Achtung, ich bin umgezogen!!!

Veröffentlicht: 1. März 2011 in Info

Weil ich alle meine Blogs zusammen geschmissen habe, wird aus diesem Blog nun ein Archiv und alle weiteren Beiträge findet Ihr nun auf mardou.de, bzw. kassiber.wordpress.com.

Heute gibts mal wieder ein paar neue Rezensionen von Büchern, die ich von Anfang bis Ende gelesen habe. Zwei davon eigentlich nur, weil mich die Auflösung der Geschichte interessierte. Und die kommen jetzt gleich zu Beginn:

Daemon: Die Welt ist nur ein Spiel“ von Daniel Suarez
Die Idee klingt erstmal spannend: Nach seinem Ableben scheint ein reicher Computerspieleentwickler im Internet sehr lebendig zu sein. Er schaltet Gegner aus, rekrutiert sich eine Armee, erpresst Großkonzerne, manipuliert die Medien. Auch die Umsetzung war spannend, aber ein paar Dinge haben mich gestört: Nirgends war zu erkennen (bis dann auf das sehr offene Ende), dass es sich hier wieder um einen Mehrteiler handelt, es gab ein paar unnötigen Längen und zwischendurch war es mir dann doch zu viel Computertechnikzeugs. Doch ich fühl mich der Zielgruppe auch nur bedingt zugehörig.

Höllenfeuer“ von Jack Lance
Bei diesem klassischen Psychothriller gehörte ich zwar zur Zielgruppe, aber da flog einfach kein Funke über. Ich mochte die Figuren nicht besonders, fand die Handlung oft unlogisch und die Auflösung auch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Auch hier wieder eine spannende Idee: Ein  junger Mann, der bei einer Werbeagentur arbeitet, erhält ein Foto von einem Grabstein, auf das jemand „Du bist tot“ geschrieben hat.
Er versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat und findet eben irgendwas heraus. Muss man nicht gelesen haben.

Beastly“ von Alex Flinn
Nun zu einem hübschen Mädchenroman, der auch mit dem selben Titel verfilmt wurde. Die bekannte Geschichte über „Die Schöne und das Biest“ wird ins heutige New York übertragen. Der reiche und arrogante Kyle verscherzt es sich mit einer Hexe und wird in ein Biest verwandelt. Nur die wahre Liebe von und zu einem anderen Menschen und der dazugehörige erste Kuss kann ihn zurückverwandeln…  Und weil es eben so eine Art Remake ist, kann man sich ja vorstellen, wie es ausgeht. Aber auf dem Weg dahin überrascht die Autorin mit netten Einfällen, Humor und einem wirklich angenehmen Stil. Ich hab das Buch an einem sonnigen Sonntag auf dem Balkon verschlungen (ach ja… Sonne… Balkon… mir geht die kalte Jahreszeit jetzt schon auf den Keks).

Kalte Stille“ von Wulf Dorn
Der zweite Roman von Herrn Dorn, den ich jedem Sebastian Fitzek-Fan in die Hand drücke. Wirklich ein absolut spannender und atmosphärischer Psychothriller!
Einen jungen Psychiater verschlägt es wegen eines Vorstellungsgesprächs in seine Heimatstadt und damit in seine eigene Vergangenheit. Als Kind war er Schuld am Verschwinden seines Bruders, welches nie aufgeklärt werden konnte. Er macht sich auf die Suche nach Antworten und die sind natürlich dem Genre entsprechend schrecklich.
Wieder so ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann, weil er immer wieder neue Fragen aufwirft, rasant, spannend und gut geschrieben ist. Toll!

Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“ von Junot Diaz
Auch hier steht die Vergangenheit im Vordergrund. Der dicke Nerd Oscar lebt mit seiner Mutter und seine Schwester Lola in New Jersey, doch ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Aus verschiedenen Sichten erfahren wir die Geschichte seiner Familie und die seines kurzen wundersamen Lebens.
Ein sehr buntes, aufregendes, dramatisches, witziges und informatives Lesevergnügen, denn der Autor springt in den Zeiten und an den Orten hin und her und versorgt den Leser mit reichlich vielen Fußnoten zur jeweiligen Geschichte und Kultur. Intelligente Unterhaltung in sehr knackiger und teils deftiger Sprache – sehr lesenswert!

Der eine ist stumm, der andere ein Blinder“ von Akif Pirincci
Bisher hat mich noch keiner seiner Romane enttäuscht, auch dieser ist wieder ein absoluter Hammer! Ja, er hats einfach drauf! 😉
Ein Thriller (ohne Katzen), in dem zwei Ermittler, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben, einem Kindermörder auf der Spur sind.
Manche Krimis sind einfach Krimis. Aber was Pirincci hier wieder in seinem glasklarem Stil gezaubert hat, ist vielschichtig, spannend und aufregend: Absolute Empfehlung!

Lokalhelden“ von Jörg Harlan Rohleder
Da der Autor, genau wie ich, Mitte der 70er geboren ist, hat mir der Roman besonders viel Spaß gemacht. Eine unterhaltsame Reise zurück in die Teenagerzeit der 80er und 90er. Ich bin zwar nicht in der schwäbischen Provinz aufgewachsen, aber hatte viele „Ach jaaa….“ Momente, denn Rohleder hat ein stimmungsvolles Zeitportät geschrieben, mit vielen Erwähnungen von Ereignissen, Namen, Songs und Dingen, an die man schon eine Weile nicht mehr gedacht hat. Lesenswerte Zeitreise!

