11 teuflische Rezensionen zu Halloween

Veröffentlicht: 31. Oktober 2010 in Drama, Entdeckungen, Fantasy, Horror/Thriller, Kinder-/Jugendbuch, Krimi/Thriller, Neuerscheinungen, Rezensionen, Unterhaltung

Heute gibts mal wieder ein paar neue Rezensionen von Büchern, die ich von Anfang bis Ende gelesen habe. Zwei davon eigentlich nur, weil mich die Auflösung der Geschichte interessierte. Und die kommen jetzt gleich zu Beginn:

Daemon: Die Welt ist nur ein Spiel“ von Daniel Suarez
Die Idee klingt erstmal spannend: Nach seinem Ableben scheint ein reicher Computerspieleentwickler im Internet sehr lebendig zu sein. Er schaltet Gegner aus, rekrutiert sich eine Armee, erpresst Großkonzerne, manipuliert die Medien. Auch die Umsetzung war spannend, aber ein paar Dinge haben mich gestört: Nirgends war zu erkennen (bis dann auf das sehr offene Ende), dass es sich hier wieder um einen Mehrteiler handelt, es gab ein paar unnötigen Längen und zwischendurch war es mir dann doch zu viel Computertechnikzeugs. Doch ich fühl mich der Zielgruppe auch nur bedingt zugehörig.

Höllenfeuer“ von Jack Lance
Bei diesem klassischen Psychothriller gehörte ich zwar zur Zielgruppe, aber da flog einfach kein Funke über. Ich mochte die Figuren nicht besonders, fand die Handlung oft unlogisch und die Auflösung auch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Auch hier wieder eine spannende Idee: Ein  junger Mann, der bei einer Werbeagentur arbeitet, erhält ein Foto von einem Grabstein, auf das jemand „Du bist tot“ geschrieben hat.
Er versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat und findet eben irgendwas heraus. Muss man nicht gelesen haben.

Beastly“ von Alex Flinn
Nun zu einem hübschen Mädchenroman, der auch mit dem selben Titel verfilmt wurde. Die bekannte Geschichte über „Die Schöne und das Biest“ wird ins heutige New York übertragen. Der reiche und arrogante Kyle verscherzt es sich mit einer Hexe und wird in ein Biest verwandelt. Nur die wahre Liebe von und zu einem anderen Menschen und der dazugehörige erste Kuss kann ihn zurückverwandeln…  Und weil es eben so eine Art Remake ist, kann man sich ja vorstellen, wie es ausgeht. Aber auf dem Weg dahin überrascht die Autorin mit netten Einfällen, Humor und einem wirklich angenehmen Stil. Ich hab das Buch an einem sonnigen Sonntag auf dem Balkon verschlungen (ach ja… Sonne… Balkon… mir geht die kalte Jahreszeit jetzt schon auf den Keks).

Kalte Stille“ von Wulf Dorn
Der zweite Roman von Herrn Dorn, den ich jedem Sebastian Fitzek-Fan in die Hand drücke. Wirklich ein absolut spannender und atmosphärischer Psychothriller!
Einen jungen Psychiater verschlägt es wegen eines Vorstellungsgesprächs in seine Heimatstadt und damit in seine eigene Vergangenheit. Als Kind war er Schuld am Verschwinden seines Bruders, welches nie aufgeklärt werden konnte. Er macht sich auf die Suche nach Antworten und die sind natürlich dem Genre entsprechend schrecklich.
Wieder so ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann, weil er immer wieder neue Fragen aufwirft, rasant, spannend und gut geschrieben ist. Toll!

Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“ von Junot Diaz
Auch hier steht die Vergangenheit im Vordergrund. Der dicke Nerd Oscar lebt mit seiner Mutter und seine Schwester Lola in New Jersey, doch ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Aus verschiedenen Sichten erfahren wir die Geschichte seiner Familie und die seines kurzen wundersamen Lebens.
Ein sehr buntes, aufregendes, dramatisches, witziges und informatives Lesevergnügen, denn der Autor springt in den Zeiten und an den Orten hin und her und versorgt den Leser mit reichlich vielen Fußnoten zur jeweiligen Geschichte und Kultur. Intelligente Unterhaltung in sehr knackiger und teils deftiger Sprache – sehr lesenswert!

Der eine ist stumm, der andere ein Blinder“ von Akif Pirincci
Bisher hat mich noch keiner seiner Romane enttäuscht, auch dieser ist wieder ein absoluter Hammer! Ja, er hats einfach drauf! 😉
Ein Thriller (ohne Katzen), in dem zwei Ermittler, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben, einem Kindermörder auf der Spur sind.
Manche Krimis sind einfach Krimis. Aber was Pirincci hier wieder in seinem glasklarem Stil gezaubert hat, ist vielschichtig, spannend und aufregend: Absolute Empfehlung!

