Archiv für die Kategorie ‘Drama’

Heute gibts mal wieder ein paar neue Rezensionen von Büchern, die ich von Anfang bis Ende gelesen habe. Zwei davon eigentlich nur, weil mich die Auflösung der Geschichte interessierte. Und die kommen jetzt gleich zu Beginn:

Daemon: Die Welt ist nur ein Spiel“ von Daniel Suarez
Die Idee klingt erstmal spannend: Nach seinem Ableben scheint ein reicher Computerspieleentwickler im Internet sehr lebendig zu sein. Er schaltet Gegner aus, rekrutiert sich eine Armee, erpresst Großkonzerne, manipuliert die Medien. Auch die Umsetzung war spannend, aber ein paar Dinge haben mich gestört: Nirgends war zu erkennen (bis dann auf das sehr offene Ende), dass es sich hier wieder um einen Mehrteiler handelt, es gab ein paar unnötigen Längen und zwischendurch war es mir dann doch zu viel Computertechnikzeugs. Doch ich fühl mich der Zielgruppe auch nur bedingt zugehörig.

Höllenfeuer“ von Jack Lance
Bei diesem klassischen Psychothriller gehörte ich zwar zur Zielgruppe, aber da flog einfach kein Funke über. Ich mochte die Figuren nicht besonders, fand die Handlung oft unlogisch und die Auflösung auch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Auch hier wieder eine spannende Idee: Ein  junger Mann, der bei einer Werbeagentur arbeitet, erhält ein Foto von einem Grabstein, auf das jemand „Du bist tot“ geschrieben hat.
Er versucht herauszufinden, was es damit auf sich hat und findet eben irgendwas heraus. Muss man nicht gelesen haben.

Beastly“ von Alex Flinn
Nun zu einem hübschen Mädchenroman, der auch mit dem selben Titel verfilmt wurde. Die bekannte Geschichte über „Die Schöne und das Biest“ wird ins heutige New York übertragen. Der reiche und arrogante Kyle verscherzt es sich mit einer Hexe und wird in ein Biest verwandelt. Nur die wahre Liebe von und zu einem anderen Menschen und der dazugehörige erste Kuss kann ihn zurückverwandeln…  Und weil es eben so eine Art Remake ist, kann man sich ja vorstellen, wie es ausgeht. Aber auf dem Weg dahin überrascht die Autorin mit netten Einfällen, Humor und einem wirklich angenehmen Stil. Ich hab das Buch an einem sonnigen Sonntag auf dem Balkon verschlungen (ach ja… Sonne… Balkon… mir geht die kalte Jahreszeit jetzt schon auf den Keks).

Kalte Stille“ von Wulf Dorn
Der zweite Roman von Herrn Dorn, den ich jedem Sebastian Fitzek-Fan in die Hand drücke. Wirklich ein absolut spannender und atmosphärischer Psychothriller!
Einen jungen Psychiater verschlägt es wegen eines Vorstellungsgesprächs in seine Heimatstadt und damit in seine eigene Vergangenheit. Als Kind war er Schuld am Verschwinden seines Bruders, welches nie aufgeklärt werden konnte. Er macht sich auf die Suche nach Antworten und die sind natürlich dem Genre entsprechend schrecklich.
Wieder so ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann, weil er immer wieder neue Fragen aufwirft, rasant, spannend und gut geschrieben ist. Toll!

Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“ von Junot Diaz
Auch hier steht die Vergangenheit im Vordergrund. Der dicke Nerd Oscar lebt mit seiner Mutter und seine Schwester Lola in New Jersey, doch ihre Wurzeln liegen in der Karibik. Aus verschiedenen Sichten erfahren wir die Geschichte seiner Familie und die seines kurzen wundersamen Lebens.
Ein sehr buntes, aufregendes, dramatisches, witziges und informatives Lesevergnügen, denn der Autor springt in den Zeiten und an den Orten hin und her und versorgt den Leser mit reichlich vielen Fußnoten zur jeweiligen Geschichte und Kultur. Intelligente Unterhaltung in sehr knackiger und teils deftiger Sprache – sehr lesenswert!