Ich will dich nicht töten“ von Dan Wells
Der dritte und letzte Band über den Teenager John Cleaver, der in sich selbst die Anlagen zum Serienkiller verspürt, doch lieber stattdessen Dämonen tötet. Im zweiten Teil hatte er sich eine Dämonin zum Feind gemacht, die nun in seiner Heimatstadt ihr Unwesen treibt. Er weiß nur nicht, in welchem Körper sie steckt. Gleichzeitig hat er seine erste richtige Freundin, was sein Gefühlsleben total durcheinander bringt: Will er sie nun küssen oder umbringen?
Ich mochte die Mischung aus Teenagerdrama, Komödie und Horrorthriller sehr und kann sie jedem „Dexter„-Fan sehr ans Herz legen! Man muss die ersten beiden Romane nicht gelesen haben, aber man würde sich den Spaß verderben, wenn man sie im Anschluss doch noch lesen möchte, denn dann gibt es nicht mehr viele Überraschungen.

Teufelszeug“ von Joe Hill
Der zweite Roman von Stephen Kings Sohn Joseph Hillstrom King. Leider sieht das Cover sehr nach reinem Horror aus, das wird viele abschrecken, denn der Roman ist nur nebenbei ein wenig höllisch, an sich eher eine spannende Psychostudie: Nach einer durchzechten Nacht wacht Ig mit Teufelshörnern auf der Stirn auf. Alle Menschen, die sich in seiner Nähe befinden, scheinen die Hörner kaum zu bemerken und erzählen ihm völlig unbefangen ihre schwärzesten Gedanken. Ig macht sich mit dieser neuen Macht bewaffnet auf die Suche nach dem Mörder seiner Freundin.
Joe Hill schreibt jetzt schon so gut, wie sein Vater in seinen besten Zeiten: Knackig, stimmungsvoll, überraschend, und er schafft es schon mit den ersten Sätzen die Bilder im Kopfkino loslaufen zu lassen: Großartige und intelligente Unterhaltung vom Prinzen des Horrors!

Freiheit“ von Jonathan Franzen
Nun kommen wir zum derzeit meistgelobten Roman. Ja, auch mich hat er begeistert! Über zwei Generationen verfolgen wir die Familiengeschichte der Berglunds, einer auf den ersten Blick normalen amerikanischen Familie.
Ich habe die „Korrekturen“ noch nicht gelesen (aber schon eine ganze Weile hier zu liegen), nur schon einige Romane, die mit diesem verglichen wurden, daher kann ich nichts darüber sagen, ob er sich selbst kopiert hat. Mir hat der Roman sehr gefallen, die tiefe und ausführliche Figurenzeichnung und die Geschichte, ich hab mich keine Zeile lang gelangweilt und war überrascht, wie schnell ich diesen dicken Wälzer durchgelesen hatte.
Auch hier: Ausdrückliche Leseempfehlung!

Flora Segundas magische Missgeschicke“ von Ysabeau S. Wilce
Zuerst hatte ich ja etwas Angst, dass sich dieser Jugendroman als ein Abklatsch der wunderbaren „Flavia de Luce“ entpuppen könnte (der Name, die Zeichnung auf dem Cover…), doch sie wurde zum Glück nicht bestätigt: Ein wahrhaft magischer Roman, der in einer Realität spielt, in der man als Tochter einer Offiziers-Mutter und einem geisteskranken Vater in einem Haus mit elftausend Zimmern lebt, die hin und wieder ihre Standorte wechseln, in dem es einen Fahrstuhl gibt, der einen selten an den gewünschten Ort bringt, in dem es einst einen Butler gab, der dafür sorgte, dass es in dem nun verfallenen Haus „täglich Waffeln“ gab „und die Handtücher rochen nach Zitronen“. Eines Tages lernt sie in einem der vielen unbewohnten Zimmer Valefor kennen, der ihr erzählt, dass er der verbannte Butler ist und ihr helfen kann, den alten Zustand wiederherzustellen, für ein bisschen ihrer Lebensenergie. Dabei braucht sie doch ihre Energie dafür, ihren Helden, und den ihres besten Freundes Udo, zu retten, der durch ihre Mutter zum Tode verurteilt wurde.
Ein düsterer Jugendroman, der vor kreativen und schwarzhumorigen Ideen nur so sprudelt, und wieder so ein Roman, von dem ich mir eine Tim Burton-Verfilmung wünsche!

Und nun…
Gute Nacht!

Am 15. November erscheint eine neue Kurzgeschichtensammlung von Stephen King: „Zwischen Nacht und Dunkel
Vier Novellen auf 528 Seiten.

Seit einiger Zeit gibt es auch wieder Neuigkeiten über eine Verfilmung seiner Turm-Saga: Jetzt will sich Ron Howard der Herausforderung stellen. Nicht gerade mein Lieblingskandidat, aber warten wir es mal ab. Es soll drei Kinofilme (ähnlich aufwendig wie die „Herr der Ringe“-Filme) und eine TV-Serie geben. Mehr Informationen gibt es hier zu lesen.

