Archiv für die Kategorie ‘Buchhändlernähkästchen’

Die Kundenanfrage des Monats:

Veröffentlicht: 18. März 2010 in Buchhändlernähkästchen

„Haben Sie Wörterbücher für Fingernägel?“

Die Frage wurde nicht mir sondern meiner Kollegin gestellt, die kichernd in den Pausenraum kam.
Die Kundin war auf der Suche nach einem Bildband über Nagellackdesigns.

Gestern unterhielt sich eine Kundin intensiv mit den kleinen Holzengeln, die bei uns an der Kasse stehen.

Ich schätze, es gibt sehr viel langweiligere Arbeitsplätze als Buchhandlungen… 😉

(Die nächsten Rezis sind schon in Arbeit!)

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Gestapelte Literatur

Veröffentlicht: 16. September 2009 in Buchhändlernähkästchen

Diese winzige Buchhandlung hab ich letzte Woche in Griechenland gesehen. Das Genie, welches dieses Chaos hoffentlich beherrscht, war allerdings nicht in Sicht.

Ich wage gar nicht auszurechnen, wie viele Rezensionen ich mittlerweile nachzuholen habe… Aber sie folgen bald, versprochen!

Weil wir, selbst wenn draußen nur 24 Grad sind, eine Innentemperatur von 34 Grad haben. Schwüle 34 Grad. Höllische 34 Grad. Die Bücher wirken wie eine Dämmung, die Hitze ist einfach nicht rauszubekommen.

Weil man deswegen alle paar Minuten erklären muss, dass die Klimaanlage nicht kaputt, sondern nicht vorhanden ist.

Weil viele schwitzenden Kunden sich die Bücher unter den Arm klemmen, um beide Hände frei zu haben, wenn sie im nächsten blättern.

Weil einige Männer ihre Geldscheine in der Hosentasche transportieren und einem dann so einen nassen Geldlappen in die Hand drücken.

Weil die Kunden mit tropfendem Eis durch den Laden schlendern. (Ohnehin ein merkwürdiges Phänomen: Ich wurde noch so erzogen, dass man in Geschäften weder isst noch trinkt. Früher gab es auch entsprechende Aufkleber an den Eingangstüren. Heute scheint das keine Sau mehr zu interessieren.)

Wenn ich schon nicht dazu komme, meine Rezis zu schreiben, hier mal wieder ein paar nette Kundenfragen der letzten Tage:

Ein älterer Herr: „Ich soll für meine Enkelin ein Buch mitbringen. Das heißt Zum Abendbrot.“
Die Enkelin meinte natürlich den dritten Teil der „Bis(s)“-Reihe von Frau Meyer „Bis(s) zum Abendrot“.

Ein junger Mann: „Ich hätte gern einen Roman von dem kürzlich verstorbenen Autor John Update.“
Wenn sich John Updike da mal nicht um Grabe umgedreht hat…

Der Knaller war nun Donnerstag eine Frau um die 30…
Kundin: „Ich suche einen Krimi von einem Heiner. Ich glaube, das heißt Todesfluch.“
Ich schaue im Computer nach „Todesfluch“ und bekomme zwei Autoren, aber keiner der beiden heißt Heiner.
Ich: „Heiner mit E I?“
Kundin: „Ja.“
Nun gab es einige Heiner, aber keiner mit Todesflüchen oder sonstigen spannenden Titeln.
Die Frau sah sich überlegend um und griff plötzlich nach einem Buch: „Hier ist ja eins von ihm!“
…. Und zeigt mir „Die Stunde des Todes“ von Paul Cleave.
Ich sehe sie fragend an. Sie zeigt mit dem Finger auf das Heyne-Logo in der Ecke…
Ich: „Das ist der Verlag.“
Sie: „Oh.“
Ich rufe noch mal die Todesflüche im Rechner auf und siehe da: „Todesfluch“ von J. R. Ward erscheint im Mai beim Heyne-Verlag.

Sprachführer Kunde – Deutsch

Veröffentlicht: 9. Oktober 2008 in Buchhändlernähkästchen

In der Buchhandlung:

Kunde: „Ich hätte gern mal eine Frage“
Damit könnte ich natürlich sofort dienen, ich hab jede Menge Fragen, welches Thema hätten Sie denn gern? Doch der Kunde meint eigentlich…
Deutsch: „Vielleicht können Sie mir helfen, ich habe da mal eine Frage“

Kunde: „Gibt es in Ihrer Bücherei (oder Bibliothek) …“
Erschreckend. Mein innerer Klugscheißer windet sich jedes Mal vor Krämpfen.
Deutsch: „Gibt es in Ihrer Buchhandlung (oder Buchladen) …“