Der eine ist stumm, der andere ein Blinder“ von Akif Pirincci
Bisher hat mich noch keiner seiner Romane enttäuscht, auch dieser ist wieder ein absoluter Hammer! Ja, er hats einfach drauf! 😉
Ein Thriller (ohne Katzen), in dem zwei Ermittler, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben, einem Kindermörder auf der Spur sind.
Manche Krimis sind einfach Krimis. Aber was Pirincci hier wieder in seinem glasklarem Stil gezaubert hat, ist vielschichtig, spannend und aufregend: Absolute Empfehlung!

Lokalhelden“ von Jörg Harlan Rohleder
Da der Autor, genau wie ich, Mitte der 70er geboren ist, hat mir der Roman besonders viel Spaß gemacht. Eine unterhaltsame Reise zurück in die Teenagerzeit der 80er und 90er. Ich bin zwar nicht in der schwäbischen Provinz aufgewachsen, aber hatte viele „Ach jaaa….“ Momente, denn Rohleder hat ein stimmungsvolles Zeitportät geschrieben, mit vielen Erwähnungen von Ereignissen, Namen, Songs und Dingen, an die man schon eine Weile nicht mehr gedacht hat. Lesenswerte Zeitreise!

Ich will dich nicht töten“ von Dan Wells
Der dritte und letzte Band über den Teenager John Cleaver, der in sich selbst die Anlagen zum Serienkiller verspürt, doch lieber stattdessen Dämonen tötet. Im zweiten Teil hatte er sich eine Dämonin zum Feind gemacht, die nun in seiner Heimatstadt ihr Unwesen treibt. Er weiß nur nicht, in welchem Körper sie steckt. Gleichzeitig hat er seine erste richtige Freundin, was sein Gefühlsleben total durcheinander bringt: Will er sie nun küssen oder umbringen?
Ich mochte die Mischung aus Teenagerdrama, Komödie und Horrorthriller sehr und kann sie jedem „Dexter„-Fan sehr ans Herz legen! Man muss die ersten beiden Romane nicht gelesen haben, aber man würde sich den Spaß verderben, wenn man sie im Anschluss doch noch lesen möchte, denn dann gibt es nicht mehr viele Überraschungen.

Teufelszeug“ von Joe Hill
Der zweite Roman von Stephen Kings Sohn Joseph Hillstrom King. Leider sieht das Cover sehr nach reinem Horror aus, das wird viele abschrecken, denn der Roman ist nur nebenbei ein wenig höllisch, an sich eher eine spannende Psychostudie: Nach einer durchzechten Nacht wacht Ig mit Teufelshörnern auf der Stirn auf. Alle Menschen, die sich in seiner Nähe befinden, scheinen die Hörner kaum zu bemerken und erzählen ihm völlig unbefangen ihre schwärzesten Gedanken. Ig macht sich mit dieser neuen Macht bewaffnet auf die Suche nach dem Mörder seiner Freundin.
Joe Hill schreibt jetzt schon so gut, wie sein Vater in seinen besten Zeiten: Knackig, stimmungsvoll, überraschend, und er schafft es schon mit den ersten Sätzen die Bilder im Kopfkino loslaufen zu lassen: Großartige und intelligente Unterhaltung vom Prinzen des Horrors!

Freiheit“ von Jonathan Franzen
Nun kommen wir zum derzeit meistgelobten Roman. Ja, auch mich hat er begeistert! Über zwei Generationen verfolgen wir die Familiengeschichte der Berglunds, einer auf den ersten Blick normalen amerikanischen Familie.
Ich habe die „Korrekturen“ noch nicht gelesen (aber schon eine ganze Weile hier zu liegen), nur schon einige Romane, die mit diesem verglichen wurden, daher kann ich nichts darüber sagen, ob er sich selbst kopiert hat. Mir hat der Roman sehr gefallen, die tiefe und ausführliche Figurenzeichnung und die Geschichte, ich hab mich keine Zeile lang gelangweilt und war überrascht, wie schnell ich diesen dicken Wälzer durchgelesen hatte.
Auch hier: Ausdrückliche Leseempfehlung!