Auch Kings Sohn Joe Hill war fleissig, denn am 4. Oktober erscheint sein neuer Roman „Teufelszeug„. Darin wird es um einen Mann gehen, dem nach einer durchzechten Nacht Teufelshörner wachsen.

Und nun Neues zu einem alten Roman:

Vor ein paar Tagen ist eine neue und erweiterte Übersetzung von „On The Road“ („Unterwegs„) von Jack Kerouac erschienen. Ich habe sie hier schon zu liegen und bin gespannt. Ich hoffe, es wurde nicht auf Teufelkommraus umformuliert, damit man auch ja die Überarbeitung bemerkt. Allein schon das Zitat auf dem Klappentext gefällt mir weniger als das bisher bekannte:

Alte Übersetzung:
Denn die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt danach sind zu leben, verrückt danach zu sprechen, verrückt danach, erlöst zu werden, und nach allem gleichzeitig gieren – jene, die niemals gähnen oder etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastisch gelbe Wunderkerzen.“

Neue Übersetzung:
Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.“

Es mag die Gewohnheit sein, aber mir gefällt die alte Übersetzung  deutlich besser. Sie hat einfach mehr Melodie, was für ihn beim Schreiben eine wichtige Bedeutung hatte.

Alle paar Jahre gibt es auch hier Gerüchte über eine Verfilmung. Francis Ford Coppola hatte sich ja bereits in den 70er Jahren die Rechte gesichert. Im Sommer gab es nun diese Meldung und letzten Monat diese. Klingt schon interessant, auch die Wahl der Schauspieler.

34 Romane habe ich seit der letzten Rezi hier gelesen. Das heißt, 34 habe ich komplett gelesen, die angefangenen und nicht beendeten lasse ich gleich weg. Oh Mann, was für ein Brocken! Kein Wunder, dass ich mich so lange davor gedrückt habe! 😉

Darum hab ich sie nun in handliche fünf Blöcke aufgeteilt:
Phantastischer Thriller/Horror
Thriller/Krimi
Jugendbuch
Belletristik
Sachbuch

Und los gehts:

Phantastischer Thriller / Horror:

Beginnen wir mit dem King: „Die Arena“ hat mich etwas enttäuscht. Zu aufgeblasen lang, die Figuren zu eindeutig in Gut und Böse aufgeteilt und die Auflösung, warum die Kleinstadt nun von einer unsichtbaren Glocke eingeschlossen wurde, kann man auch nicht gerade als Geniestreich bezeichnen.
Eine positive Überraschung war „Gargoyle“ von Andrew Davidson. Ein wilder und berauschender Genre-Mix über einen Pornostar, der nach einem Unfall mit extremen Verbrennungen im Krankenhaus liegt. Dort taucht plötzlich eine junge Frau auf, die behauptet, sie wären im 14. Jahrhundert ein Liebespaar gewesen. Zarten Gemütern sei von diesem Roman dringend abgeraten, denn gerade im ersten Viertel geht Davidson sehr ins Detail, wenn er den Leser an den Qualen der Verbrennungen und dem seelischen Zustand seiner Hauptfigur teilhaben lässt. Und obwohl ich sonst um historische Romane einen weiten Bogen mache, haben mir die historischen Einschübe sehr gefallen! Sehr empfehlenswert!
Abraten möchten ich von „Kismet Knight: Vampirpsychologin“ von Lynda Hilburn. Spätestens seit Frau Meyer mit ihrer „Bis(s)“-Reihe so einen (unberechtigt großen) Erfolg hat, erscheinen Vampirromane am laufenden Band. Ein Großteil der Geschichten über unsterbliche Bluttrinker ist leider unterirdisch schlecht. Auch wenn ich schon immer Vampire mochte, bin ich daher recht zögerlich, was meine Romanwahl in der Hinsicht betrifft. Dieser hier klang dann doch mal interessant: Eine Psychologin spezialisiert sich auf Vampire, nicht, weil sie an ihre Existenz glaubt, sondern weil einige ihrer Patienten sich für welche halten oder es werden möchten. Also beschließt sie diese Marktlücke zu schließen und gibt eine Anzeige auf. Doch dann macht sie plötzlich Bekanntschaft mit wirklichen Vampiren und, wie soll es anders sein, der Obervampir verliebt sich in sie. Und so nimmt es dann seinen Lauf: Viel Gefahr, viel Erotik, hier ein bisschen Blut, da etwas Magie, ein paar Särge und Leichen, Vorbestimmungen, ewige Liebe und einige Verwicklungen. Fertig ist der Auftakt zu einer neuen Reihe. Ja, es soll noch weitere Teile geben.
Die einzigen beiden Pluspunkte für diesen Roman: Ein flüssiger Schreibstil und ein mitunter ganz annehmbarer Humor. Ansonsten: Wir haben es hier mit einem reinrassigen Nackenbeisser zu tun, der nur der Zielgruppe Spaß macht. Alle Männer sind scharf auf die Psychologin Kismet, die sich nicht entscheiden kann, ob sie sich lieber dem Obervampir oder einem FBI-Agenten hingeben möchte.
Die Autorin (Jahrgang 1951) hat wohl ihre beste Zeit in den 70ern erlebt, denn fast alle Männer haben lange (meistens gut duftende) Haare und tragen enge Hosen. Hab ich ja nix dagegen, aber solche Exemplare sind in der heutigen Zeit, in der auch der Roman angesiedelt ist, doch eher selten.
Ich hab ihn nur ausgelesen, weil ich ohnehin mit Schnupfen und Fieber geschlagen war, da kam so luftigleichte Zuckerkost ganz recht. Jedem Gesunden würde ich davon abraten.
Sehr viel besser war da der zweite Teil der Vampir-Trilogie von Markus Heitz, der „Judassohn“ (der dritte Teil, die „Judastöchter„, erscheint übrigens im Dezember). Allerdings ist es ratsam, den ersten Teil („Kinder des Judas„) zu kennen, und wer auch sonst bereits einiges von Herrn Heitz gelesen hat, wird bekannten Figuren begegnen.
Ein weiterer gelungener Vampirroman: „Die Radleys“ von Matt Haig, der leider erst im August erscheint, weshalb ich auch noch nicht viel verraten darf. Aber soviel sei gesagt: Sehr unterhaltsamer Einblick in den Alltag einer abstinent lebenden Vampirfamilie!
Da auch „Der Übergang“ von Justin Cronin erst im August erscheint, muss ich mir auf die Zunge beißen und erzählen, dass da es um vampirähmliche Wesen geht …ähm… und ein grandioses Weltuntergangsszenario , na ja, meine Finger im Zaum halten und belasse es bei: Ganz großes Kopfkino!
Zum Abschluss hab ich nun noch „Mr. Monster“ von Dan Wells, der zweite Teil der Trilogie über einen Jungen, der gerne ein guter Mensch wäre, aber in sich alle Anzeichen zum Serienkiller verspürt. Wieder herrlich schwarzhumorig und spannend, absolute Empfehlung für alle Fans von „Dexter„! Der dritte Teil wird „Ich will Dich nicht töten“ heißen und im Oktober erscheinen.

