiker geworden. Nun ist er ein unzufriedener Lehrer, der seine Schüler um ihre Jugend und ihre Möglichkeiten beneidet, Beziehungstechnisch nichts länger als drei Monate durchhält und auf eine seiner Schülerinnen steht. Doch plötzlich ist da Lara, die nette Kellerin, die bald nach Rom ziehen wird, und dieser stille neue Schüler, Rauli, der sich als unglaublich musikalisches Talent entpuppt und voller Geheimnisse steckt. Nicht ganz uneigennützig entschließt sich Beck, der Manager des Jungen zu werden. In dem bis dahin dahinplätschernden Leben bilden sich wahre Strudel und so richtig abenteuerlich wird es, als er spontan mit Rauli und seinem hypochondrischen Kumpel Charlie in die Türkei fährt und Lara ihr Studium in Rom antreten will.

Während des Lesens kommt man nicht eine Minute auf die Idee, dass der Autor noch so jung ist. Übrigens begegnen wir ihm selbst in dem Roman einige Male. Eine nette Idee, die gut funktioniert. Dieser Roman ist intelligent, witzig, philosophisch, ist wunderbar geschrieben, weiß immer wieder zu überraschen und pulsiert einem zwischen den Fingern. Großartig! Ich bin schwer begeistert und kann ihn nur ausdrücklich empfehlen!

Übrigens spielt Benedict Wells selbst in einem Band. Mehr über ihn findet man hier. Eine richtige Homepage hab ich leider nicht gefunden.

Von meinen letzten vier ausgelesenen Bücher davor („Goodbye Lemon„, „Seelenbrecher„, „City Of Ashes“ und „Hölle„) berichte ich in den nächsten Tagen. Soviel jetzt: Das Urteil „Beste Unterhaltung“ trifft auf alle zu.