Lokalhelden“ von Jörg Harlan Rohleder
Da der Autor, genau wie ich, Mitte der 70er geboren ist, hat mir der Roman besonders viel Spaß gemacht. Eine unterhaltsame Reise zurück in die Teenagerzeit der 80er und 90er. Ich bin zwar nicht in der schwäbischen Provinz aufgewachsen, aber hatte viele „Ach jaaa….“ Momente, denn Rohleder hat ein stimmungsvolles Zeitportät geschrieben, mit vielen Erwähnungen von Ereignissen, Namen, Songs und Dingen, an die man schon eine Weile nicht mehr gedacht hat. Lesenswerte Zeitreise!

Ich will dich nicht töten“ von Dan Wells
Der dritte und letzte Band über den Teenager John Cleaver, der in sich selbst die Anlagen zum Serienkiller verspürt, doch lieber stattdessen Dämonen tötet. Im zweiten Teil hatte er sich eine Dämonin zum Feind gemacht, die nun in seiner Heimatstadt ihr Unwesen treibt. Er weiß nur nicht, in welchem Körper sie steckt. Gleichzeitig hat er seine erste richtige Freundin, was sein Gefühlsleben total durcheinander bringt: Will er sie nun küssen oder umbringen?
Ich mochte die Mischung aus Teenagerdrama, Komödie und Horrorthriller sehr und kann sie jedem „Dexter„-Fan sehr ans Herz legen! Man muss die ersten beiden Romane nicht gelesen haben, aber man würde sich den Spaß verderben, wenn man sie im Anschluss doch noch lesen möchte, denn dann gibt es nicht mehr viele Überraschungen.

Teufelszeug“ von Joe Hill
Der zweite Roman von Stephen Kings Sohn Joseph Hillstrom King. Leider sieht das Cover sehr nach reinem Horror aus, das wird viele abschrecken, denn der Roman ist nur nebenbei ein wenig höllisch, an sich eher eine spannende Psychostudie: Nach einer durchzechten Nacht wacht Ig mit Teufelshörnern auf der Stirn auf. Alle Menschen, die sich in seiner Nähe befinden, scheinen die Hörner kaum zu bemerken und erzählen ihm völlig unbefangen ihre schwärzesten Gedanken. Ig macht sich mit dieser neuen Macht bewaffnet auf die Suche nach dem Mörder seiner Freundin.
Joe Hill schreibt jetzt schon so gut, wie sein Vater in seinen besten Zeiten: Knackig, stimmungsvoll, überraschend, und er schafft es schon mit den ersten Sätzen die Bilder im Kopfkino loslaufen zu lassen: Großartige und intelligente Unterhaltung vom Prinzen des Horrors!

Freiheit“ von Jonathan Franzen
Nun kommen wir zum derzeit meistgelobten Roman. Ja, auch mich hat er begeistert! Über zwei Generationen verfolgen wir die Familiengeschichte der Berglunds, einer auf den ersten Blick normalen amerikanischen Familie.
Ich habe die „Korrekturen“ noch nicht gelesen (aber schon eine ganze Weile hier zu liegen), nur schon einige Romane, die mit diesem verglichen wurden, daher kann ich nichts darüber sagen, ob er sich selbst kopiert hat. Mir hat der Roman sehr gefallen, die tiefe und ausführliche Figurenzeichnung und die Geschichte, ich hab mich keine Zeile lang gelangweilt und war überrascht, wie schnell ich diesen dicken Wälzer durchgelesen hatte.
Auch hier: Ausdrückliche Leseempfehlung!

Flora Segundas magische Missgeschicke“ von Ysabeau S. Wilce
Zuerst hatte ich ja etwas Angst, dass sich dieser Jugendroman als ein Abklatsch der wunderbaren „Flavia de Luce“ entpuppen könnte (der Name, die Zeichnung auf dem Cover…), doch sie wurde zum Glück nicht bestätigt: Ein wahrhaft magischer Roman, der in einer Realität spielt, in der man als Tochter einer Offiziers-Mutter und einem geisteskranken Vater in einem Haus mit elftausend Zimmern lebt, die hin und wieder ihre Standorte wechseln, in dem es einen Fahrstuhl gibt, der einen selten an den gewünschten Ort bringt, in dem es einst einen Butler gab, der dafür sorgte, dass es in dem nun verfallenen Haus „täglich Waffeln“ gab „und die Handtücher rochen nach Zitronen“. Eines Tages lernt sie in einem der vielen unbewohnten Zimmer Valefor kennen, der ihr erzählt, dass er der verbannte Butler ist und ihr helfen kann, den alten Zustand wiederherzustellen, für ein bisschen ihrer Lebensenergie. Dabei braucht sie doch ihre Energie dafür, ihren Helden, und den ihres besten Freundes Udo, zu retten, der durch ihre Mutter zum Tode verurteilt wurde.
Ein düsterer Jugendroman, der vor kreativen und schwarzhumorigen Ideen nur so sprudelt, und wieder so ein Roman, von dem ich mir eine Tim Burton-Verfilmung wünsche!

Und nun…
Gute Nacht!

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Kommentare
  1. […] In „Horns“ (deutscher Buchtitel war „Teufelszeug“ – Rezi von mir dazu hier) erwacht ein Mann nach einer durchzechten Nacht mit Teufelshörnern auf der Stirn, was eine […]

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