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich!

Hier geht es spannend weiter mit…

Thriller/Krimi:

Etwas enttäuschend fand ich den „Choral des Todes“ von Jean-Christophe Grangé. Wenn man schon einige Romane von ihm gelesen hat, ist die Handlung und die Auflösung wenig überraschend. Der Weg dahin ist durchaus spannend, man möchte ja wissen, was es mit den mysteriösen und grausamen Morden und dem merkwürdigen Knabenchor auf sich hat, aber es war bei Weitem nicht sein bester Roman.
Furchtbar lieb“ von Helen Fitzgerald hingegen war furchtbar gut! Eine gelungene Mischung aus Psychothriller und Sozialdrama über zwei befreundete Frauen, geschrieben von einer Sozialarbeiterin, die im Strafvollzug arbeitete.
Auch den neuen Psychothriller von Sebastian Fitzek kann ich sehr empfehlen: „Der Augensammler“ ist wieder ein klassischer Fitzek! Also einen freien Tag wählen und durchlesen, man findet ohnehin keinen Moment, um das Buch zur Seite zu legen, ein Cliffhänger jagt den nächsten. Diesmal geht es um einen Serienmörder, der Mütter ermordet, die Kinder entführt und dem Vater 45 Stunden Zeit gibt, das Kind zu finden. Schafft er das nicht, findet er nur die einäugige Leiche des Kindes. Bei einem Reporter, der sich mit den Fällen beschäftigt, taucht eines Tages eine blinde Physiotherapeutin auf, die behauptet, der Augensammler wäre einer ihrer Patienten. Sehr spannend!
Ebenfalls gelungen ist der Debütroman von Johnny Depps Halbbruder Daniel Depp, die „Stadt der Verlierer„. Wir begleiten den Privatdetektiv David Spandau hinter die düsteren und korrupten Kulissen der Traumfabrik Hollywood, begegnen dort etlichen schrägen Typen und erleben einige Überraschungen. Der nächste Band ist wohl schon in Arbeit, ich werde ihn bestimmt nicht verpassen!
Ja, das Gesetz der Serie… auch Cody McFayden geht mit der FBI Agentin Smoky Barrett in „Ausgelöscht“ in die vierte Runde: Diesmal geht es um einen Täter, der seine Opfer lobotomiert und nach Jahren in Gefangenschaft frei lässt. Wieder besser als der schwache dritte Teil, wieder harte Kost, wieder saumäßig spannend!
Allerliebste Schwester“  von Wiebke Lorenz ist da sehr viel zahmer, besticht weniger durch die Handlung (die, zugegeben, zum Schluss doch etwas vorhersehbar ist), als durch die stimmungsvolle Schreibe – durch das dünne Büchlein ist man schnell durchgerauscht. Es geht darin um Zwillingsschwestern. Eine verstirbt (war es ein Unfall oder Selbstmord?) und ihre Schwester heiratet den Witwer, also ihren Schwager. Tja, mehr kann man noch gar nicht verraten, nur, dass man die ganze Zeit das Gefühl hat, dass da was nicht stimmt.
Ebenfalls ein recht dünnes Buch, ebenfalls von einer deutschen Autorin, aber sehr viel härter ist da „Das Kind auf der Treppe“ von Karla Schmidt. Die Story ist schon etwas schräg, doch der Schreibstil flüssig und die Stimmung durchweg düster. Ob man mit dem Roman klarkommt, wird man gleich auf den ersten Seiten merken, wo es schon heftig zur Sache geht. Über den Inhalt was zu sagen, ist recht schwierig, da sich die Geschichte in Rückblicken nach und nach zusammensetzt.