Flora Segundas magische Missgeschicke“ von Ysabeau S. Wilce
Zuerst hatte ich ja etwas Angst, dass sich dieser Jugendroman als ein Abklatsch der wunderbaren „Flavia de Luce“ entpuppen könnte (der Name, die Zeichnung auf dem Cover…), doch sie wurde zum Glück nicht bestätigt: Ein wahrhaft magischer Roman, der in einer Realität spielt, in der man als Tochter einer Offiziers-Mutter und einem geisteskranken Vater in einem Haus mit elftausend Zimmern lebt, die hin und wieder ihre Standorte wechseln, in dem es einen Fahrstuhl gibt, der einen selten an den gewünschten Ort bringt, in dem es einst einen Butler gab, der dafür sorgte, dass es in dem nun verfallenen Haus „täglich Waffeln“ gab „und die Handtücher rochen nach Zitronen“. Eines Tages lernt sie in einem der vielen unbewohnten Zimmer Valefor kennen, der ihr erzählt, dass er der verbannte Butler ist und ihr helfen kann, den alten Zustand wiederherzustellen, für ein bisschen ihrer Lebensenergie. Dabei braucht sie doch ihre Energie dafür, ihren Helden, und den ihres besten Freundes Udo, zu retten, der durch ihre Mutter zum Tode verurteilt wurde.
Ein düsterer Jugendroman, der vor kreativen und schwarzhumorigen Ideen nur so sprudelt, und wieder so ein Roman, von dem ich mir eine Tim Burton-Verfilmung wünsche!

Und nun…
Gute Nacht!

Hier haben wir eine gute Mischung von „normalen“ Romanen:

Der schwächste war sicher „Sperm & Egg“ von Ryan Boudinot, denn was auf dem Klappentext noch nach witzigem Roman klingt, ist in Wirklichkeit der Bericht über eine Beziehung, die es vor 20 Jahren gab, aus zwei Sichten. Nicht schlecht, aber weit unter meiner (wohl falschen) Erwartung.
Der Retter der Welt“ von John Wray ließ mich ebenfalls etwas ratlos zurück: Fand ich das gerade Gelesene nun gut oder nicht? Es geht hier um den 16jährigen William Heller, der sich selbst Lowboy nennt, und durch die New Yorker U-Bahn geistert, um die Welt zu retten. Lowboy ist schizophren und gilt als gefährlich, nicht zuletzt, weil er seine Freundin vor eine Bahn geworfen hat. Manche Szenen und besonders die Einblicke in seine Gedankenwelt sind wirklich grandios, doch die Geschichte als Ganzes konnte bei mir keinen Begeisterungsfunken entzünden.
Hier sorgt nicht nur der Titel für ein Grinsen: Der „Haarweg zur Hölle – Ein hart gerockter Heimatroman“ von Hermann Bräuer macht einfach Spaß, nicht mehr, aber auch nicht weniger! München in den 80er Jahren. Ein paar Schüler gründen eine Hair Metal-Band namens Llord Nakcor und träumen den Rockstartraum: Frauen, Geld, Ruhm. Natürlich ist das mit dem Träumen so eine Sache, denn die meisten scheitern an der schnöden Realität. Ein herrlich selbstironischer und unterhaltsamer Roman, vielleicht auch leicht autobiographisch?
Auf „PopCo“ von Scarlett Thomas war ich ziemlich gespannt, „Troposphere“ hatte mich sehr begeistert. „PopCo“ war nun etwas ruhiger, aber mir hat diese Stimmung gut gefallen, man hatte das Gefühl, ganz dicht an der Hauptfigur dran zu sein. Alice arbeitet bei dem Spieleentwickler „PopCo“ und besucht ein mehrtägiges Seminar. Dort erhält sie anonyme verschlüsselte Botschaften. Auf diesem Gebiet kennt sie sich gut aus, wie man in den Rückblicken erfährt. Viel Wissenswertes, viel Philosophie, verpackt in eine spannende Geschichte und sehr angenehme Schreibe!
Eine interessante Reise in die Vergangenheit verschafft einem Joyce Johnson mit „Warten auf Kerouac„! Der autobiographische Roman beginnt mit ihrer eigenen Jugend und zeichnet damit ein wunderbares Porträt dieser Zeit. Von Kerouac erscheint übrigens im September eine überarbeitete und erweiterte Fassung von „On the Road“ („Unterwegs“), auf die ich schon sehr neugierig bin!
Natürlich war auch der neue John Irving Pflicht! „Letzte Nacht in Twisted River“ war deutlich besser als seine letzten Romane, kommt aber an seine Klassiker (mein Lieblingsroman von ihm bleibt wohl für immer „Owen Meany„) doch nicht ganz ran. Es tauchen die typischen Irving Themen auf, aber diesmal nicht so aufdringlich. Ein schönes Lesevergnügen, bei dem man häufiger Appetit bekommt, denn die Hauptfigur ist ein Koch auf der Flucht.
Nachteulen“ ist der zweite in Deutschland erschienene Roman von Chuck Klosterman, dessen „Eine zu 85% wahre Geschichte“ mich damals sogar zu einem Wortschatz-Special inspirierte. Dieser Roman ist nicht ganz so gut gelungen, dennoch lesenswert: Gleich auf den ersten Seiten erfährt man durch einen Zeitungsausschnitt von einem schweren Unwetter, bei dem viele Menschen sterben werden. Dann wird die Zeit zurückgespult und wir lernen die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt kennen und verfolgen ihr Leben bis zu diesem Unwetter. Interessant, kurzweilig, am Ende auch traurig, aber leider viel zu wenig Musik (im Vergleich zur „85% wahren Geschichte“).
Ich kann ja diese „freche Frauen“-Romane nicht ab und war daher am Anfang etwas skeptisch, doch das gab sich schnell, denn „Der Goldfisch meiner Schwester“ von Lisa Gabriele ist deutlich gehaltvoller: Eine spannende Psychostudie über zwei sehr ungleiche Schwestern und ihren alleinerziehenden Vater, gewürzt mit viel schwarzem Humor und Ironie. Mehr davon!