Kunde: „Ich hab auch eine ISDN-Nummer“
Das ist schön, aber hilft mir wenig beim Suchen von Büchern. Wobei es auch schon Kunden gegeben hat, die ISBN-Nummern angerufen und sich gewundert haben, dass da keiner zu erreichen war, um ihre Bestellung entgegen zu nehmen.
Deutsch: „Ich habe auch die ISBN-Nummer.“

Kunde: „Kann man das einpacken?“ oder „Das hätte ich gerne eingepackt.“
Und ich hätte gern wieder Urlaub oder viel Geld oder im Idealfall beides gleichzeitig.
Natürlich kann man Bücher einpacken. Auf Grund des Formates geht das sogar ganz einfach und schnell. Dafür braucht man nur einen Bogen Geschenkpapier, drei Streifen Tesa und Geschenkband. Doch gemeint ist…
Deutsch
: „Können Sie mir das Buch bitte als Geschenk verpacken?“

Verkäufer/in: „Möchten Sie eine Tüte?“
Kunde: „Wenn Sie eine hätten?“
Wenn ich keine hätte, würde ich diese Frage nicht stellen.
Deutsch: „Ja, gern.“

Da wohne ich bereits einige Jahre in Dresden und falle noch immer gelegentlich darauf herein:

Eine Kundin möchte ihr bestelltes Buch abholen und nennt mir ihren Namen. Nachdem ich eine Weile erfolglos das Regal durchforstet habe, fügt sie hinzu: „Mit B, wie Baula.“

Doch eigentlich wollte ich jetzt von meinen letzten Büchern erzählen.

Arcadia“ von Samantha Devin

Erst kürzlich habe ich einen Artikel über junge Schriftstellerinnen gelesen und eine von ihnen hatte in ihrer Anfangszeit ernsthaft überlegt, sich ein männliches Pseudonym zuzulegen, um ernstgenommen zu werden. Ich kann das gut verstehen, denn ich erwische mich selbst häuftig mit Vorurteilen. So auch hier. Doch der Klappentext klang interessant und schon nach wenigen Seiten hatte sie mich.

Julia Aridell ist 33, Schriftstellerin, gelangweilt und enttäuscht vom Leben. Finanziell unabhängig verbringt sie ihre Tage in selbstgewählter Einsamkeit mit Nichtstun. Bis eines Tages ein unbekannter Anrufer diesen einen Satz sagt: „Et in arcadia ego
Zwei Jahre zuvor hatte eine Mutter ihre Tochter und beinahe auch ihren Sohn grausam ermordet und sich mit diesem Satz (eingestickt in ein Kissen, wenn ich mich nicht irre) fotographieren lassen. Julias Neugier ist geweckt und wird zur Obsession. Unter dem Vorwand, einen Roman über diesen Fall zu schreiben, besucht sie die Mörderin im Gefängnis und trifft etwas später auch auf Daniel, den Bruder des toten Mädchens. Ein Junge mit einer faszinierenden Ausstrahlung, der sie sich nicht entziehen kann. Eine folgenschwere Begegnung.

Eine ausgewogene und interessante Mischung, man erfährt einiges über griechische Mythologie, philosophische und moralische Fragen werden aufgeworfen (zum Glück nicht beantwortet) und insgesamt eine spannende Rahmenhandlung mit einigen Überraschungen. Gut gefallen hat mir auch, dass sich die Figuren selten in die Karten schauen ließen und sich die wenigsten in klassische Schubladen einsortieren lassen. Ungewöhnliche und intelligente Unterhaltung, sehr lesenswert!

Jeder Mensch, jede Familie, jedes Volk wählte aus dem unendlichen Spektrum der Möglichkeiten eine begrenzte Anzahl von Mitteln aus, um sich eine eigene Realität zu konstruieren und, ausgehend von dieser, mit der Umwelt zu interagieren. Im Normalfall existierten diese Realitäten friedlich nebeneinander. Andernfalls kam es zu Konflikten und Kriegen oder, wie bei mir, zum Zerfall von Wertvorstellungen.“ (S. 104)

***

Firmin – Ein Rattenleben“ von Sam Savage

Drei Gründe sprachen bereits vor dem Lesen für dieses Buch:

1.: Ansprechende Antik-Optik. Die Seiten sind am rechten Längstschnitt ungleichmässig geschnitten.
2.: Eine Ratte erzählt aus ihrem Leben. Ich mag Ratten und hatte selbst mal eine.
3.: Bücher über Bücher, Leser, Buchhandlungen, Literatur und Schriftsteller… schon klar, oder?