Dieses war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich!

Kommen wir nun zu lesenswerten Jugendbüchern, die auch für Erwachsene geeignet sind:

Allen voran natürlich „Gregs Tagebücher“ von Jeff Kinney, von denen ich nach dem großartigen ersten Teil („Von Idioten umzingelt!„), auch den zweiten („Gibt’s Probleme?„), den dritten („Jetzt reicht’s!„) und den vierten („Ich war’s nicht!„) verschlungen habe. Einfach _________________ !!!!! (<- Bitte hier eigene Lieblingssuperlativen einfügen, ich kann mich für keine entscheiden 😉 )
Ich wage mal zu behaupten, dass jeder Mensch, der seinen 10. Geburtstag hinter sich und etwas Humor hat, diese Mischung aus Comic und Roman genauso gern verschlingen wird! Und DAS Wundermittel, um lesefaule Jungs in Leseratten zu verwandeln, wie ich schon mehrfach erfahren habe!
Übrigens wurde der erste Roman verfilmt und kommt im August auch in die deutschen Kinos. Hier schon mal der Trailer:

Greg bei YouTube

Im September erscheint der zweite Teil der „Flavia de Luce“-Reihe mit dem Titel „Mord ist kein Kinderspiel„. Ich hab es bereis gelesen und kann verraten: Wieder eine grandiose literarische Perle!
Etwas düsterer, aber ebenfalls schön schwarzhumorig ist der „Mitternachtszirkus“ von Darren Shan. Die Buchreihe gibt es schon ziemlich lange, aber als letztes Jahr der erste Film im Kino kam (denn ich noch immer nicht gesehen habe), erschien dieser Band mit den ersten drei Teilen (insgesamt sind es zwölf). Eine interessante und unterhaltsame Reihe über einen normalen Jungen, der zum Halbvampir wird und sich dem Mitternachtszirkus „Cirque du Freak“ anschließt. Spannend!
Auch in den „Chroniken der Weltensucher: Die Stadt der Regenfresser“ von Thomas Thiemeyer (sein erster Jugendroman, für den er auch das wunderbare Coverbild gezeichnet hat) verändert eine winzigkleine Entscheidung das Leben eines normalen Jungen. Hier ist es ein Straßenjunge in Berlin im Jahre 1893, der einen Forscher namens Humboldt zu bestehlen versucht. Dieser macht ihm dann überraschend das Angebot, mit ihm auf  eine Forschungsreise zu gehen. Begleitet von seiner Nichte, der Haushälterin und einem Kiwi. Ein in jeder Hinsicht phantastischer und spannender Jugendroman, der an Jules Verne erinnert und sehr flüssig geschrieben ist! Der Roman ist in sich abgeschlossen, aber im Juni ist bereits der zweite Teil erschienen, diesmal ist „Der Palast des Poseidon“ das Ziel.
Ein bisschen Weltuntergang gefällig? In „Die Welt, wie wir sie kannten“ von Susan Beth Pfeffer wird die Sonne von Asteroiden getroffen und dadurch etwas aus der Bahn geworfen. Das hat natürlich verherrende Auswirkungen auf die ganze Welt. Wir lesen das Tagebuch von Miranda (ich glaube, sie ist 16 Jahre alt) und begleiten sie, ihre Mutter und ihre beiden Brüder ein Jahr lang ab der Katastrophe. Erschreckend realistisch!
Weniger dramatisch und weniger realitisch, aber genauso spannend und gelungen geht es mit „Die geheime Sammlung“ von Polly Shulman weiter. Die 15jährige Elisabeth ergattert einen Nebenjob im New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze. Und da gibt es nicht nur „normale“ Schätze, nein, dort gibt es zum Beispiel auch die Wundergegenstände aus den Märchen der Gebrüder Grimm. Doch dann stellt sich heraus, dass einige der zauberhaften Gegenstände gegen wertlose ausgetauscht wurden und Angestellte verschwinden spurlos… Eine spannende, moderne und dennoch märchenhafte Geschichte, ganz große Klasse!
In „Numbers: Den Tod im Blick“ von Rachel Ward geht es um die 15jährige Jem, die eine sehr bittere Gabe hat: Blickt sie einem Menschen ins Gesicht, kann sie dort sein Todesdatum lesen. Die Außenseiterin freundet sich mit Spinne an, einem Jungen, dessen Zeit bald abgelaufen ist. Bei einem Rummelplatzbesuch sieht sie, dass alle Menschen dort noch am selben Tag sterben werden. Als Spinne und sie daraufhin flüchten und prompt eine Bombe hochgeht, werden sie natürlich verdächtigt und verfolgt. Ein spannender und trauriger Roman, denn der Tod ist eben das zentrale Thema. Und, das sollte man erwähnen, der Stil ist in reiner Jugendsprache gehalten. Also recht locker formuliert und mit vielen Ausdrücken gespickt, was manchmal etwas nerven kann.
Sehr viel schwächer ist allerdings „Wake – Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast“ von Lisa McMann – ich erwähne ihn hier eigentlich nur, weil ich ihn ausgelesen habe. Wie der Titel schon erahnen läßt: Jamie kann die Träume von anderen Menschen sehen, wenn sie sich dabei in ihrer Nähe befinden. Also ist sie selbst im Klassenzimmer nicht sicher. Und dann ist da Carl, der brutale Träume hat, aber sonst sehr nett ist. Die Geschichte, die daraus gestrickt wurde, hat mich jetzt nicht von den Socken gehaun. Viele wichtige Figuren wurden nur etwas farblos skizziert und auch die Hauptfigur blieb blass und unsympathisch. Muss man nicht gelesen haben.
Erebos“ von Ursula Poznanski hingegen sollte man auf jeden Fall lesen!!! Ein unglaublich spannender und intelligenter Roman über ein Computerspiel, den ich an einem Nachmittag regelrecht gefressen habe: In der Schule von Nick macht ein geheimnisvolles Computerspiel die Runde. Jeder, der es hat, darf nichts darüber verraten und sich mit niemanden darüber unterhalten. Die ersten Schüler schwänzen die Schule, nur um weiterzuspielen. Dann bekommt auch Nick die „Erebos“-CD und beginnt zu spielen… und das Spiel kennt bereits seinen Namen… Wie schon erwähnt: Ich bin restlos begeistert! Für jeden Menschen ab 12 Jahren, der sich auch nur ein bisschen für Computer, moderne Technik und virtuelle Welten interessiert und mal wieder ein richtig spannendes Buch lesen will!
Auch in „Little Brother“ von Cory Doctorow geht es um Computer und Technik. Aber auch, wie der Name schon verrät, um Überwachung. Ebenfalls ein wirklich gutes und spannendes Buch, aber auch ein wichtiges Buch, denn manches klingt schon erschreckend real. Der 17jährige Marcus und seine Freunde sind zur falschen Zeit am falschen Ort: Als die Oakland Bay Bridge in San Francisco von Terroristen gesprengt wird, werden sie in der Nähe festgenommen und mehrere Tage verhört. Bis auf einen Freund kommen sie wieder frei. Allerdings hat sich die ganze Stadt aus Angst vor weiteren Anschlägen in einen Überwachungsstaat verwandelt. Nick und viele andere Jugendliche wollen das nicht einfach so hinnehmen. Sehr spannend und sehr aufschlussreich! Ebenfalls eine interessante Lektüre für Menschen ab 12!