Dieses war der vierte Streich, doch der letzte folgt sogleich!

Mädchenmörder: Ein Liebesromanvon Thea Dorn

Ich war es vor dem Lesen und bin es jetzt danach: Zwiegespalten. Es war mein erster Roman von Frau Dorn, die ich vorher nur aus Artikeln und aus dem Fernsehen kannte. Nach diesen ersten Eindrücken kein Mensch, mit dem ich gern mal plaudernd zusammen sitzen würde, für mich kommt sie sehr hart und kalt rüber, kein Sympathieträger, aber ich glaube, das will sie auch gar nicht sein. Als ich mit dem Buch begann, war ich von ihrem Stil recht angetan, doch im zweiten Teil des Buches gibt es einen überraschenden Twist, an sich ok, aber zu sehr in die Länge gezogen und zäh. Teilweise auch unglaubwürdig, doch darüber will ich mich nicht streiten, die menschliche Psyche ist halt komplex und ich bin keine Psychologin.
Kurz zum Inhalt: Eine junge Frau wird von einem Psychopathen entführt, der mit ihr durch Europa reist und unterwegs munter Mädchen ermordet.
Wie gesagt, ich bin zwiegespalten: Ein interessantes, aber nicht ganz rundes Leseerlebnis.
Hier Frau Dorn dazu (Achtung: Spoiler!):

Dorn bei YouTube

Herr Tourette und ich von Pelle Sandstrak

Auch hier das Thema Psychologie, nur diesmal wirklich autobiographisch: Bei Pelle Sandstrak entwickelt sich in der Schulzeit ein Tourette-Syndrom, gepaart mit vielen Zwangshandlungen, die mit den Jahren immer stärker und zahlreicher werden.  Leider war das Krankheitsbild zu dieser Zeit in Schweden noch nicht sehr bekannt und er durchläuft erfolglos ein paar halbherzige Psychotherapien, bleibt also mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Die Krankheit wird immer extremer und für viele Tätigkeiten, wie z.B. eine Türschwelle übertreten, duschen, auf die Toilette gehen, für die ein „normaler Mensch“ (im Buch auch „die Normalvariante eines Menschen“ genannt), ein paar Minuten braucht, benötigt er oft einen halben Tag oder noch länger. Bis seine Erkrankung endlich erkannt und therapiert wird, vergehen viele Jahre, in denen er aus etlichen Jobs gefeuert wurde, immer weniger Kontakte zu anderen Menschen hatte, zeitweise Obdachlos war und abgrundtief verzweifelt.
Pelle Sandstrak erzählt seine Geschichte sehr mitreissend und mit einer guten Portion Humor und Selbstironie. Toll!