Die Ratte Firmin wächst in den 60ern mit 12 Geschwistern und einer alleinerziehenden, überwichtigen, alkohlsüchtigen Rattenmutter in den Wänden einer Buchhandlung auf. Als kleinstes und schwächstes Kind bleibt ihm häufig nichts anderes, als sich von Buchseiten der Klassiker zu ernähren. Während seine Geschwister und auch seine Mutter irgendwann ihre eigenen Wege gehen, bleibt Firmin, lernt lesen, und liest und futtert sich durch die Weltliteratur. Er fühlt sich zu den Menschen hingezogen, denkt und fühlt ähnlich wie sie, doch ist und bleibt eine einsame Ratte.

Ein hübscher Lesespaß, wenngleich auch oft düster und traurig. In der Mitte gibt es ein paar Längen.

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Dem Tode nah“ von Linwood Barclay

Den Thriller habe ich, genau wie den letzten Roman von Barclay („Ohne ein Wort„), an einem Tag gefressen. Man findet einfach keinen Punkt, um eine Pause einzulegen und ist getrieben von der Neugier, wie sich die Geschichte wohl auflösen wird.

Der 17jährige Derek hat einen Plan. Die Nachbarn, sein bester Freund und dessen Eltern, wollen in den Urlaub fahren. Er versteckt sich bei ihnen im Keller und will sich dort später heimlich mit seiner Freundin treffen. Doch der Traum vom ungestörten Liebesnest wird zum Alptraum, denn er wird Zeuge der Ermordung der Nachbarsfamilie. Es dauert nicht lange, da gerät er selbst in Verdacht.

Wie auch bei „Ohne ein Wort“ wird der Prolog vom unmittelbar Betroffenen, hier Derek, erzählt. Der Roman selbst von seinem Vater.

Rasante und schmackhafte Fast-Food-Kost. Wirklich gute Unterhaltung!

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Über das Schreiben“ von Sol Stein

Hier bin ich der Empfehlung von Andreas Eschbach gefolgt. Ungelesen verstaubte es über ein Jahr im Regal, fiel mir nun in die Hände und entpuppte sich nach wenigen Seiten als spannende Lektion über das Schreiben. Unterhaltsam und anschaulich geschrieben, voller Informationen, Beispiele, Tricks und Kniffe.

Für Interessierte absolut empfehlenswert!

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Columbus war ein Engländer“ von Stephen Fry

Mein aktuelles Buch, ich bin gerade im ersten Viertel, also sind die Informationen noch rar. Der Schauspieler und Schriftsteller Stephen Fry erzählt von seiner Kindheit und Jugend, die er hauptsächlich in Internaten verbrachte.

Wie auch seine Romane sehr unterhaltsam und flüssig geschrieben, macht Laune!

Vorhin hatten wir zwei Mädels da, beide in Ärzte-Shirts, die, vor Glück strahlend und kichernd, jede knapp 100€ für je eine handsignierte und limitierte Sonderausgabe von Farin Urlaubs dickem Bildband „Indien & Bhutan“ ausgegeben haben. Das Buch ist eigentlich als vergriffen gemeldet, warum wir diese Sonderausgaben haben, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Die Mädchen waren total aus dem Häuschen und ihre gute Stimmung echt ansteckend!

Niedlich war auch ein Italiener vorhin, der sich freudestrahlend mit „Guten Morgen!“ verabschiedete. (Ja, genau wie: „Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen!“)

Und diese zwei Bücher haben mich heute vor Freude strahlen lassen:

Eine Kollegin hat mir eine Kiste mit Leseexemplaren geschickt, die noch in der alten Filiale für mich angekommen sind. Darunter nun diese beiden Schmuckstücke!
Der King hier ist keine Fortsetzung der „Dunkle Turm„-Reihe, sondern erzählt aus der Jugend vom Revolvermann Roland. King hat daran mitgewirkt und der vierte Band der Saga („Glas„) diente als Grundlage und Inspiration. Obwohl ich sonst so gut wie keine Comics lese (sieht man mal von Cartoons wie diesem oder diesem ab), bin ich mordsgespannt auf das ungewohnte Leseerlebnis und freu mich wie Bolle, endlich mein eigenes Exemplar zu besitzen!

Der Klappentext bei Tony Parsons „Als wir unsterblich waren“ verspricht Folgendes:
„16. August 1977. Eine endlose Sommernacht. Die Nacht nach dem Tod von Elvis. Es liegt etwas in der Luft, das mehr ist als Punk. Alles scheint möglich. Die drei Freunde Terry, Ray und Leon ziehen in dieser Nacht gemeinsam durch London. Sie sind auf der Suche nach dem schönsten Mädchen der Welt… Ein wildes und authentisches Buch über das Ende einer Jugend und den Anfang einer Liebe. Ein Roman für alle, die nicht erwachsen werden wollen. Und für alle, die es eigentlich längst sind.“
In der Mittagspause schon mal angelesen und die ersten Seiten für gut befunden!

Die „Vergebung“ ist ausgelesen und die versprochene Lobhudelei wird bald folgen! 😉