Dieses war der dritte Steich, doch der vierte folgt sogleich!

Hier haben wir eine gute Mischung von „normalen“ Romanen:

Der schwächste war sicher „Sperm & Egg“ von Ryan Boudinot, denn was auf dem Klappentext noch nach witzigem Roman klingt, ist in Wirklichkeit der Bericht über eine Beziehung, die es vor 20 Jahren gab, aus zwei Sichten. Nicht schlecht, aber weit unter meiner (wohl falschen) Erwartung.
Der Retter der Welt“ von John Wray ließ mich ebenfalls etwas ratlos zurück: Fand ich das gerade Gelesene nun gut oder nicht? Es geht hier um den 16jährigen William Heller, der sich selbst Lowboy nennt, und durch die New Yorker U-Bahn geistert, um die Welt zu retten. Lowboy ist schizophren und gilt als gefährlich, nicht zuletzt, weil er seine Freundin vor eine Bahn geworfen hat. Manche Szenen und besonders die Einblicke in seine Gedankenwelt sind wirklich grandios, doch die Geschichte als Ganzes konnte bei mir keinen Begeisterungsfunken entzünden.
Hier sorgt nicht nur der Titel für ein Grinsen: Der „Haarweg zur Hölle – Ein hart gerockter Heimatroman“ von Hermann Bräuer macht einfach Spaß, nicht mehr, aber auch nicht weniger! München in den 80er Jahren. Ein paar Schüler gründen eine Hair Metal-Band namens Llord Nakcor und träumen den Rockstartraum: Frauen, Geld, Ruhm. Natürlich ist das mit dem Träumen so eine Sache, denn die meisten scheitern an der schnöden Realität. Ein herrlich selbstironischer und unterhaltsamer Roman, vielleicht auch leicht autobiographisch?
Auf „PopCo“ von Scarlett Thomas war ich ziemlich gespannt, „Troposphere“ hatte mich sehr begeistert. „PopCo“ war nun etwas ruhiger, aber mir hat diese Stimmung gut gefallen, man hatte das Gefühl, ganz dicht an der Hauptfigur dran zu sein. Alice arbeitet bei dem Spieleentwickler „PopCo“ und besucht ein mehrtägiges Seminar. Dort erhält sie anonyme verschlüsselte Botschaften. Auf diesem Gebiet kennt sie sich gut aus, wie man in den Rückblicken erfährt. Viel Wissenswertes, viel Philosophie, verpackt in eine spannende Geschichte und sehr angenehme Schreibe!
Eine interessante Reise in die Vergangenheit verschafft einem Joyce Johnson mit „Warten auf Kerouac„! Der autobiographische Roman beginnt mit ihrer eigenen Jugend und zeichnet damit ein wunderbares Porträt dieser Zeit. Von Kerouac erscheint übrigens im September eine überarbeitete und erweiterte Fassung von „On the Road“ („Unterwegs“), auf die ich schon sehr neugierig bin!
Natürlich war auch der neue John Irving Pflicht! „Letzte Nacht in Twisted River“ war deutlich besser als seine letzten Romane, kommt aber an seine Klassiker (mein Lieblingsroman von ihm bleibt wohl für immer „Owen Meany„) doch nicht ganz ran. Es tauchen die typischen Irving Themen auf, aber diesmal nicht so aufdringlich. Ein schönes Lesevergnügen, bei dem man häufiger Appetit bekommt, denn die Hauptfigur ist ein Koch auf der Flucht.
Nachteulen“ ist der zweite in Deutschland erschienene Roman von Chuck Klosterman, dessen „Eine zu 85% wahre Geschichte“ mich damals sogar zu einem Wortschatz-Special inspirierte. Dieser Roman ist nicht ganz so gut gelungen, dennoch lesenswert: Gleich auf den ersten Seiten erfährt man durch einen Zeitungsausschnitt von einem schweren Unwetter, bei dem viele Menschen sterben werden. Dann wird die Zeit zurückgespult und wir lernen die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt kennen und verfolgen ihr Leben bis zu diesem Unwetter. Interessant, kurzweilig, am Ende auch traurig, aber leider viel zu wenig Musik (im Vergleich zur „85% wahren Geschichte“).
Ich kann ja diese „freche Frauen“-Romane nicht ab und war daher am Anfang etwas skeptisch, doch das gab sich schnell, denn „Der Goldfisch meiner Schwester“ von Lisa Gabriele ist deutlich gehaltvoller: Eine spannende Psychostudie über zwei sehr ungleiche Schwestern und ihren alleinerziehenden Vater, gewürzt mit viel schwarzem Humor und Ironie. Mehr davon!