Allen Verschwörungstheoretikern sei versichert, es ist wirklich nur ein Zufall, dass es wieder genau 23 Bücher sind, die sich zwischenzeitlich angesammelt haben. 😉

Da einige der folgenden Romane noch nicht im Handel erschienen sind, darf ich aus rechtlichen Gründen nur wenig darüber schreiben.

Los geht’s:

1. „Die Brautprinzessinvon William Goldmann
(meine Ausgabe war allerdings diese)
Die Brautprinzessin wartete schon seit Jahren in einem Stapel auf ihren großen Auftritt, nun war es endlich soweit, und es entpuppte sich als ein sehr überraschendes Buch! Ähnlich wie bei Michael Endes „Unendliche Geschichte“ ist der Text zweifarbig und besteht aus einem „realen“ und einem „gelesenen“ Teil. Goldmann fasst ein (fiktives) Märchen zusammen und lässt alle langweiligen Szenen (wie zum Beispiel einen Umzug) einfach weg. Der Roman sprüht vor Wortwitz und überraschenen Wendungen – toll!

2. „Das Kind von Sebastian Fitzek
Bei den Thriller von Fitzek gilt immer: Mindestens einen halben Tag Zeit im Rücken haben, bevor man die erste Seite aufschlägt! Ich hab bisher für keinen seiner Romane länger als 1-2 Tage gebraucht (nur widerwillig unterbrochen für Arbeit, Schlaf und Nahrungsaufname), auch hier jagt ein Cliffhanger den nächsten und man brennt begierig auf Auflösung. Kurz zum Inhalt: Ein Junge glaubt fest daran, in einem früheren Leben Menschen umgebracht zu haben und kann sogar sagen, wo die Leichen liegen. Und dort werden auch welche gefunden… Mordsmässig spannend!

3. „Das Geheimnis der 100 Pforten von N. D. Wilson
Ein solides Jugendbuch: Henrys Eltern sind verschollen und er kommt bei seinem Onkel (die interessanteste Figur des Buches) und dessen Familie unter. In seinem Zimmer entdeckt er hinter der Tapete lauter Türen, hinter denen sich andere Welten befinden. Die Sprache ist recht einfach gehalten, die Handlung ist, bis auf ein paar Längen, spannend.

4. „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeetvon Alan Bradley
Was für eine Perle! Es war Liebe auf den ersten Blick, dieses wunderbare Cover hat mich sofort verzaubert, und der Inhalt erst… verdammt gut, von der ersten bis zur letzten Seite! Kaufen, genießen und auf die Fortsetzung lauern!
Flavia ist 11 Jahre alt und wohnt mit ihren beiden älteren Schwestern und ihrem Vater in einem englischen Dorf in den 50er Jahren. Sie ist etwas altklug, sehr schlau, leidenschaftliche Giftmischerin und neugierige Hobbydetektivin. Eines Morgens entdeckt sie im Garten eine Leiche. Ihr Vater kommt als Verdächtiger ins Gefängnis. Nun ist es an ihr diesen Fall aufzulösen.
Der erste (zum Glück abgeschlossene) Teil einer neuen Reihe und Alan Bradley wurde auf der Basis eines einzigen Kapitels mit dem Dagger Award ausgezeichnet. Absolut gerechtfertigt, absolut genial!

5. „Blankets von Craig Thompson
Nach der Testosteron-Graphic-Novel zu Kings Turm meine zweite Berührung zu dieser Gattung, ein gewagtes Geschenk, doch diesmal hat auch mich diese andere Art der Literatur total begeistert! Eine Liebesgeschichte, so real, so nah erzählt, das Zusammenspiel der Worte und Zeichnungen war wirklich ein absolut großartiges Gesamterlebnis! Danke! 🙂

6. „Das Haus der vergessenen Kindervon Christopher Ransom
Eine solide und stimmungsvolle Geisterhausgeschichte, die man aber nicht gelesen haben muss.

7. „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis von Pseudonymous Bosch
Und das war es in meinem Falle wirklich: Auf dem Leseexemplar, dass ich in die Hände bekam, stand nichts außer dem Titel. Und es entpuppte sich als wunderbares und spannendes Jugendbuch!

8. „Splitter von Sebastian Fitzek
Wieder ein klassischer Cliffhanger-Lesesuchtverursachender-Fitzek, nur war ich diesmal von der Auflösung enttäuscht.

9. „Dämonenhunger von Timothy Carter
Dies ist die Geschichte der Vernichtung der Welt. Es ist eindeutig keine Geschichte über irgendeinen Helden, der den Weltuntergang verhindert, obwohl natürlich Helden und Bösewichte darin vorkommen, ebenso wie phantastische Geschöpfe und Magie. Nicht zu vergessen Schlachten, Niederlagen und Siege. Doch freue dich nicht zu früh, liebe Leser. Dieses Buch wird trotzdem mit dem Untergang unserer guten alten Mutter Erde enden. Das Spiel wird nicht in letzter Minute abgepfiffen, es gibt keine schicksalshafte Kehrtwende und auch keinen überraschenden Schlussgag à la >Puh, das war jetzt aber knapp<.“ (S. 9)
Wer Autoren wie Christopher Moore oder Terry Pratchett mag, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen: Witziger und wilder Lesespaß, garantiert!

10. „Einfach losfahren von Fabio Volo
Dieses Buch sollte man allen armen pseudointellektuellen suchenden Coelho-Lesern in die Hand drücken: Hier, wenn ihr schon sowas braucht, nehmt doch gleich was richtig Gutes!
Ein feiner und schlauer Roman über das Leben und die Sinnsuche, intelligent und lebendig geschrieben, der sich nur im letzten Viertel etwas zu sehr im Kreis dreht.

11. „Die Dramaturgie des Tötens von Jincy Willett
Sehr spannender Thriller über eine Schreibgruppe mit einem äußerst bösartigen Teilnehmer. Erscheint im November.

12. „Alterra – Die Gemeinschaft der Dreivon Maxime Chattam
Diesen Jugendroman hab ich an einem Tag verschlungen! Er hat mich an „Die dreibeinigen Herrscher“ erinnert, weniger wegen der Story, wohl aber wegen der ähnlich spannenden Stimmung: Alle Erwachsenen sind über Nacht verschwunden oder haben sich in brutale Wesen verwandelt. Die Kinder und Jugendlichen sind nun auf sich selbst gestellt und nichts ist mehr, wie es mal war…
Großartig geschrieben! Gemein war nur das sehr offene Ende (und nun die Frage, wann der nächste Teil wohl erscheinen wird).

13. „Ich bin kein Serienkiller von Dan Wells
Erscheint erst Ende des Monats, daher nur soviel: Spannend, überraschend, gut!

14. „City Of Glass – Chroniken der Unterwelt 3 von Cassandra Clare
Ich war wieder schwer begeistert und traurig, dass die Trilogie nun abgeschlossen ist…

15. „Eine Insel von Terry Pratchett
Mal ein ganz anderer Pratchett – inwieweit seine Krankheit zu diesem vergleichsweise ruhigem philosophischen Roman beigetragen hat, kann man nur spekulieren. Nicht das sich die Alzheimererkrankung an sich bemerkbar macht, nein, es sind die großen Fragen über das Leben und den Tod, die hier so ins Gewicht fallen. Eine Naturkatastrophe (eine große Welle) überschwemmt eine Insel und alle Bewohner sterben. Nur ein Junge überlebt. Und ein Mädchen strandet, nach einem Schiffbruch, auf der Insel. Leider sprechen die beiden nicht die gleiche Sprache und haben eine sehr unterschiedliche Kinderstube genossen…
Anders als seine Scheibenweltromane, doch auf jeden Fall sehr lesenswert!