Dieses war der vierte Streich, doch der letzte folgt sogleich!

Zum Abschluss gibt es noch zwei Sachbücher die beide ein ähnliches Thema haben:

In „Schöpfung außer Kontrolle: Wie die Technik uns benutzt“ widmet sich Karl Olsberg der Frage: Die Evolution ist mit dem heutigen Menschen nicht abgeschlossen, wie geht es also weiter? Dazu hat er viele interessante Gedanken und Fakten über die Geschichte der Evolution von Mensch, Tier und Technik zusammengetragen, und sie so gut miteinander verknüpft, dass sich dieses Sachbuch wie ein spannender Thriller liest, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Wir erfahren z. B., dass Städte heute alle Merkmale von Lebewesen erfüllen, dass es sich mit Mensch und Technik genauso wie mit den Bienen und Blumen verhält, dass wir mehr von Genen und Memen gesteuert werden, als es uns bewußt ist und wie die nahe und ferne Zukunft aussehen könnte. Auch, ob eine Möglichkeit besteht, dass die Computertechnik uns eines Tages auf der Evolutionsleiter ablöst, und welchen Einfluss jeder von uns darauf hat. Absolute Empfehlung!
Auch „Der Leinwandphilosoph“ Mark Rowlands beschäftigt sich unter anderem mit solchen Zukunftsszenarien, denn der Philosophieprofessor analysiert Science-Fiction-Filme und vergleicht an ihnen die Lehren und Gedanken großer Philosophen. Ich hätte nie gedacht, dass man solche schweren Fragen und Theorien so locker, humorvoll und vor allem verständlich beantworten und erklären kann! Zum Glück kannte ich auch alle Filme, denn das waren:

Frankenstein – Philosophie und der Sinn des Lebens
Matrix – Können wir uns überhaupt über irgendetwas sicher sein?
Terminator I & II – Das Körper-Geist-Problem
Total Recall & The 6th Day – Das Problem mit der personalen Identität
Minorty Report – Das Problem des freien Willens
Hollow Man – Warum moralisch sein?
Independence Day & Alien – Die Reichweite von Moral
Star Wars – Gut und Böse
Blade Runner – Tod und Sinn des Lebens

Im wahrsten Sinne des Wortes: Ganz großes Kino! Ebenfalls sehr empfehlenswert! (Und nochmal: Danke! 😉 )

So, das war es nun. Einen ganzen heißen Sommertag lang habe ich die Bücher der letzten Monate Revue passieren lassen und bin nun richtig erleichert, diesen aufgeschobenen Berg abgetragen zu haben! Jetzt ist wieder Platz für neue und zeitnahe Rezensionen.
Gestern hab ich mir „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace vorgenommen. Auch hier spielt der Bildschirm eine Rolle: In einer nicht näher bezifferten Zukunft gibt es einen Film mit dem Titel „Unendlicher Spaß“, der jeden, der ihn sich ansieht, so in seinen Bann zieht, dass er vor dem Bildschirm verhungert und verdurstet.
Ein über 1600-Seiten-Brocken, vor dem ich mich viel zu lange gedrückt habe. Ich weiß noch nicht, ob ich ihn durchhalte, man merkt sofort, dass das alles andere als leichte Kost ist, auf jeder Seite eine rekordverdächtige Fremdwörterdichte und etliche Fußnoten, aber die begeisterten Kritiken derer, die dieses Werk bezwungen haben, sind zu verlockend… 😉

ZDF-Beitrag über Unendlicher Spaß bei YouTube

Die Kundenanfrage des Monats:

Veröffentlicht: 18. März 2010 in Buchhändlernähkästchen

„Haben Sie Wörterbücher für Fingernägel?“

Die Frage wurde nicht mir sondern meiner Kollegin gestellt, die kichernd in den Pausenraum kam.
Die Kundin war auf der Suche nach einem Bildband über Nagellackdesigns.

Gestern unterhielt sich eine Kundin intensiv mit den kleinen Holzengeln, die bei uns an der Kasse stehen.

Ich schätze, es gibt sehr viel langweiligere Arbeitsplätze als Buchhandlungen… 😉

(Die nächsten Rezis sind schon in Arbeit!)

Spinner“ von Benedict Wells
Da ich von seinem ersten Roman so begeistert war, freute ich mich schon diebisch auf den „Spinner“. Und wurde leider etwas enttäuscht. Es las sich zwar wirklich gut, aber konnte eben nicht ganz mit „Becks letzter Sommer“ mithalten. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mittlerweile einfach zu viele Romane dieser Art gelesen habe, über junge Männer/Schriftsteller, die in einer großen Stadt (hier Berlin) leben, ihren Weg suchen und über die Liebe stolpern. Meine Meister in dieser Schublade bleiben Djian und Fante. Ich wette, auch Benedict Wells hat sie gelesen. Er wird ebenfalls Regeners „Herr Lehmann“ und Özdogans „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“ gelesen haben und sie alle wohl genauso lieben wie ich. „Spinner“ ist gut geschrieben, keine Frage, aber auch nichts Neues, „Becks letzter Sommer“ hingegen war mehr etwas Eigenes.

Die Saat“ von Guillermo Del Toro & Chuck Hogan
Der erste Roman von Guillermo Del Toro, ich war sehr neugierig. Ich mochte seinen Film „Pans Labyrinth“ und war nun gespannt, was er über Vampire zu erzählen hat. Ein Flugzeug landet in New York, alle Passagiere und die Piloten sind tot, was ist da passiert? Und warum verschwinden sie alle aus dem Leichenschauhaus, um ihren trauernden Hinterbliebenen einen Besuch abzustatten und sie umzubringen? Was wie ein Roman von Stephen King klingt, liest sich auch wie einer (nur kann es King mit seinem ganz eigenen Stil immer noch besser). Ein spannender Horror-Thriller, Hollywood-Kopfkino, doch leider erst der erste Teil einer Trilogie. Wann die beiden weiteren Teile erscheinen werden, ist noch nicht bekannt.

Clean Team“ von Charlie Huston
Wer „Big Lebowski“ mag, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Schräg, lässig, absurd, schwarzhumorig, pur, brutal, lebendig. Der 29jährige Web nimmt einen Job als Putzkraft an. Allerdings säubert er keine Büroräume, er wischt an Tatorten Blut- und Hirnspitzer von den Wänden. Dann verliebt er sich in die Tochter eines Selbstmörders und ist plötzlich mittendrin in einem verworrenen Komplott.
Der erste (abgeschlossene) Roman einer neuen Serie, von der ich garantiert keinen Teil verpassen werde! Großes Kino mit grandiosen Dialogen!

Gemeinsam sind wir unausstehlich“ von Manuela Golz
Die Fortsetzung von „Ferien bei den Hottentotten„, den ich sehr mochte, denn er spielte etwa zur selben Zeit in der selben Ecke von Berlin, in der ich aufgewachsen bin. Die Fortsetzung ist ebenfalls unterhaltsam und nett, aber die Hottentotten gefielen mir besser.

Ein König für Deutschland“ von Andreas Eschbach
Pünktlich zum Wahljahr ist der neue Eschbach erschienen, in dem es um die Frage geht: Was wäre, wenn in den Wahllokalen die Kreuze nicht auf Papier, sondern am Bildschirm gemacht werden, und, was wäre, wenn das Ergebnis durch ein Programm manipulierbar wäre? Der Amerikaner Vincent wird gezwungen, so ein Programm zu schreiben, doch schickt es aus Angst vor seinem Auftraggeber, und was der damit anstellen könnte, seinem Vater in Deutschland. Der hat zusammen mit Freunden seines Sohnes vor, den Wahlbetrug auffliegen zu lassen, indem er eine absurde Partei gründet, die die Wahl gewinnen wird. Eine Partei, die für die Rückkehr der Monarchie steht. Doch plötzlich wird er wirklich König von Deutschland.
Ein interessantes Gedankenspiel, das manchmal schon erschreckend real klingt, aber das Ende ist dann etwas zu zahm geraten. Übrigens gibt es viele Links als Fußnoten im Buch.

Man tut was man kann“ von Hans Rath
Netter Unterhaltungsroman über den 42jährigen Paul und seine Freunde. Über Geliebte, den Job und das Leben. Liest sich flott und witzig, um Längen besser als der „Vollidiot„.

Und ich werde mich jetzt wieder in Kings „Arena“ begeben…