16. „Für Uwe von Christian Ulmen
Was der Horst Schlämmer bei Hape Kerkeling ist, ist der Uwe Wöllner bei Christian Ulmen. Und Uwe hat ein autobiographisches Buch geschrieben. Über den Tod seiner Mutter, seinen Job im Beerdigungsinstitut, die erste eigene Wohnung und die Liebe. 100% Uwe: Schräg, witzig, und irre unterhaltsam!

17. „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers von Jürgen Kuttner
Kuttners berühmte Videoschnipselvorträge in Buchform: Großartig! (Hoffentlich folgt auch mal eine DVD!)
Hier übrigens ein tolles Fundstück von 1994, wo im ORB eine Art „Sprechfunk-Blue Moon“ (der leider seit 2007 Dienstags ohne ihn stattfindet) mit dem Namen „Null Uhr Kuttner“ lief:

Null Uhr Kuttner auf YouTube

18. „Trigger von Wulf Dorn
Da auch dieser Thriller noch nicht erschienen ist, ultrakurz: Extrem spannender Psychothriller! Sehr geeignet für Fitzek-Anhänger!

19. „Der Simulant von Chuck Palahniuk
Nun hab ich ihn komplett, alle Romane von Palahniuk, die in Deutschland erschienen sind. Dieser wurde übrigens letztes Jahr unter dem Originaltitel „Choke“ verfilmt ( hab ihn noch nicht gesehen).
Wie immer ein verstörendes Bild der amerikanischen Gesellschaft – bitterböse, rabenschwarz, empfehlenswert!

20. „Haut von Mo Hayder
Erscheint erst im November. Daher auch hier nur ganz kurz: Wieder ein absolut fesselnder Thriller!

21. „Ich, John von Peter Murphy
Ein eher düsteres Drama: John wächst allein mit seiner religiösen Mutter in einem kleinen irischen Dorf auf. Sein größtes Interesse gilt Würmern. Erst in dem etwas älteren Jamey findet er einen Freund. Und dann passiert etwas, was die Leben der beiden Jungen komplett aus den Angeln reisst. Äußerst stimmungsvolle Geschichte über Freundschaft und die Mutter-Sohn-Beziehung, doch es hätten ein paar Würmer weniger vorkommen können.

22. „Vampir von John Marks
Ich hatte gezögert, bevor ich zugriff; Vampirromane überschwemmen momentan den Büchermarkt, der Großteil ist Schund. Doch dieser hier war ein echter Glücksgriff! Eine dichte Stimmung, der Bram-Stoker-Vergleich vom Klappentext ist keine Übertreibung, hier gibt es einen lupenreinen Stil (klassisch und zeitgenössisch zugleich), eine durchweg spannende Story, eine geschickte Mischung aus Tagebucheinträgen und E-Mails verschiedener Figuren. Was mich allerdings ein wenig geärgert gewundert hat: Die Hauptfigur, eine TV-Produzentin, die nach Rumänien reist, um dort einen mysteriösen Unterweltboss zu treffen, heißt mit Nachnamen Harker, und obwohl die gängigen Dracula-Klischees erwähnt werden, wird noch nicht mal selbstironisch darauf eingegangen, dass bei Stoker auch einst ein Harker in die Kaparten reiste, um einem unheimlichen Mann zu begegnen.
Doch bei dieser Korinthenkackerei soll es bleiben, sonst war ich schwer begeistert!

23. „Ein strahlend schöner Morgen von James Frey
Der Hauptdarsteller dieses Buches ist eindeutig Los Angeles. Ein ganz besonderes Porträt dieser, in vieler Hinsicht, besonderen Stadt. Ein Episodenroman, der die Geschichten einiger Einwohner erzählt, so nah, so packend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann. Dazwischen immer wieder Daten, Aufzählungen und Informationen über Los Angeles. Absolut Empfehlenswert!

Balkonbücher

Veröffentlicht: 20. April 2009 in Drama, Kurzgeschichten, Rezensionen, Unterhaltung

Zwar nicht ausschließlich, aber größtenteils auf dem Balkon gelesen. Danke, liebe Sonne! 😉

Notizbücher von Raymond Chandler
Von Chandler kannte ich bisher nur ein paar Kurzgeschichten und weiß, dass er die Philip Marlowe-Reihe geschrieben hat. Aber ich mochte seine Kurzgeschichten und Notizen von Schriftstellern lese ich ohnehin gern. Das dünne Taschenbuch hat wirklich einiges zu bieten: Vorwort von Patricia Highsmith, drei Kurzgeschichten, Notizen, Skizzen, Essays und Titelideen.
Chandler war schon ein Großer, ein Wortmagier, immer wieder gibt es unglaublich geschmeidige Zeilen, die man sich wie Karamell auf der Zunge zergehen lassen muss. Z.B.: „Das Haus selbst war ein herrlicher Bau im traditionellen elisabethanischen Stil, rote, mit der Zeit dunkel gewordene Backsteine und dick mit Blei verglaste Erkerfenster. Fette Spinnen schliefen dahinter wie Bischöfe, und ihre Netze verhängten stellenweise das Glas, und schläfrig äugten sie heraus, wo einst habichtgesichtigte Dandys in geschlitzten Wämsern auf England hinausgeblickt hatten, unbefriedigt in ihren hitzigen Tagen von dessen klösterlichem Charme.“ (S. 29 – aus der Kurzgeschichte „Englischer Sommer“)

Die Hexen von Eastwick von John Update Updike
Wo nun kürzlich die Fortsetzung (Die Witwen von Eastwick) erschienen ist, fand ich es an der Zeit, mich dem ersten Teil zu widmen, den ich bisher nur als Film kannte.
Die Handlung (setze ich einfach mal als grob bekannt voraus) und besonders das Ende unterscheiden sich bei beiden Medien ein wenig. Updikes Stil war mir manchmal zu überladen und verquatscht, und, mir hat das Ende im Film besser gefallen. Doch insgesamt war es ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Unser allerbestes Jahr von David Gilmour
Wohl ein autobiographischer Roman, wenn man den Danksagungen Glauben schenken kann. Aber eigentlich total egal, denn es war ein Buch, das mir wirklich Spaß gemacht hat! David macht seinem lernfaulen Sohn einen unglaublichen Vorschlag: Er braucht nicht mehr zur Schule gehen, darf kostenfrei zu Hause wohnen bleiben, aber muss jede Woche mit seinem Vater drei Filme ansehen, die dieser ausgesucht hat. Natürlich schlägt Jesse sofort ein. Obwohl David manchmal leise Zweifel an seiner Idee kommen, ziehen die beiden es durch.
Ein wirklich schönes und warmes Buch über das Erwachsenwerden, Vater-und-Sohn-Beziehungen und über Filme. Zu vielen der angesehenen Filme gibt es interessante Anekdoten, Hintergrundwissen und Hinweise auf bestimmte Szenen. Toll!

Die Stadt der Diebe von David Benioff
Auch hier die Frage, ob es wirklich auf einer wahren Geschichte beruht; Im Vorwort erzählt David Benioff von einem Besuch bei seinen Großeltern und fragt diese nach ihrer Vergangenheit. Sein Großvater wird nun unser Ich-Erzähler und berichtet aus seiner Jugend in Leningrad. Im Winter 1942 ist Lew 17 Jahre alt, Kälte und Hunger beherrschen die belagerte Stadt. Er wird erwischt, als er einen toten deutschen Soldaten beklaut und landet zusammen mit dem charismatischen Soldaten Kolja, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt hat, im Knast. Statt der befürchteten Todesstrafe erhalten die beiden eine Chance: Sollten sie innerhalb einer Woche 12 Eier für die Hochzeitstorte der Tochter des NWKD-Offiziers besorgen, dürfen sie am Leben bleiben. Eine fast unmögliche Aufgabe…
Ein großartiger Roman! Eine abenteuerliche und  spannende Geschichte, grandios geschrieben, mit interessanten Figuren und einer dichten Atmosphäre, absolut empfehlenswert!